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Anerkannt seit 1912

Der Islam ist in Österreich seit 1874 anerkannte Religion – einzigartig in Westeuropa.

WIEN (milo). Der rechtliche Status der islamischen Glaubensgemeinschaft ist in Österreich anders als im übrigen Westeuropa: Der Islam ist vom Staat als öffentlich rechtliche Religion anerkannt – wie mittlerweile zwölf andere auch. Für den Staat gibt es damit einen offiziellen Ansprechpartner in der muslimischen Community.

Die Anerkennung wurde erstmals durch ein Gesetz 1874 verankert und 1912 durch das sogenannte „Islamgesetz“ verstärkt. Vier Jahre zuvor hatte Österreich-Ungarn Bosnien-Herzegowina annektiert, womit im Kaiserreich eine Million Muslime lebten.

Die beiden Gesetze aus der Monarchie waren 1979 die Basis für die Genehmigung der ersten islamischen Glaubengemeinschaft Österreichs in Wien. Im gleichen Jahr erfolgte dann die Eröffnung des „Vienna Islamic Centre“ in Floridsdorf – der ersten Moschee Österreichs.

Die rechtliche Gleichstellung des Islam hat in der Praxis Auswirkungen auf die Möglichkeit für den Religionsunterricht an Schulen und die Anerkennung von islamischen Schulen.

Die Zahl der in Österreich lebenden Muslime ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen: 1991 gab es nicht einmal 160.000, heute sind es rund 400.000, vier bis fünf Prozent der Gesamtbevölkerung. Unter ihnen ist der Anteil von Migranten hoch, die zahlenmäßig stärksten Gruppen bilden Türken und Bosnier. Es gibt keine gesicherten Daten darüber, wie viele der Muslime ihre Religion aktiv ausüben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.08.2007)