Immobilienaktien werden oft mit dem falschen Argument an den Mann gebracht.
Das Börsenereignis in Wien war vergangene Woche wohl der Kursverfall der Aktie von Meinl European Land, nachdem bekannt geworden war, dass die Immobiliengesellschaft mit dem großen österreichischen Namen im Firmenwortlaut fast ein Viertel ihres Börsewertes nicht in Immobilien, sondern in eigene Aktien investiert hatte. Und zwar ohne, wie dies an zivilisierten Börseplätzen üblich ist, die Aktionäre darüber vorab zu informieren.
Rechtlich ist daran ja nichts auszusetzen: Das Unternehmen hat seinen Firmensitz auf der britischen Kanalinsel Jersey – und dort nimmt man es mit Informationspflichten gegenüber Aktionären eben nicht ganz so genau wie hierzulande.
Man könnte den durch den Kurssturz geschädigten Aktionären also nonchalant den Tipp geben, beim nächsten Mal genauer hinzusehen, bevor sie zuschlagen. Denn wer Aktien von Unternehmen mit Firmensitz in dubiosen Steuerparadiesen erwirbt, darf sich nicht beklagen, wenn das Investment eine, na, sagen wir, unerwartete Wendung nimmt.
Aber in diesem Fall ist die „Ätsch, selbst schuld“-Attitüde unangebracht. Denn hierzulande werden Aktien von Immobiliengesellschaften von Vermögensverwaltern aller Art als Sparbuchersatz an den „kleinen Mann“ gebracht. Mit dem (falschen) Argument, man beteilige sich damit an sicheren Immobilien. Und nicht, wie in der Realität, an einer Immobilien AG, die das Geld in Immobilien – oder, wie zuletzt gesehen, entgegen den Versprechungen im Börsenprospekt auch anders anlegen kann.
Für viele Sparer ist die Immobilienaktie nämlich der erste Kontakt mit dem Aktienmarkt. Geht der daneben, wie in der Vorwoche bei Meinl European Land, dann kann es leicht sein, dass der betroffene Anleger von Risikoanlagen gleich wieder „geheilt“ ist.
Schon im Sinne des Finanzplatzes Wien wäre es wünschenswert, wenn die Meinl-Gruppe einmal erklärt, was sie mit ihren Jersey-Firmen an der Wiener Börse wirklich vorhat. Bisher haben die Unternehmen ja vorwiegend (über diverse Kommissionen und Managementgebühren) der Gruppe selbst als Cash-Automat gedient.
Und Kleinktionäre sollten ihre Anlageentscheidungen stärker nach Transparenzkriterien ausrichten. Das heißt: Finger weg von in Steuerparadiesen sitzenden Firmen.
josef.urschitz@diepresse.com("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.08.2007)