Fernsehen: „Extrazimmer“: Nach dem Chaos jetzt das Aus

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Wieder muss Alexander Wrabetz eine neue Sendung einstellen – ein empfindlicher Rückschlag.

Management by Chaos scheint derzeit im ORF zu herrschen. Am Mittwoch schickte ORF-General Alexander Wrabetz noch seinen Sprecher Pius Strobl an die Front, um in langen Worten das kurzfristige Ende der Sendung „Extrazimmer“ zu dementieren. Donnerstag bestätigte der ORF-Chef dann, was – wie die „Presse“ exklusiv berichtete – bereits am Dienstag in einer Sitzung im ganz kleinen Kreis beschlossen worden war: Die Mittwoch-Spätabendsendung, die von Anfang an im Kreuzfeuer der Kritik gestanden hatte und auch von den Einschaltquoten her nicht überzeugen konnte, wird eingestellt. Damit erleidet die Wrabetz-Reform nach der Einstellung von „Mitten im Achten“ einen weiteren empfindlichen Rückschlag.

Und der Verdacht wird genährt, dass die Entscheidungsfindung im ORF keinen nachvollziehbaren Linien folgt. Nach langfristiger Strategie sieht die Sache (wie schon bei der Einführung der TV-Reform im April) nicht aus. Immerhin hatte Wrabetz seinem Programmdirektor Wolfgang Lorenz noch kürzlich versichert, dem „Extrazimmer“ eine zweite Chance einräumen zu wollen – und grünes Licht für eine Erneuerung der Sendung gegeben. Neue Moderatoren wurden gesucht, neue Folgen gedreht, von denen es dann aber hieß, dies seien nur „Piloten“, die Ausstrahlung eines Trailers nur ein Missverständnis.

Kehrtwende durch die Arktis

Am Donnerstag dann die Kehrtwende zum Dementi vom Mittwoch: Weil der kurzfristig anberaumte Arktis-Themenabend so gut lief (516.000 Zuschauer), kam Wrabetz nach eigener Aussage zu dem Schluss, „dass man mit sehr ernsten und seriösen Gesprächen über ernste Dinge auch sehr gute Erfolge erzielen kann“. Das wird sich zwar nicht jede Woche wiederholen lassen – dennoch hat der ORF-Chef entschieden, den Relaunch des „Extrazimmer“ doch nicht zu wagen, sondern lieber „im Herbst gleich einen neuen Talk zu starten“.

Damit ist der nächste Dreh in Wrabetz' Zick-Zack-Kurs perfekt. Elmar Oberhausers „Club2“-Nachfolger steht ohnehin schon in den Startlöchern – und Programmdirektor Lorenz wie ein begossener Pudel im Regen, weil Wrabetz nicht rechtzeitig entschieden hat.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.08.2007)

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