Tucepi: Badelatschen und Bergschuhe

(c) Klaudia Blasl
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Viel Wasser, noch mehr Berg. Und dazu ein paar schräge Töne. An der Makarska Riviera in Dalmatien trifft all das aufeinander.

Vom Badetuch aus ergibt sich eine falsche Perspektive: Das Biokovo-Gebirge, das sich nicht weit hinter dem Kiesstrand-, dem Promenaden-, dem Appartement- und dem Küstenstraßenstreifen von Tucepi bis auf über 1700 Meter stemmt, ist keine plane Steilwand. Vielmehr ein in sich strukturierter Block mit vielen Hochebenen, ein paar lichten Eichen-Wäldern, karstigen Steinhaufen und einer Straße, die sich in Spitzkehren mutig hinaufwindet, bis sich bei einer Alm ein Parkplatz und ein sehr uriges Gasthaus auftun, wo man Lamm, Biokäse und selbst angesetzten Kräuterlikör serviert.

Man könnte noch weiterfahren zum Sveti Jure, dem höchsten Gipfel dieses fast vegetationslosen Gebirges, aber Hunger, die Idylle und zehn Grad Temperaturunterschied sagen: Halt! Man steigt aus oder ab – hierher zieht's auch Mountainbiker – und hört Kuhglockengebimmel, grad so wie auf dem Hochkönig.

Vermutlich wundern sich die Rindviecher längst nicht mehr, warum sie die Touristen so in Entzücken versetzen, sie noch ein paar Meter nach links trotten sollen, damit die ganze originelle Szenerie ins Bild kommt: eine hochalpine Alm vor einem ausgemachten Adria-Badeparadies.

Berg und Meer verschmelzen zu einem Urlaub in Tucepi. Es gibt edlere Plätze an der traumhaften Makarska Riviera, Dörfer mit attraktiverer und spekulationsträchtigerer Bausubstanz am Meer. Das Kapital dieses klassischen Ferienorts liegt aber in seinem Wesen. Locker und irgendwie charmant, ist es als Destination schnell, aber natürlich gewachsen.

Leicht und locker

Trotz Hochbetrieb wird nicht geklotzt, die Gastronomie ist übersichtlich geblieben, und auch die Quartiergeber haben mehr in die Qualität als Output investiert. Die wenigen höheren Hotels gingen spanischen Bettenburgen gerade einmal bis zum Knöchel. Gastgärten unterscheiden sich nicht nur durch die Tischwäsche, sondern durch Speisekarten und Styling.

In dieser mediterranen Leichtigkeit baut man dann auch einmal ein kleines Musikfestival neben der Marina auf, um zu probieren, ob die Leute Rock'n'Roll am Wasser mögen. Freilich mögen sie, und sie bleiben stehen, tanzen, singen mit – Coverversionen, Rock, Funk, Singer-Songwriter-Material, es wird improvisiert. Später trifft man die Musiker – Tschechen, Kroaten, Österreicher, Briten – bei einer spontanen Jam-Session im Gastgarten der Disko-Bar wieder. Die Anbrat-Theke drinnen bleibt dann leer.

Sehr alt ist Tucepi allerdings am Bergabhang – versprengt in romantische Weiler, wo nach und nach die Häuser renoviert werden, man Wein anbaut und Oliven presst, kalt selbstverständlich. Manchmal kommen auch Auswanderer zurück, im Ruhestand, weil ihnen nichts den Ausblick über die Bucht, die Steilküste und die Inseln Hvar und Brac am Horizont ersetzen kann. 4000 Jahre früher schon suchten Menschen hier die vielen Quellen und die sichere Lage – Achtung: Piraten. So blieb der Küstenstreifen frei, und man füllte sie mit Badegästen, später mit Freizeitkapitänen, die ihr Boot in die Marina stellen, um hin und wieder rauszufahren, wenn keine Bora weht. Der berüchtigte Fallwind stürzt sich gern das Biokovo-Gebirge hinunter. Glücklich ist, wer dann festen Boden unter den Füßen hat.

KIES. Strand. Bucht.

Tucepi: 1000 Einwohner, zirka
5000 Betten; vier Kilometer Strand; eine ewig lange Promenade, an der sich Cafés, Restaurants, Bars und kleine Läden auffädeln; 72 Plätze in der Marina; netter Wanderweg nach Makarska
Tourismusbüro Tucepi:
T 00385/ 21/623 100 www.tucepi.com
Kroatische Zentrale für Tourismus
(Wien): T 01/585 38 84, www.kroatien.at
Anreise: Auf der Autobahn A1 bis zu deren Ende bei Sestanovac. Weiter auf die Jadranska Magistrala in Richtung Makarska. Oder Flug nach Split bzw. Fähre Rijeka–Split
Biokovo:
dalmatinische Speziali- täten, Karstphänomene www.vratabiokova.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.08.2007)


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