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Das "Potter-Syndrom": Erwachsene lesen Kinderbücher

AP (Clifford Skarstedt)
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Jugendkult. Erwachsene Leser bedienen sich zunehmend in den Bücherregalen ihrer Kinder. Vor allem Fantasy kennt keine Altersgrenzen.

Dieselbe Musik, die gleichen Jeansmarken und nun auch dieselben Bücher: In Zeiten des Jugendkults wildern Erwachsene häufig im Revier ihrer Kids, bedienen sich nicht nur aus Kleiderschrank und CD-Regal, sondern immer ungenierter auch aus deren Büchersammlung. Die Kinderbuchverlage beobachten ein auffälliges Interesse älterer Leser an Jugendbüchern und freuen sich über die Bewegung auf dem Büchermarkt: "So viele Jugendbuch-Bestseller gab es ganz einfach vor zehn Jahren noch nicht", stellt Alexander Weiß, Verkaufsleiter des cbj-Verlags in München, fest.

Harry Potter: Neuer Umschlag für Erwachsene

Beliebt bei Jung und Alt sind vor allem Fantasy-Titel, und hier insbesondere sämtliche "Harry Potter"-Bände von Joanne K. Rowling und so gut wie alle Werke des "Herr der Ringe"-Schöpfers J.R.R. Tolkien. Die jeweiligen Ausgaben der zauberhaften Reihe mit Harry Potter liegen angesichts ihres sensationellen Erfolges mittlerweile sogar in zwei optisch unterschiedlich gestalteten Versionen vor: Eine für den Jugendbuchmarkt und eine für Erwachsenen. Selber Text, anderer Umschlag, höherer Preis.

"Im Realismus erkennen wir bestenfalls etwas wieder, was wir selbst erlebt haben", erklärte Meyer einmal die generationenübergreifende Beliebtheit der Fantasybücher. "In der Fantastik aber erkennen wir etwas wieder, das wir nie erleben werden."

Serien zum Kampf Gute gegen Böse

Die klare Aufteilung in Gut und Böse sowie ein zumeist erlösendes Ende der fantastischen Geschichten zaubert den Alltag weg: "Im wahren Leben ist alles erklärt, deshalb sehnt man sich nach dem Unbekannten, dem Ungewissen", meint Johanna Just vom Ravensburger Verlag. Im In- und Ausland erfolgreich ist auch Cornelia Funke. Der dritte Band ihrer Tintenwelt-Trilogie mit dem Titel "Tintentod" kommt Ende September auf den deutschen Markt.

ie gemeinsame Zauberformel der Bestseller: Underdog-Helden, vorwiegend im Teenageralter und mit besonderen Fähigkeiten, die in einen Machtkampf um die Weltherrschaft verwickelt werden. Am besten funktioniert das Schema offenbar in Serienform.

Erwachsenephänomen "Die drei ???"

Jenseits der Fantasy-Serien hat vor allem "Die drei ???"-Reihe mit den Hobbydetektiven Justus, Peter und Bob einen festen Platz in den Herzen junger und jung gebliebener Leser erobert. Die drei jungen Detektive vermögen vor allem in der Hörspielfassung zu begeistern, viele sind seit ihrer Kindheit mit den - inzwischen ebenfalls erwachsenen - Stimmen vertraut. In fast vierzig Jahren hat sich die Reihe millionenfach verkauft - auch weil die Leser und Hörer ihr bis ins "hohe Alter" treu bleiben.

Beliebt bei allen Generationen sind auch anspruchsvoll gestaltete Bilderbücher. Erwachsene, so beobachten die Verlage, greifen auch gern auf Jugendsachbücher zurück: Ihre "klare Verständlichkeit und gute Struktur" helfen nach Aussage von Renate Grubert vom Münchner Verlagskonzern Random House auch Älteren, einen schnellen Überblick zu erhalten.

Die Buchbranche sieht die Entwicklung hin zu "alterslosen Büchern" jedenfalls positiv. Ob die Kinder es mögen, wenn ihre Eltern dieselben Werke lesen, ist eine andere Frage. (Ag.)