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Zeitzeugenbericht: Die unausrottbaren Legenden um Apfalters Tod 1987

(c) APA (Roland Schlager)
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Zum Artikel „Apfalters Herz versagte rechtzeitig“ (H.W. Scheidl in der „Zeitgeschichte vom 3.August2007)...

Zum Artikel „Apfalters Herz versagte rechtzeitig“ (H.W. Scheidl in der „Zeitgeschichte vom 3.August2007):

Hartnäckig wird überall verschwiegen, dass der einst sich selbst für „unangreifbar“ wähnende Voest-Generaldirektor Heribert Apfalter im August 1987 unmittelbar vor seiner Verhaftung stand! Er hatte sich stets als unangreifbar gewähnt – wie auch ein enger Mitarbeiter des damaligen Kanzlers Fred Sinowatz mir gegenüber bestätigte. Sein wiederholter Ausspruch gegenüber seinen Ex-Vorstandskollegen in der Sache der Pensionskürzungen nach deren von ihm abgenötigten „Rücktritten“: „Mir hat nichts passieren können. Wenn ich auspacke, stürzt die Regierung.“

Auslöser für die bevorstehende Verhaftung war vor allem ein Notariatsakt vom Februar 1986, den der später flüchtige „Intertrading“-Manager Gernot Preschern hinterlegt hatte. Der war im Frühjahr 1986 plötzlich ins Ausland abgetaucht. Wie er mir in einem Telefongespräch sagte, „auf dringendes Anraten von Apfalter, bis Gras über die Sache gewachsen ist“.


Ein Vertrauter des Ministers

Von seiner bevorstehenden Verhaftung erfuhr Apfalter mit höchster Wahrscheinlichkeit durch einen engen Vertrauten eines damaligen SPÖ-Parteigranden und Ministers.

Zur Zeitabfolge: Die Einvernahme Apfalters bei der Kriminalpolizei in Linz fand am Freitag, dem 21.August1987, statt. Am darauffolgenden Montag wurde vom Staatsanwalt beim U-Richter die Inhaftierung Apfalters beantragt. Das sprach sich bis nach Wien durch.


Der Anrufer aus Wien

Es erfolgte dann an jenem Dienstag ein Anruf „aus Wien“ in der Linzer Wohnung von Apfalter, der von dessen Ehefrau entgegengenommen und mit dem Hinweis beantwortet wurde, dass ihr Mann in seinem Haus in Weistrach im niederösterreichischen Mostviertel sei. Da Apfalters Telefon – wie das einiger anderer Noricum-Beteiligter – auf richterlichen Beschluss bereits abgehört wurde, nun ein sonderbarer Zufall: Dieses Tonband wurde von der Kriminalpolizei nicht sofort dem U-Richter übergeben, sondern ins Innenministerium nach Wien geschickt. Zurück kam es schließlich mit „Störungen“, so dass die Stimme des geheimnisvollen Anrufers nicht mehr erkenntlich war.

Nun der zweite „Zufall“: Das Telefon von Apfalters bekanntem Domizil in Weistrach in Niederösterreich war nicht abgehört worden. Warum? Das wurde nie geklärt. Somit konnte auch jener geheimnisvolle Anrufer „aus Wien“ nie ausgemacht werden, der mit Apfalter ein Treffen seiner Vertrauenspersonen an der Autobahnraststätte Haag vereinbart hatte. Dieser Treffpunkt war offensichtlich von Apfalter selbst vorgeschlagen worden.

Wer war der unbekannte Abgesandte aus Wien? Er trug nach Aussage einer Kellnerin einen Spitzbart und eine „dunkle Brille“ (es konnte auch eine nachdunkelnde Brille gewesen sein). Was der – anscheinend auf der Anreise zu den Alpbacher Sommergesprächen befindliche – Mann Apfalter sagte, dürfte wohl die Botschaft gewesen sein, dass er vor der Verhaftung stünde und ihn der damals noch Mächtige in der SPÖ und Regierung nicht mehr schützen könne!

Diese Mitteilung dürfte Apfalter nach seiner Rückkehr ins Haus in Weistrach ziemlich in Aufregung versetzt haben. Dass er seit seinem Herzinfarkt im Jahre 1979 über das Mittel Digitalis verfügte, war und ist kein Geheimnis. Wohl aber wird bei den ganzen „Agenteng'schichterln“ um den Tod Apfalters eines nie dazugesagt: Es ist ein probates Mittel, um – im Gegensatz etwa zu dem qualvollen Tod nach Einnahme von Schlafpulvern –, in größerer Dosis eingenommen, schmerzlos aus der Welt zu scheiden.

Was waren nun die immer wieder zitierten „Druckmittel“, die er gegenüber der SPÖ-Regierung, speziell Innenminister Karl Blecha, in der Hand hatte?


Parteifinanzierung

Es war ein Schreiben der beiden SPÖ-Zentralsekretäre Fritz Marsch und Karl Blecha an ihn aus dem Jahre 1981 oder 1982, als im Zusammenhang mit einer Kapitalzuführung von zwei Milliarden Schilling an die Voest-Alpine bzw. deren Tochter VEW ganz unverblümt eine finanzielle Würdigung dieser Bemühungen der SPÖ in Form von noch zu besprechenden Möglichkeiten eingemahnt wurde! Kurzum: Parteienfinanzierung aus Mitteln des verstaatlichten Unternehmens. Diesen Brief hatte Apfalter unmittelbar nach dem Erhalt einigen Mitarbeitern seiner nächsten Umgebung, unter anderem auch dem Generalsekretär Richard Kirchweger, mit empörten Kommentaren über die „Dummheit, einen solchen Brief zu schreiben“, gezeigt. Ob es im Zusammenhang mit der Genehmigung des angeblichen Libyen-Kanonendeals – in Wahrheit mit dem Iran – zu Geldflüssen gekommen ist, wurde ebenfalls nie geklärt.

Prof. Franz P. Summer war 13 Jahre lang Pressesprecher der Voest-Alpine und schrieb das Buch „Das VOEST-Debakel“ (Orac 1987).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.08.2007)