High-Performer: Elisabeth Stadler, 46, Vorstand Uniqa Personenversicherung.
Zuspätkommen passt eigentlich gar nicht zu Elisabeth Stadler. Doch die einzige Frau im Uniqa-Vorstand legt täglich 150 Kilometer im Auto zurück. Die 46-jährige Managerin, die sich selbst als Perfektionistin bezeichnet, pendelt jeden Tag zwischen ihrem Heimatort Langenlois in Niederösterreich und Wien. Und wegen eines Unfalls auf der Donauuferautobahn beginnt das Interview mit der „Presse“ eben eine halbe Stunde verspätet. „Mir ist es die eine Stunde Fahrzeit wert. Die Fahrzeit nutze ich, um meine Gedanken zu ordnen“, sagt Stadler.
Aber Pendler gelten Studien zufolge doch allgemein als unglücklichere Menschen? „Ich finde es angenehmer am Land zu wohnen“, weil abschalten und regenerieren laut Stadler in dieser Umgebung viel leichter fällt. Spätestens bei der Ortstafel des Weinortes Langenlois ist für Stadler der Arbeitstag, der oft erst um zehn Uhr abends endet, vorbei. Ihren Geburtsort hat Stadler daher nie verlassen.
Auch ihren Arbeitgeber hat die studierte Versicherungsmathematikerin nie gewechselt. Seit nunmehr fast 25 Jahren ist sie für die heutige Uniqa-Versicherung tätig. Eine Beständigkeit, die sich für Stadler ausgezahlt hat. Denn nach der Fusion von Bundesländer, für die Stadler arbeitete, und Austria Collegialität zur Uniqa „wurden fast nur unternehmensfremde Manager in den Vorstand geholt“. Stadler wird 2003 zunächst Vorstand der Uniqa Personenversicherung, ein Jahr später wird sie auch in die Raiffeisen Versicherung und die FinanceLife Lebensversicherung bestellt. Sie ist damit für alle Lebensversicherungen der Uniqa-Gruppe zuständig. „Ich wurde ausgewählt, weil ich das Unternehmen gut kannte und damit aufgewachsen bin“, sagt sie heute über ihre Bestellung. Karriere ist für Stadler daher so etwas wie „geplanter Zufall“. Auch wenn man hart an der Karriere arbeiten müsse, brauche es hie und da auch das Glück, zum richten Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein. Nachsatz: „Als Frau muss man auch heute noch ein bisserl besser sein als Männer, um aufzufallen und voranzukommen.“ Doch in der einst männerdominierten Uniqa-Versicherung, in der vor wenigen Jahren gerade einmal drei von 100 Führungskräften Frauen waren, sind inzwischen ein Fünftel aller Spitzenkräfte Managerinnen. „Es hat sich also schon einiges gewandelt.“ Frauen sind als Führungskräfte „einfühlsamer und taktisch etwas klüger“, findet Stadler. Sie selbst versucht ihre Mitarbeiter in wichtige Entscheidungen einzubinden, wenn sie von einer Sache überzeugt ist, kann sie „aber schon sehr beharrlich“ werden.
Kinder waren mit Job nicht vereinbar
Für Stadler war seit jeher klar, dass sie Mathematikerin werden wollte. „Die Zahlenleidenschaft hat mich verfolgt“, sagt sie. „Ich bin ein typischer Mathematiker: sehr geradlinig und strukturiert.“ Doch Lehrerin wollte Stadler nie werden.
Ein Bekannter besorgt ihr nach der Matura ein Praktikum bei der damaligen Bundesländer-Versicherung und begeistert Stadler für die Versicherungsmathematik. Den Reiz an der Versicherung sieht sie heute wie damals in „harten Kalkulationen, die sich mit den Wünschen des Vertriebs reiben“. Gleich nach dem Studium an der TU Wien tritt sie in die Versicherung ein. Im selben Jahr heiratet sie ihren Mann Robert, der heute Stadtamtsdirektor von Langenlois ist. Kinder haben die beiden keine, weil „das mit meinem Job schwer vereinbar ist“, wie Stadler offen zugibt.
Stattdessen hat Elisabeth Stadler nun beruflich mit einer „schweren Geburt“ zu tun. Sie sitzt im Vorstand der neuen Eliteuniversität IST-Austria in Klosterneuburg-Gugging und soll dort für ordentliche Finanzen sorgen. Stadler, die von Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll „mit diesem Amt betraut wurde“, möchte über die politischen Querelen rund um die Elite-Uni nichts sagen. Nur soviel: „Ausbildung interessiert mich sehr.“
Den ersten Schritt zum Thron setzte Christine Reiler eher aus Jux: Mit einer Freundin hatte die Mittzwanzigerin scherzhaft spekuliert, wie es wohl wäre, zur Schönsten des Landes gewählt zu werden. Die blonde Biologie- und Medizinstudentin bewarb sich auf ein Inserat auf der ÖH-Webseite nach der Devise „Schauen wir mal, ob sie Dich nehmen“ – ohne mit dem Ernstfall zu rechnen, denn „im Vergleich zu den anderen war ich uralt“, so die 25-Jährige. Es kam anders: Erst entschied sie die Wahl zur Miss Niederösterreich für sich, im März distanzierte sie dann ihre Mitbewerberinnen um den Titel „Miss Austria 2007“ um einige Längen. Alles eine Frage der Schönheit? Neben zwei Auftritten am Laufsteg in Abendkleid beziehungsweise Badeanzug ist auch ein Interview vor hunderten Schaulustigen mitentscheidend: „Wenn man nach den eigenen Hobbys befragt wird und nicht ganz doof ist, kann man das steuern. Manche haben als Hobbys Shopping und Handytelefonieren angegeben. Da macht man sich schon selbst sehr klein“, resümiert Reiler. Das dubiose Image, das Miss-Wahlen anhaftet, und das verbreitete Vorurteil, Missen seien schön, aber dumm, sind negative Begleiterscheinungen, denen Österreichs aktuelle Schönheitskönigin mit dem Berufswunsch Orthopädin oder Dermatologin mit Weltoffenheit, Zielstrebigkeit und einer guten Portion Pragmatismus entgegentreten will.
Unterwegs in der Dritten Welt
Als Lebensziel nennt die Mödlingerin „für mich erfolgreich zu sein und das zu erreichen, was ich für mich definiere.“ Wobei Christine Reiler vorgeht, wie bei einem ihrer Hobbys, dem Klettern: „Schritt für Schritt voran – aber irgendwann will ich dann schon auch den Gipfel sehen.“
Dass die in Mödling lebende Tochter eines österreichischen Orthopäden und einer Schweizer Sekundarlehrerin – Reiler beherrscht neben Spanisch, Französisch und Englisch auch Schwyzerdütsch – mehr als einen flüchtigen Seitenblick über den Tellerrand wirft, belegen ihre mehrmonatigen Aufenthalte in der Dritten Welt. In Costa Rica war Reiler schon dreimal und nach Brasilien fährt sie nicht zum Karneval, sondern, wie zuletzt vergangenes Jahr, um drei Monate als freiwillige Helferin an der Dermatologie einer Klinik in Natal schweres Leid wie jenes der Leprakranken zu behandeln. „Ich möchte später immer die Möglichkeit haben, zur Grundmedizin zurückzukehren“, nimmt sich Reiler vor, die in Österreich seit 2001 regelmäßig als ehrenamtliche Rettungssanitäterin für's Rote Kreuz ausrückt.
500 Euro für Megastore-Eröffnungen
Ob der Titel denn neben Ruhm auch Reichtum bringt? Den Hauptpreis, einen nagelneuen Chevrolet Kalos im Wert von 13.000 Euro könne man nach dem „Amtsjahr“ zu Bargeld machen. Manche offizielle Auftritte würden bezahlt, andere nicht. Die wiederum ließen sich in zwei Kategorien teilen: Solche, die weniger Spaß machen, wozu die Eröffnungen neuer Megastores inmitten der Pampas (Gage rund 500 Euro für Anwesenheit und Signierstunde) zählen. Oftmals stellen sich andererseits auch Renditen in Form neuer interessanter Bekanntschaften und weiterführender Kontakte ein.
Die „Renditen“ können auch emotionaler Natur sein: Für die aktive Teilnahme am Lifeball hat sich die frischgekürte Miss Austria „freiwillig gemeldet“ und am Catwalk ihre aktuelle Liebe kennengelernt: den zweifachen Olympia-Silbermedaillengewinner im Schwimmen Markus Rogan. Der Wermutstropfen am Himmel voller Geigen: „Dass man als Miss Austria in der Öffentlichkeit steht, ist klar, aber das potenziert sich mit einem bekannten Freund. Man muss sich anders geben, als man ist. Jeder der mich kennt weiß, dass ich sehr direkt bin. Da denk ich mir schon, muss ich jetzt überall mit einem Grinser hingehn?“ definiert Reiler nicht terminisiertes öffentliches Interesse.
Das nächste Ziel: ein Turnusplatz
Familiengründung steht übrigens derzeit nicht auf dem Programm der Schwester von um drei Jahre jüngeren Zwillingsbrüdern, denn ihr vorrangiges Ziel ist „der zügige Abschluss des Medizinstudiums und dann bald einen Turnusplatz zu ergattern, statt vier Jahre tatenlos abzuwarten“.
Im November steht noch ein längerer Auslandsaufenthalt im Reich der Mitte an. Eine Bildungsreise der besonderen Art. Denn Christine Reiler nutzt die Chance, an der Wahl zur Miss World teilzunehmen, obwohl sie sich auf den Titel keinerlei Chancen ausrechnet: „Mit meinen 25 Jahren bin ich ein Methusalem und mit nur 171 Zentimetern ein Zwerg unter den Konkurrentinnen. Aber mich interessiert nicht nur China, sondern auch wie die Wahl dort ausgetragen wird.“ – Man wird sehen. Vielleicht gibt es ja wieder ein entscheidendes Interview vor der Endwahl am 1. Dezember in Hanain Island, dem Hawaii von China, und eine Fortsetzung der Miss World-Geschichte, die Reilers Miss Austria-Vorgängerinnen Ulla Weigerstorfer und Eva Rueber-Steier geschrieben haben.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.08.2007)