Schnellauswahl

Finanzen: Weißrussland erhält Kreditrating

Offensichtlich erfreut - Weißrusslands Präsident Lukaschenko.
(c) AP (Nikolai Petrov)
  • Drucken

Präsident Lukaschenko kann nun leichter Geld im Ausland aufnehmen.

Moskau/Minsk.Das wirtschaftlich und politisch isolierte Weißrussland kann Kredite auf den internationalen Märkten aufnehmen. Die Ratingagenturen Moody's und Standard & Poor's (S&P) erteilten Weißrussland erstmals ein Länderbonitätsrating. S&P bewertete die langfristige Kreditwürdigkeit in Fremdwährung mit B+ und in nationaler Währung mit BB. Moody's erteilte für Weißrussland als Emittent für Anleihen in Fremdwährung und nationaler Währung die Bewertung B1. Höchste Bonitätsstufe ist AAA.

Präsident Alexander Lukaschenko bemüht sich seit Anfang des Jahres, als Russland die Preise für Öl- und Gaslieferungen nach Weißrussland erhöhte, um eine Bewertung durch internationale Ratingagenturen, um auf den globalen Kapitalmärkten an Geld zu kommen. Der diktatorisch regierende Lukaschenko, der auf ein planwirtschaftliches Modell setzt, sieht sich unter Druck, seit Russland Anfang 2007 die Preise für Erdgas von 46 auf 100 Dollar je 1000 m3 erhöhte und Subventionen bei Erdöllieferungen strich.


Hoffen auf Hugo Chávez

Versuche, von Russland eine Kreditlinie über 1,5 Mrd. Dollar (1,09 Mrd. Euro) zu erhalten, sind gescheitert. Auch Gespräche mit europäischen und chinesischen Banken über einen Milliardenkredit verliefen bislang ohne Erfolg. Lukaschenko sagte zuletzt, er hoffe auf einen Kredit seines Freundes, des venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez.

„Die Ratings spiegeln die wirtschaftlichen Erfolge Weißrusslands der jüngsten Vergangenheit wider, aber auch die Wahrscheinlichkeit, dass der schnelle Preisanstieg bei den Energieträgern zu einer Verschlechterung einiger makroökonomischer Indikatoren führt“, sagte Jonathan Schiffer von Moody's. S&P sieht bei Weißrussland als positive Aspekte die niedrigen Staatsschulden von sechs Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) und ein Pro-Kopf-BIP von 4300 Dollar. Negativ seien die Dominanz des Staates in der Wirtschaft, die geringen Währungsreserven, das zentralistische System sowie die geringe Rolle, die Privatwirtschaft (weniger als 25 Prozent des BIP) und Auslandsinvestitionen spielen.

Kapitalaufnahme auf den internationalen Finanzmärkten dürfte auch nötig sein, um die Koppelung des weißrussischen Rubels an den Dollar aufrechtzuerhalten. S&P rechnet heuer mit einem BIP-Wachstum von 6,5 Prozent und einer Abschwächung des Wachstums bis 2010 auf vier Prozent (2006: 9,9 Prozent). Nach einem Haushaltsüberschuss im Vorjahr von 1,4 Prozent des BIP prognostiziert S&P für Weißrussland heuer ein Defizit von 2,5 Prozent, das sich bis 2010 auf fünf Prozent steigern wird.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.08.2007)