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„Recht auf Moscheen“

Die Presse (Clemens Fabry)
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Moslems steht Bau von Gotteshäusern genauso zu wie Christen, sagt Konfliktforscher Anton Pelinka.

Wien.Österreichs Moslems haben ein verfassungsmäßig begründetes Recht auf den Bau von Moscheen. Das sagt Anton Pelinka, Politikwissenschaftler und Leiter des Instituts für Konfliktforschung im „Presse“-Gespräch. „Im Prinzip haben sie die gleichen Rechte wie alle anderen in Österreich anerkannten Religionen und können daher auf den Bau von Gotteshäusern pochen.“

Die Proteste gegen Moscheen-Bauten, etwa in Telfs (Tirol) oder Bad Vöslau (Niederösterreich), seien juristisch nicht begründbar. „Vielmehr geht es da um Ressentiments gegenüber Ausländern.“

Pelinka glaubt, dass die Proteste nichts mit Verdrängungsängsten der christlich geprägten „Leitkultur“ zu tun haben: „Unter denen, die am stärksten gegen Moscheen vorgehen, sind kaum aktive Katholiken.“ Auch die Amtskirche halte sich in dieser Beziehung zurück. Warum? Pelinka: „Weil sie vor dem Gesetz gleichberechtigt ist, würde sie damit umgekehrt ihre eigenen Gotteshaus-Standorte in Frage stellen.“

Aber nicht nur weil der Islam schon bald die zweitgrößte Religionsgemeinschaft im Land sein wird, sei der Bau von Moscheen notwendig. Eine öffentlichere Ausübung dieser Religion würde die berechtigten Sorgen vor islamistischem Extremismus dämpfen und die Prediger der Hinterzimmer in die Öffentlichkeit stellen. „Das würde die Sicherheit vermutlich sogar erhöhen“, glaubt Pelinka.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.08.2007)