Interview. Helga Rabl-Stadler, Salzburger Festspiel-Präsidentin, über gute Einnahmen, großzügige Sponsoren, den Netrebko-Crash und ihren Plan, ein Buch zu schreiben.
Die Presse: Wie ist es wirtschaftlich gelaufen?
Helga Rabl-Stadler Ich muss zugeben, ich war ängstlich mit diesem ganz anderen Programm, einer Haydn-Oper („Armida“), die man nicht einmal in den Opernführern findet, als Beginn. Aber glücklicherweise werden wir das Budget einhalten. Der Kartenverkauf läuft sogar besser als budgetiert. Wir werden positiv aussteigen. Nicht mit einem echten Gewinn, aber sehr gut im Gegensatz zum prognostizierten Budget-Defizit.
Wird jetzt das Budget erhöht?
Rabl-Stadler: Wir haben leider keine Chance, dass uns der Bund 2008 eine Subventionserhöhung gibt. Aber wir sind in sehr guten Gesprächen für 2009 und auch für unsere Investitionen. 7,2 Mio. € brauchen wir für die dringendsten Sofortmaßnahmen. Ministerin Schmied war an diesem Wochenende in Salzburg und hat sich sehr viel Zeit genommen, um sich die Investitionserfordernisse anzuschauen. Ich bin optimistisch, weil auch Finanzminister Molterer sich bereits das katastrophale Dach der Felsenreitschule angesehen und gemeint hat, er sieht ein, dass wir eine finanzielle Hilfe brauchen.
Wie finden Sie die Regierung? Denken Sie daran, nach Ihrer Festspielpräsidenten-Ära 2011 in die Politik zurückkehren?
Rabl-Stadler: Mein größtes Bestreben ist, für die Festspiele eine gute Gesprächsbasis mit der Politik zu haben. Daher äußere ich mich nicht zu politischen Fragen. Und: Ich werde auch nach meiner Festspiel-Präsidenten-Zeit nicht in die Politik zurückkehren. Vielleicht schreibe ich ein Buch über die Zeitgeschichte, wie ich sie erlebt habe, beginnend als Journalistin in der Kreisky-Ära über meine politische Laufbahn und die Festspiele.
Tut es Ihnen leid, dass Sie Anna Netrebko für ihre Absage getadelt haben?
Rabl-Stadler: Ich habe aus meinem Herzen keine Mördergrube gemacht. Ich war einfach sehr enttäuscht, dass Anna Netrebko es nicht der Mühe wert gefunden hat, uns persönlich anzurufen und zu sagen: Mir geht es nicht gut. Ich habe Verständnis, wenn ein Künstler krank ist und absagen muss. Aber meine Kritik nehme ich nicht zurück. Christine Schäfer war wunderbar, das Wort Ersatz verbietet sich. Aber es ist nun einmal so, das Publikum schwört auf seine Sänger, der eine ist für den Matthias Goerne und der andere für den Thomas Hampson. Lassen wir das jetzt. Ich hätte gern mit Anna Netrebko gesprochen. Ich hoffe auch, dass sie wieder in Salzburg singt. Im Grunde ist das aber alles Sache des Intendanten, Jürgen Flimm.
Wofür werden die Salzburger Festspiele 2007 in die Geschichte eingehen?
Rabl-Stadler: Ich glaube, dass unser tollstes Projekt das West-Eastern-Divan-Projekt ist. Wir wollen eine Schule des Hörens sein, auch und vor allem für die jungen Leute. Man redet immer von den teuren Karten. Die Wahrheit ist: 50 Prozent unserer Tickets kosten unter 100 Euro. Nur 23 Prozent der Karten kommen über 200 Euro. Popkonzerte sind auch teuer. Die Kartenpreise der Festspiele werden übrigens nicht erhöht.
Wie sieht es mit den Sponsoren aus?
Rabl-Stadler: Ich hoffe, dass ich da weiter so eine glückliche Hand habe. Heuer ist mein erfolgreichstes Jahr. Wenn man Sponsoren halten will, muss man sich ständig um sie kümmern. Wir haben fünf Hauptsponsoren, und zum ersten Mal vier Projektsponsoren. Dank der Uhrenfirma Lange & Soehne, konnten wir uns erstmals eine Pfingstoper leisten. Roche hat sich sogar bis 2011 verpflichtet. Dadurch wurde „Kontinent Scelsi“ ermöglicht. Und der leider verstorbene Erich Schumann (WAZ) hat uns einen großen Betrag für West-Eastern Divan gegeben.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.08.2007)