Heer: Zu wenig Rote für Umfärbung

Die Presse (Michaela Bruckberger)
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Darabos besetzt 21 Spitzenpositionen neu – es gibt aber kaum SP-nahe Offiziere.

Wien. Es ist ein Geschenk, das Vor-Vorgänger Herbert Scheibner Verteidigungsminister Norbert Darabos gemacht hat: Scheibner hatte 21 Spitzenpositionen in Ministerium und Heer zeitlich befristet auf fünf Jahre vergeben, die jetzt auslaufen. Der Minister hat die Möglichkeit, die Schlüsselpositionen in seinem Haus mit Vertrauensleuten zu besetzen.

Dass Darabos jetzt sein Ministerium tiefrot einfärbt, ist aber nicht zu erwarten. Nicht weil der frühere SPÖ-Bundesgeschäftsführer zu wenig Machtpolitiker wäre, um Derartiges zu versuchen. Sondern ganz einfach, weil das Personal dafür nicht vorhanden ist. Das Verteidigungsressort ist seit Jahrzehnten tiefschwarz gefärbt, versehen mit einigen blau-orangen Tupfern aus Zeiten der Minister Frischenschlager, Krünes und Scheibner. Sozialdemokratische Top-Offiziere sind da eine seltene Spezies.

Die zentrale Frage lautet: Wer wird neuer Generalstabschef? Darabos will die Position aufwerten – und hat in dem Fall sogar einen SP-Kandidaten an der Hand: Edmund Entacher, einst Kommandant der Landstreitkräfte und von Darabos-Vorgänger Günther Platter aufs Abstellgleis gestellt. Was gegen Entacher spricht: Er gilt als hemdsärmeliger Mann der Truppe und ist mit den Finessen und Fallstricken der Spitzenbürokratie wenig vertraut.

Die beherrscht dagegen der zweite Kandidat aus dem Effeff: Othmar Commenda, der in den vergangenen Jahren die Bundesheer-Reform vorangetrieben hat. Commenda könnte damit trotz fehlender SPÖ-Nähe eine Chance haben. Wahrscheinlicher ist aber immer noch die Bestellung von Entacher – in Kombination mit einem Ministeriums-internen Schwergewicht: Christian Segur-Cabanac, ein deklarierter ÖVPler, könnte Entacher zur Seite gestellt werden. Segur-Cabanac hatte in der Ära Platter als Favorit für den Generalstabschef gegolten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.08.2007)

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