Hinter der Finanzkrise steckt wohl mehr als eine kleine Börsenkorrektur
Die längst zu einem globalen Finanzproblem gewordene amerikanische „Subprime“-Krise macht derzeit zwar weltweit Börsianer verrückt, lässt Notenbanker beinahe täglich mit der großen Geldspritze ausfahren und bringt internationale Konjunkturexperten zum Grübeln. Aber die Elite der heimischen Konjunkturprognostik sitzt noch ganz entspannt auf der Insel der Seligen.
Uns kann nichts passieren, haben wir in den vergangenen Tagen mehrmals gehört. Der Finanzmarkt habe sich ja längst ebenso von der Realwirtschaft abgekoppelt wie die europäische Konjunktur von der amerikanischen.
Hören wir gerne. Nur mit dem Glauben hapert's ein wenig. So eigenfinanziert sind die heimischen Unternehmen auch wieder nicht, dass sie eine weltweite Kreditverknappung unberührt lässt. Und so abgekoppelt von der globalen Wirtschaft ist das Exportland Österreich wohl auch nicht, dass Börsen- und Dollarverfall in Kombination mit einer möglichen Rezession in den USA keine Spuren hinterlässt.
Verbuchen wir das Ganze also unter „konjunktureller Frohsinn“. Eine (mehrfach gehörte) Begründung für den hiesigen Optimismus war freilich besonders drollig: Österreich werde von den Turbulenzen nichts spüren, weil die Konjunktur im zweiten Quartal besonders gut gelaufen sei. Das ist übrigens jenes Quartal, in dem die internationalen Börsen Höchststände hinlegten.
Diese Form der Prognostik haben deutsche Kollegen vor kurzem „Fahren mit dem Rückspiegel“ genannt. Würden Wetterprognosen nach diesem Schema erstellt, könnten wir hören, das vom Atlantik hereinziehende Sturmtief „Hugo“ werde Österreich keinesfalls treffen, weil der vergangene Juli ja schön und trocken war.
Aber lassen wir das. Konjunktur- und Wetterexperten haften ja nicht für ihre Prognosen. Und sie können uns nachher sicher einleuchtend erklären, wieso es ganz anders gekommen ist.
Wer aber – egal ob Unternehmer oder Anleger – auf der sicheren Seite sein will, sollte derzeit eher Vorsicht walten lassen. Noch ist ja nicht wirklich viel passiert. Aber das Ausmaß und die ungewöhnliche Hektik der internationalen Notenbank-Aktionen lassen den Schluss zu, dass hinter der Krise doch ein wenig mehr steckt als eine kleine (und gesunde) Börsenkorrektur.
josef.urschitz@diepresse.com("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.08.2007)