Ein islamischer Religionspädagoge, der von gezwungenem Zusammenleben mit Nichtmuslimen spricht, ist ein (leises) Alarmsignal.
Zugegeben, es ist nur ein – in holprigem Deutsch verfasstes – loses Konzept. Und auch der Aufruf zu Gewalt oder zur Errichtung eines Gottesstaates findet sich darin nicht. Und doch birgt ein kürzlich in Bayern aufgetauchtes Papier einiges an Brisanz. Immerhin ist darin von einem „gezwungenen“ Zusammenleben der Muslime mit der Mehrheitsgesellschaft die Rede. Und auch der „reine Islam“ wird darin propagiert. Es verwundert nicht, dass die regierende CSU reflexartig die kleine islamische Gemeinde, der das Dokument zugeordnet wurde, sofort als integrationsunwillig brandmarkte.
Sehr wohl verwunderlich ist dann allerdings, dass das fragliche Papier gar nicht aus Deutschland stammt, sondern, man höre und staune, aus Österreich. Aus jenem Land, in dem das Zusammenleben von Muslimen und Nichtmuslimen als vorbildhaft gilt. Noch verwunderlicher ist dann, wenn Passagen wie diese nicht von irgendjemandem, sondern von einem Ausbildner islamischer Religionslehrer stammen. Lassen wir die Kirche im Dorf, eine akute Gefahr lässt sich daraus nicht ableiten – das sehen auch Österreichs Verfassungsschützer so. Doch für die Zukunft sind Aussagen wie diese ein Alarmsignal. Denn gerade ein Religionslehrer ist ein Multiplikator, der die Stimmung ganzer Gruppen in bestimmte Richtungen lenken kann. Und irgendwann könnte der Punkt kommen, an dem sich 400.000 Menschen plötzlich nicht mehr zu einem Zusammenleben „zwingen“ lassen wollen. (Bericht: S. 17)
erich.kocina@diepresse.com("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.08.2007)