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Rückrufe: EU warnt China vor Vergeltung

(c) APA
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China weist eine Ladung Herzschrittmacher aus den USA zurück – wegen angeblicher Qualitätsmängel. Nun schreitet EU-Kommissar Mandelson ein.

Brüssel/Peking (pic/ag.). Erst schien es sich um ein Qualitätsproblem einzelner westlicher Firmen zu handeln, die ihre Produkte billig in China herstellen ließen. Nun wird ein Politikum daraus: EU-Handelskommissar Peter Mandelson warnt China scharf vor der Vergeltung für die jüngsten Rückrufaktionen von chinesischen Artikeln. Wie berichtet hat der Spielwarenhersteller Mattel vergangene Woche 18 Mio. in China gefertigte Spielwaren zurückgerufen, weil sie etwa bedenkliche Bleiwerte aufwiesen. Nun meldeten chinesische Behörden ihrerseits, sie hätten eine Lieferung von 270 Stück Herzschrittmachern aus den USA zurückgewiesen – wegen Qualitätsmängeln. Die Herzschrittmacher, die einen Wert von 250.000 Dollar (185.000 Euro) haben, erfüllten nicht chinesische Standards und könnten Patienten gefährden, heißt es.

Die EU ortet einen Gegenschlag. „Wenn manche in China den Vorwand für Vergeltungsmaßnahmen schaffen wollen, wird die Europäische Union das aufs schärfste bekämpfen“, erklärt Mandelson. Er will aber jene europäischen Firmen unterstützen, die für Menschen gefährliche Produkte zurückweisen müssen. Dies sei keine Frage der Handelspolitik, sondern eine der Gesundheitsfürsorge.

Unterdessen rollt in den USA bereits eine Klagswelle auf den Spieleproduzenten Mattel zu. Eine kalifornische Familie verlangt, dass Mattel die Untersuchungen von Kindern auf mögliche Bleivergiftungen bezahlt. In New York fordert ein Kläger zudem den Kaufpreis der Produkte zurück sowie einen Schadenersatz.


Schuld am Übel: „Geiz-ist-geil“

Um die Gemüter zu beruhigen, trat der Chef der staatlichen Qualitätssicherungsbehörde, Li Changjiang im staatlichen Fernsehen Chinas auf. In einer Talkshow zeigte er, wie unbedenklich das dort gefertigte Spielzeug sei. Er lässt das Publikum raten, welcher Teil eines Stofftiers erhöhte Bleiwerte aufweise. „Bloß die Augenbrauen“, beruhigt Changjiang. „Sie sollten an ‘Made in China‘ glauben.“

Der deutsche Qualitätsprüfer TÜV-Süd tut das nicht. Jedes zweite fehlerhafte Produkt, das er beanstandet, stamme aus China, heißt es. Seit 2006 hätten die Mängel stark zugenommen. Schuld daran sei die „Geiz-ist-geil“-Mentalität der Konsumenten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.08.2007)