Abfertigung Neu: „Sechs Prozent Rendite sind so nicht möglich“

(c) AP (Denis Sarkic)
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Die Vorsorgekassen leiden darunter, dass Abfertigungs-ansprüche sofort zu Geld gemacht werden.

Wien. Die Mitarbeitervorsorgekassen, die für Arbeitnehmer die „Abfertigung neu“ verwalten, wehren sich gegen Kritik an zu niedriger Performance: Unter den derzeitigen gesetzlichen Rahmenbedingungen seien Renditen von mehr als 3,5 bis 4,5 Prozent nicht zu erreichen, sagte der Vorstandsvorsitzende der Plattform der Mitarbeitervorsorgekassen, Andreas Csurda, zur „Presse“. Die von den Sozialpartnern bei der Umstellung des Abfertigungssystems prognostizierten durchschnittlichen sechs Prozent seien „völlig illusorisch“.

In der derzeitigen Form könnten die Vorsorgekassen auch die ihnen zugedachte Rolle als „zweite Säule“ für das Pensionssystem nicht erfüllen, weil kaum jemand seine Abfertigungsansprüche in den Kassen liegen lasse. Die Kassen würden sozusagen als „Bankomaten“ missbraucht.

Wie berichtet sieht das seit 2002 geltende Modell der „Abfertigung neu“ vor, dass Arbeitnehmer ihre Abfertigungsansprüche „mitnehmen“ und in Vorsorgekassen veranlagen. Im Idealfall würden die kumulierten Ansprüche dann bei Pensionsantritt in eine Zusatzpension (zweite Säule) umgewandelt. Die Praxis sieht freilich anders aus: Bereits nach drei Jahren können angesammelte Abfertigungsansprüche entnommen werden. Derzeit wird dies in hohem Ausmaß gemacht. Die Vorsorgekassen fürchten, dass sich der Anteil jener, die ihre Ansprüche bei der erstbesten Gelegenheit zu Geld machen, bei 70 bis 80 Prozent einpendelt.

Das dämpft die möglichen Renditen. Denn die Vorsorgekassen, die ihren Kunden auch eine teure Kapitalgarantie bieten müssen, können ihr Geld derzeit nur sehr kurzfristig veranlagen. Deshalb liegt der Aktienanteil auch nur bei 15 statt der erlaubten 40 Prozent.

Im „Presse“-Gespräch erneuert Csurda deshalb die Forderung an den Gesetzgeber, entweder die Kapitalgarantie erst ab dem 10. Veranlagungsjahr wirken zu lassen oder die verpflichtende Behaltedauer auf bis zu 10 Jahre zu erhöhen. Dann könne man auch bessere Renditen erwirtschaften. Bei der anstehenden Novellierung des Gesetzes dürfte dies aber noch nicht geschehen: Die Arbeitnehmer wehren sich gegen Änderungen.

Mit den derzeitigen Rahmenbedingungen sei die ursprüngliche Absicht, über einen Zeitraum von 35 Jahren für Arbeitnehmer (falls diese das Geld nicht vorher beheben)ein Jahresgehalt für die zweite Pensionssäule zusammen zu bringen, nicht machbar. Die Forderung der Arbeitnehmervertretungen, die entstandene Renditelücke einfach durch höhere Arbeitgeberbeiträge an die Kassen zu schließen, wird von der Arbeitgeberseite strikt abgelehnt.

„OeNB-Zahlen sind falsch“

In den vergangenen Jahren haben die neun heimischen Vorsorgekassen, die derzeit 1,36 Mrd. Euro verwalten, eine durchschnittliche Nettorendite von 4,69 Prozent erwirtschaftet. Die schlechteste Rendite fiel mit 3,58 Prozent im Jahr 2006 an.

Sauer sind die Chefs der Vorsorgekassen auf die Nationalbank, die in ihrem jüngsten Finanzmarktstabilitätsbericht die Nettorendite im Jahr 2006 („Die Presse“ berichtete) mit nur 1,4 Prozent angegeben hatte. Das sei schlicht „falsch“, sagt Csurda. Man sei dabei, mit der OeNB den Fehler zu klären. Es sehe aber so aus, als hätten die Notenbanker von der Nettorendite nicht nur die Inflation, sondern auch noch einmal die Verwaltungskosten abgezogen.

BARGELD statt Zweitpension

Die Mitarbeitervorsorgekassen erreichen die Renditeziele nicht, weil Anspruchsberechtigte ihre Ansprüche sofort zu Geld machen.

Längere Behaltefristen und Lockerungen bei der Kapitalgarantie könnten das Problem lösen, meinen die Kassen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.08.2007)

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