Dichter aus den USA zu Gast in Salzburg: Ein Gespräch mit Richard Ford und Jeffrey Eugenides.
„Culture ist kein amerikanisches Wort, es ist ein deutsches Wort,“ sagte der amerikanische Bestseller-Autor Richard Ford wie zur Bestätigung eines Klischees beim Autorengespräch der Salzburger Festspiele am Dienstagabend in Schloss Leopoldskron. Der deutsche Moderator Michael Naumann, einst im Kabinett Schröder für Kulturbelange zuständig, setzte zu einer Korrektur an. Wahrscheinlich stammt das Wort Kultur also aus dem Lateinischen.
Doch in einer Diskussion mit Ford, dem bodenständigen Chronisten der Mittelklasse, und Jeffrey Eugenides, dem griechischstämmigen Wunderkind fantastischer US-Mythen, sind europäische Details nebensächlich. In einer Plauderstunde („Inside Fiction“) blieben zwei erfolgsverwöhnte US-Schriftstelller höflich distanziert. Und verrieten ein wenig von ihrem einsamen Geschäft.
Ford sieht sich auch als Autor mit politischen Botschaften, sein Opus magnum „The Lay of The Land“ ist in manchen Passagen kritisch gegen die Regierung Bush, doch ob das wirkt? „Amerikaner suchen in der Literatur nicht so sehr Orientierung, Amerikas Geschäft ist business.“ Ford grinst hintersinnig. „Die Amerikaner wollen nur alle vier Jahre über Politik nachdenken, und dann treffen sie eine schlechte Entscheidung. Wir Schriftsteller können sagen was wir wollen, wir können behaupten, dass der Präsident ein Dummkopf sei – niemand hört uns zu.“
Die deutschen Schriftsteller seien viel politischer, ergänzt Eugenides, der einige Jahre in Berlin verbracht hat, „sie haben Respekt vor der Kultur. Die Leser hören auf ihre Autoren. In den USA hört man auf Schauspieler.“ Die europäischen Leser seien viel hartnäckiger. „Sie sind bereit, auch schwierige Bücher zu lesen.“
„Man schreibt über jemand anderen“
Wie schwierig also sind die Bücher von Ford? Naumann wagte einen Vergleich mit dem Romancier Updike. Der habe den Aufstieg der US-Mittelklasse beschrieben, der Salzburger Gast dokumentiere den Verfall. Ford: „Glücklicher Weise muss ich mich nicht mit Updike vergleichen, der schrieb seine Rabbit-Tetralogie in der Ich-Form.“ Zu Frank Bascombe, dem Helden seiner Roman-Trilogie hat Ford Distanz, er schreibt über ihn in der dritten Person. „Aber es ist nicht schwer, sich vorzustellen, Bascombe zu sein.“ Das sei eben der Job des Schriftstellers. „Man schreibt über jemanden anderen, das ist ganz leicht.“ Eugenides ergänzt. „Über sich selbst will man nicht schreiben. Es ist bei uns wie bei Schauspielern, wir spielen Rollen. Ich habe (mit „Middlesex“) einen modernen Mythos der Adoleszenz geschrieben.“
Schreibe man auch für sich, fragt Naumann? Amerikanisches Gelächter: „Das machen die europäischen Autoren,“ kontert Ford. In Amerika schreibe man für die Leser. Kann man Schreiben lehren? Eugenides hält Kurse: „Da lehrt man eigentlich nur, wie man besser liest. Man kann Erzähltalent nicht beibringen.“ Ford differenziert: „Lehrer zu sein, ist keine lebenslange Strafe. Ich habe in Princeton und Harvard unterrichtet, immer dann, wenn ich gerade etwas beendet hatte.“
Beide betonen die Einsamkeit des Schreibers. Er sei nach Maine gezogen, weil er den Ozean sehen wollte, sagt Ford. „Ich brauche einen Raum, der nicht zu kalt ist und ruhig. Ich sehe niemals Kollegen. Zu viel Konversation.“ Ähnlich Eugenides auf die Frage, wie sehr ihn Berlin in seinem Schreiben beeinflusst habe: „Ich habe dort Zuflucht gesucht, um zu schreiben, ich bin zum Ursprung meiner Tätigkeit zurückgekehrt. Schreiben ist individuell und einsam.“
("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.08.2007)