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Groß-Moschee in Köln: „Integrationsfeindliche Kriegserklärung“

AP (Roberto Pfeil)
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Publizist Ralph Giordano empfiehlt Österreich, von den Fehlern in Deutschland zu lernen.

Die Presse: Sie sind der prominente Hauptkämpfer gegen die geplante Kölner Riesen-Moschee. Warum?

Ralph Giordano: Sie ist eine integrationsfeindliche Kriegserklärung, mit der die Katze aus dem Sack gelassen ist: der Machtanspruch. Multi-Kulti-Illusionisten, xenophil-einäugige Umarmer und Appeasement-Doktrinäre haben ein Kuckucksei ins nationale Nest gelegt, von dem keiner weiß, was rauskommt, wenn es ausgebrütet ist. Ich habe eine Flut von Briefen, Telefonaten bekommen: Giordano, wir teilen Ihre Beklemmung vor einer schleichenden Islamisierung, aber wir wagen nichts zu sagen, weil wir in die rechtsextreme Ecke gestellt würden.

 

Auch das Christentum liebt große Gotteshäuser.

Giordano: Der Gebetsraum nimmt einen Bruchteil der Fläche des Projekts ein. In Kirchen gibt es keine angeschlossenen Geschäfte und Fitnesscenter. Diese Sakralmonstranz wurde erdacht von der Ditib (mitgliederstärkste Migrantenorganisation, Dachverband der türkisch-islamischen Moscheegemeinden, Anm.), dem verlängerten Arm der Religionsbehörde in Ankara. Außerdem weigere ich mich, jüdisch-christliche Tradition und islamische hier gleichberechtigt zu sehen. Welche andere Tradition haben Europa und Islam als eine Bedrohung durch das Osmanische Reich? Wo bleibt die Parallelforderung nach Religionsfreiheit für Nicht-Muslime in der Türkei?

 

Das ist Aug-um-Aug-Logik.

Giordano: Nein – weil es Kräfte des politischen Islam gibt, die für unsere Kultur bedrohlich sind.

Kuckucksei, nationales Nest – solche Worte von einem, der als Jude im Versteck die NS-Zeit überlebte?

Giordano: Genau die durch die NS-Verfolgung bitter erkämpften Kriterien lassen mich heute so wachsam sein. Ich habe nicht zum Bürgerkrieg aufgerufen. Ich glaube, dass die Masse der Muslime an einem friedlichen Verhältnis interessiert ist. Aber von sich reden machen die Migrantenverbände. Sie haben diese Situation heraufbeschworen.

 

Wie erklären Sie Ihren Furor einem moderaten Moslem, der nie gegen das Grundgesetz verstoßen hat?

Giordano: Zwischen Hinterhof- und zentraler Großmoschee gibt es viele Stufen. Die vier Millionen sind nun hier, man kann sie natürlich nicht ausbürgern, über die Grenze schicken ...

 

Aber es wäre Ihnen am liebsten?

Giordano: Nein. Aber wenn die Integration bis jetzt gescheitert ist, ist sie überhaupt möglich? Ich glaube, nein, die Kulturen sind unvereinbar. Ausnahmen sind nicht exemplarisch. Die Zukunftsfrage muss sein: Wie können deutsche Mehrheit und muslimische Minderheit nebeneinander existieren – ohne Integration?

 

Zu diesem „Wie“ gehört, Moscheen zu verhindern?

Giordano: Es geht nicht ums Ob, sondern um das Wie.

 

Das Wie des Predigens ist in Großmoscheen besser kontrollierbar.

Giordano: Dieses Argument zeigt nur, in welcher Situation wir sind: Kampf gegen die Hassprediger, indem wir riesige Moscheen bauen. Soll das heißen, bis jetzt hat man in Nischenmoscheen Hass gepredigt, wenn Großmoscheen da sind, wird man das nicht mehr tun?

 

In Österreich beginnt die große Diskussion gerade – bis jetzt gibt es erst zwei Moscheen.

Giordano: Ich kann den Österreichern nur empfehlen, die Dinge nicht laufen zu lassen, sondern zu sehen, was beim Nachbarn Deutschland so fehlgelaufen ist, dass das Problem jetzt explosionsartig hochkommt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.08.2007)