Der Wiener Islam-Experte im Visier des bayerischen Verfassungs-schutzes sieht sich falsch verstanden.
WIEN.Bestürzt zeigt sich jener Wiener Islam-Experte, der vergangene Woche ins Visier des bayerischen Verfassungsschutzes geraten war (Die „Presse“ berichtete). Gerade aus dem Urlaub zurückgekehrt, sah er sich plötzlich mit massiven Vorwürfen konfrontiert.
Die Verfassungsschützer hatten Anstoß an einem Papier genommen, das einer islamischen Gemeinde im kleinen bayerischen Ort Penzberg zugeschrieben wurde. Dabei stellte sich heraus, dass der Inhalt des Dokuments aus Wien stammte, verfasst von einem Mitglied der Islamischen Glaubensgemeinschaft – das für die Ausbildung von islamischen Religionslehrern verantwortlich ist.
Im Gespräch mit der „Presse“ erklärt der Religionspädagoge, warum er sich falsch verstanden fühlt: Zunächst meint er, dass es sich nur um eine Ideensammlung und nicht um einen zur Veröffentlichung bestimmten Text handle. Der Penzberger Imam hatte ihn um Vorschläge zur Errichtung einer Islam-Akademie gebeten. Er habe daraufhin einige Ideen zusammengetragen und per E-Mail nach Deutschland geschickt.
Dort wurde es – wie auch andere Papiere – mit einem Logo versehen und abgeheftet. Wie es dann zum Verfassungsschutz geriet, ist bislang ungeklärt.
Inhaltlich steht der Islam-Experte aber zu dem Papier. Er gibt aber zu, dass einige Passagen missverständlich sind – etwa, dass Muslime „gezwungen“ mit der Mehrheitsgesellschaft zusammenleben. „Die Formulierung ist falsch, das war so nicht gemeint.“ Er habe lediglich eine Tatsachenbeschreibung machen wollen, dass Muslime eine Minderheit seien.
Gegen Beschneidung und Terror
Den Begriff des „reinen Islam“, wie er im Papier vorkommt, sieht er nicht so problematisch wie die Verfassungsschützer: „Gemeint war ein Islam, der von lokalen Traditionen bereinigt ist, die nicht dazugehören – etwa Beschneidung von Frauen oder Terror.“ Und genauso solle er den Kindern in Schulen näher gebracht werden.
Der Islam-Experte, der sich selbst als liberal bezeichnet, sieht sich als Opfer eines politischen Spiels, in das er hineingezogen wurde. Anscheinend wolle man in Bayern mit allen Mitteln die von den Penzbergern geplante Islam-Akademie verhindern. Dabei würden eben auch interne Schriftstücke plötzlich als offizielle Dokumente betrachtet.
Rückhalt bekommt der Pädagoge auch von Anas Schakfeh, dem Präsidenten der Islamischen Glaubensgemeinschaft: „So wie ich ihn kenne, glaube ich, dass es nur eine unbeholfene Formulierung war.“
("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.08.2007)