Ex-Geschäftsführerin übt herbe Kritik an Organisation. Bürgermeister von Mistelbach wittert Wahlkampfintrigen der FP. Land NÖ beschwichtigt.
Die Vorbereitung war chaotisch. Es gab zu wenig Geld für Infrastruktur. Allein das Ticketsystem hat 60.000 Euro gekostet. Ich habe fortwährend Rechnungen präsentiert bekommen“, klagt Romana Schuler, Kunsthistorikerin und Ex-Geschäftsführerin des erst im Mai eröffneten Nitsch-Museums in Mistelbach. Seit 12.Juli ist sie nicht mehr im Museum, „ohne Begründung suspendiert“, sagt Schuler und überlegt sich eine Klage.
„Gekündigt“, sagt die Stadt Mistelbach. Eine Nachfolgerin ist bereits bestellt: Dagmar Kunert, früher mit Landesausstellungen befasst. Ausschreibung gab es keine. Kunert hatte sich bereits bei der ersten Ausschreibung beworben und gehörte im Hearing zu den Favoriten. Schuler machte schließlich das Rennen wegen ihrer guten Kontakte zum Bund, genauer zur ehemaligen Bildungsministerin Gehrer, die aber längst von Claudia Schmied abgelöst ist.
8000 Euro fürs Bilderaufhängen
Um das Nitsch-Museum sind merkwürdige Geschichten im Umlauf: Da wurde eine Hängetruppe großzügig honoriert, bis zu 8000€ pro Person bekamen die Helfer, unter ihnen auch der Sohn von Joachim Rössl, Leiter der NÖ-Landeskultur-Abteilung. Schuler verweigerte die Bezahlung, die Gemeinde soll sie übernommen haben. Es gibt keine fixen Listen für Nitschs Leihgaben, daher könne er Exponate aus dem Museum jederzeit veräußern, heißt es. Schuler wollte das Merchandising mit Postkarten, Postern, ankurbeln, was misslang – oder verhindert wurde?
Die Vorbereitung des zweiten wichtigen Elements des neuen Museums, der Darstellung der Lebenswelt Weinviertel, zieht sich in die Länge, vielleicht bis 2008. Womöglich will Nitsch das ganze Museum bespielen? „Das wäre kontraproduktiv“, warnt Schuler: „Monografische Museen sind in der ganzen Welt bis auf wenige Ausnahmen ein Misserfolg.“ 10.000 Besucher hatte das Museum bisher, das scheint für eine attraktive Neugründung im „Niemandsland“ nicht üppig.
„Doch“, sagt der Mistelbacher Bürgermeister Christian Resch (VP): „Wir sind sehr zufrieden.“ Es habe leichte Turbulenzen gegeben, die seien aber bereinigt. Romana Schuler sei „ganz normal gekündigt per Ende September“. Da habe er keine Gründe angeben müssen. Er habe festgestellt, dass Schuler „ausgezeichnet im Kunstverstand“ sei, aber „nicht so gut in Marketing, Werbung und Rechnungswesen“. Die Hängetruppe, da seien professionelle Handwerker dabei gewesen, für die sonst 15.000Euro pro Mann verrechnet würden, betont Resch. Im Übrigen seien die 8820 Euro für 21 Tage brutto gewesen, netto blieben da nur 4267 Euro, rechnet Resch vor. Nach einer stürmischen Gemeinderatsdebatte vermutet er, die Aufregung, die auch in Bezirksblättern Niederschlag fand, sei von der FP wegen des Wahlkampfs angezettelt worden. NÖ-Landtagswahlen sind aber erst im März 2008.
Die Gesamtkonzeption des Nitsch-Museums hat der frühere Gründungsdirektor der Kunsthalle Krems, Wolfgang Denk, gemacht. Vielleicht kam ja die Kontroverse dadurch zustande, dass sich Schuler und Denk um die Kunst kümmern wollten und dabei unterschiedliche Vorstellungen hatten? „Schuler agierte chaotisch und konfus. Das Projekt war ihr zu groß“, sagt Denk. Dass Nitsch Leihgaben abziehen kann, findet er ganz normal: „Dies ist ein lebendiges Museum, die Leute wollen nicht immer dasselbe sehen, sonst kommen sie kein zweites Mal.“ Der Nitsch-Leihvertrag sei „ausführlich und diffizil“, die Leihgaben hätten Topqualität. Das Merchandising sei erst im Anlaufen. Allein die Grafiken für 500Euro, die zur Eröffnung aufgelegt wurden, kosten mittlerweile 750Euro. Die neue Geschäftsführerin Kunert bewähre sich glänzend, betont Denk, das Konzept für die Lebenswelt Weinviertel werde bald präsentiert.
Kulturamtsleiter: „Rufschädigung!“
„Das ist Rufschädigung! Ich bitte um Fairness“, sagt Kulturamtsleiter Joachim Rössl zum Vorwurf, er habe seinen Sohn zu einem stattlichen Salär als Arbeiter im Nitsch-Museum untergebracht. Das Land sei zwar Geldgeber, die Abwicklung aber liege beim Museum, bei der Gemeinde: „Ich habe mit der Sache gar nichts zu tun. Mein Sohn ist erwachsen. Es gibt keine Sippenhaftung.“
Das Land gibt 200.000€ jährlich und vier Mio. Euro für den Museumsausbau. Man wolle die berühmten Künstler des Landes würdigen, ob mit dem Frohner-Forum ab Herbst in Krems oder mit dem Rainer-Museum in Baden, erläutert Rössl. „Ich wurde hinausgedrängt, weil ich zu selbstbewusst war“, resümiert Schuler resigniert.
NITSCH-PREISE: Steigend
Romana Schuler (Foto), Kunsthistorikerin, arbeitete 12 Jahre im Leopold-Museum, bevor sie Kurzzeitgeschäftsführerin im Nitsch-Museum war.
90.000–100.000 kostet ein großes Nitsch-Schütt-Bild laut Galerie Heike Curtze. Diese Zahl stimme auch mit Auktionsergebnissen bei Sotheby's überein.[Bruckberger]
("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.08.2007)