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Rauschgift-Rekordernte in Afghanistan

(c) AP (Abdul Khaliq)
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Narko-Staat. Afghanistan befindet sich im Würgegriff einer immer mächtigeren Suchtgiftmafia. Die Gotteskrieger beherrschen Mohnanbau und Opiumproduktion im Süden des Landes.

Wien.Afghanistan hat 2007 eine weitere Rekordernte von Opium eingefahren: Nachdem die Opiumproduktion bereits 2006 um 57 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen war, lag das Wachstum 2007 nochmals bei rund 17 Prozent. Dies geht aus dem „Afghanistan Opium Bericht 2007“ hervor, der gestern, Montag, vom Chef der UN-Drogenbekämpfungsbehörde UNODC, Antonio Maria Costa, in Kabul präsentiert wurde. Afghanistan ist nun Weltmarktführer im höchst illegalen Geschäft der Opiumgewinnung: 8200 Tonnen Opium wurden heuer im Land am Hindukusch produziert, das sind 93 Prozent der gesamten Welt-Opiumproduktion. Wenn man das China des 19. Jahrhunderts beiseite lässt (ein Land, das damals eine um den Faktor 15 größere Einwohnerzahl hatte als das heutige Afghanistan), hat niemals zuvor ein Land solche Mengen an gefährlichen Rauschmitteln produziert wie Afghanistan.

Etwas weniger als ein Drittel des Bruttosozialproduktes des Landes, rund 3,1 Milliarden Dollar (2,3 Milliarden Euro), stammen aus dem Drogengeschäft, mindestens zwölf Prozent der Bevölkerung sind in Anbau, Verarbeitung und Transport der illegalen Droge verwickelt. Und obwohl 35.000 Nato-Soldaten im Land sind und die USA jährlich rund 600 Millionen Dollar (438,9 Millionen Euro) für die Drogenbekämpfung in Afghanistan ausgeben, nimmt der Drogenanbau weiter überhand.


„Militär nur eine Komponente“

Aus dem Opium-Bericht geht auch hervor, dass es mittlerweile eine breite Allianz zwischen Taliban und Mohnbauern geben dürfte. Die Ergebnisse zeigen sehr deutlich, dass der Drogenanbau besonders in jenen Provinzen (Helmand, Kandahar und entlang der pakistanisch-afghanischen Grenze) floriert, über die die Zentralregierung jegliche Kontrolle verloren hat. Die Taliban haben sich, so der Bericht, stets opportunistisch in Bezug auf ihre eigene „Drogenpolitik“ verhalten: Zwischen 1996 und 2000 wurden in den von den Taliban kontrollierten Gebieten rund 15.000 Tonnen Opium produziert – damals die einzige Devisenquelle. Im Juli 2000 hat Taliban-Führer Mullah Omar erklärt, dass Opiumanbau den Lehren des Islam widerspricht, und ein Exportverbot verfügt. Damals versuchten die Taliban, die Beziehungen zum Westen zu verbessern. Doch nach dem 11. September und der Vertreibung der Taliban von der Macht haben sich die radikal-wahabitischen Kämpfer im Süden des Landes eingenistet und finanzieren mit Drogengeld ihre Militäroperationen gegen die Nato und die afghanische Regierung.

Im „Presse“-Interview verlangt UNODC-Chef Costa ein härteres Vorgehen der Nato gegen das Drogen-Business in Afghanistan.

Ein Nato-Sprecher in Brüssel meinte im „Presse“-Gespräch indes, der Nato sei die Verbindung zwischen der Drogenmafia und den Taliban-Milizen sehr wohl bewusst, „allerdings liegt diese Aufgabe in den Händen der afghanischen Regierung und der Briten, die für die Drogenbekämpfung zuständig sind“.

Drogenproduktion und Drogenhandel seien vor allem ökonomische Probleme, für welche es vor allem wirtschaftlicher und sozialer Lösungsansätze bedürfe – „das Militär ist bei der Lösung dieser Probleme bestenfalls einElement“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.08.2007)