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Kasachstan spielt „russische Karte“

(c) EPA (Chico Sanchez)
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Öl. Förderung auf dem Kaschagan-Feld mit Umweltargumenten gestoppt – Druck auf Eni.

ASTANA/MOSKAU (j. h./ag.).Das erdölreiche Kasachstan nimmt sich im Umgang mit Auslandsinvestoren ein Beispiel am russischen Nachbarn. Das Umweltministerium in Astana stoppte am Montag die Arbeiten auf dem Kaschagan-Ölfeld. Zudem startete das Finanzministerium Ermittlungen gegen den Konsortiumsführer, den italienischen Eni-Konzern.

Die Arbeiten an dem mit Reserven von 38 Mrd. Barrel (à 159 Liter) gigantischen Kaschagan-Ölfeld am Kaspischen Meer würden für mindestens drei Monate unterbrochen, sagte Umweltminister Nurlan Iskakow nach Angaben der Agentur Interfax in der Hauptstadt Astana. „Die entsprechende Erlaubnis für dieses Jahr ist ausgelaufen.“ Ein Mitarbeiter des Ministeriums sagte, die Behörde untersuche Robbensterben und einen Rückgang von Fischpopulationen. Die Regierung hatte mehrmals damit gedroht, dem Konsortium um Eni die Erlaubnis für die Arbeit an Kaschagan zu entziehen.


Auch Finanz erhebt Vorwürfe

Die Vorwürfe erinnern an den Streit Russlands mit Royal Dutch Shell. Dieser endete damit, dass der Ölkonzern die Kontrolle über das Großprojekt Sachalin-2 an den russischen Monopolisten Gazprom verlor. Auch die russischen Behörden hatten gegen den ausländischen Konzern Umweltverschmutzungs-Vorwürfe erhoben. Parallel dazu erklärte nun das Finanzministerium in Astana, Eni habe Zölle nicht bezahlt. Dem kasachischen Haushalt sei damit ein Schaden von 2,5 Mio. Dollar (1,9 Mio. Euro) entstanden.

Kasachstan galt bisher als Land, in dem Auslandsinvestoren im Rohstoffsektor gut arbeiten konnten. Jetzt will die Regierung offenbar nach dem Vorbild des Nachbarn die Auslandsinvestoren zwingen, den Staat großzügig zu beteiligen. Analysten zufolge zielen die Anschuldigungen darauf ab, so viel Druck wie möglich auf Eni zu machen. „Die kasachische Regierung macht alles, was sie kann, um den Vertrag zu ihrem Vorteil neu zu verhandeln“, sagte Laurent Paris von Oddo-Pinatton.


Förderung auf 2010 verschoben

Erst am Freitag hatte Eni-Chef Paolo Scaroni der Nachrichtenagentur Bloomberg erklärt, er wolle den Kaschagan-Vertrag neu verhandeln, weil die Ölpreise von 20 Dollar bei Vertragsabschluss auf beinahe 70 Dollar gestiegen seien. „Der Kontrakt mit Kasachstan enthält eine Reihe von Parametern, die adjustiert werden müssen“, sagte Scaroni. Erste Gespräche sollten diese Woche stattfinden.

Eni hatte die ursprünglich für 2005 geplante Ölförderung in Kaschagan mehrmals verschoben, zuletzt von 2008 auf die zweite Jahreshälfte 2010. Zum Eni-Konsortium Agip KCO gehören ExxonMobil, Royal Dutch Shell und Total mit je 18,52 Prozent, ConocoPhillips (9,26 Prozent) sowie die japanische Inpex und der staatliche kasachische Energiekonzern KazMunaiGaz (je 8,33 Prozent).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.08.2007)