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Prag: Pazifismus von Darabos ist „sonderbar“

(c) APA (Helmut Fohringer)
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„Presse“-Interview mit Verteidigungs-Minister Darabos ruft Tschechiens Außenminister Schwarzenberg auf den Plan.

WIEN/PRAG (red., APA). Der Aufbau eines US-Raketenabwehrschirms in Osteuropa sei seiner persönlichen Meinung nach eine „Provokation“, hatte Österreichs Verteidigungsminister Norbert Darabos am Donnerstag im Interview mit der „Presse“ gemeint. Das rief nun Tschechiens Außenminister Karl Schwarzenberg auf den Plan. „Herr Darabos ist ein Mensch mit ausgesprochen pazifistischer Ausrichtung, was bestimmt lobenswert, allerdings bei einem Verteidigungsminister sonderbar ist“, sagte Schwarzenberg im tschechischen Rundfunk. Als neutrales, von Nato-Staaten umgebenes Land sei es für Österreich „einfacher, darüber zu reden“, meinte der tschechische Außenminister. Zudem habe Österreich „große Wirtschaftsinteressen in Russland“.

Schwarzenberg gilt als vehementer Befürworter einer tschechischen Beteiligung an der US-Raketenabwehr. In Tschechien sollen Radaranlagen für das System stationiert werden. Aus Moskau kommt daran heftige Kritik.


Bundesheersoldaten für Tschad

Darabos hatte in dem „Presse“-Interview vom Donnerstag auch erstmals bekannt gegeben, dass Österreich keine Soldaten in die westsudanesische Krisenprovinz Darfur entsenden wird. Stattdessen stellte er in Aussicht, bis zu 50 Mann auf eine Sanitätsmission in Sudans Nachbarland Tschad zu schicken. Ursprünglich wollte man erst im September eine Entscheidung zu Darfur treffen.

Das jetzige Nein Österreichs zu einem Einsatz in Darfur sei symptomatisch, meint der österreichische Politikwissenschaftler Thomas Schmidinger. „In Europa interessiert sich niemand wirklich für Darfur.“

Die Suche nach europäischen Soldaten für den bisher größten UN-Einsatz verläuft zäh. Zusagen kommen bisher erst vor allem aus den skandinavischen Ländern.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.08.2007)