Nitsch-Museum: Pfeifkonzerte gehen, Profite bleiben

(c) AP (Franka Bruns)
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Der Künstler ist zufrieden und hat nichts gegen Merchandising.

Mich kümmern diese Kontroversen überhaupt nicht. Das meiste weiß ich zum Glück gar nicht.“ Das sagt Hermann Nitsch zu den Turbulenzen um das neue Nitsch-Museum in Mistelbach. Die Geschäftsführung wurde nach nur einem halben Jahr getauscht, die Kosten einer Hängetruppe erreichten eindrucksvolle Höhen – und es gab auch eine stürmische Gemeinderatssitzung.

Nitsch: „Wir waren nicht zufrieden mit der Geschäftsführerin, obwohl sie mir persönlich recht sympathisch war. Es hat auch Streitereien um die Kompetenz gegeben. Wolfgang Denk, der jetzige Leiter des Museums, hat sich unglaublich viel Mühe gegeben und sich sogar bei der Bauaufsicht engagiert. Wenn er nicht gewesen wäre, wären wir nicht rechtzeitig fertig geworden.“

Ist das Museum für den Verkauf von Nitsch-Werken interessant? Man würde annehmen, dass es wichtiger ist, z.B. in der Tate Gallery in London präsent zu sein als in einem Museum in Mistelbach. Nitsch: „Wir werden dort ein so wichtiges Museum machen wie die Tate Gallery. Mistelbach ist durch dieses Museum anders geworden. Das war schon bei der Eröffnung klar. Auch Wieland Schmied (Kunstexperte) hat gesagt, diese Ausstellung hätte auch in New York, London oder Paris stattfinden können.“

Leihgabenwechsel mit Genehmigung

Nitsch gab eine Schenkung und Leihgaben auf 40 Jahre. Allerdings heißt es, er könne seine Leihgaben jederzeit wieder abziehen. Ist es geplant, Nitsch-Werke aus dem Museum zu verkaufen? „Die Leihgaben sind an sich fix dort“, erklärt Nitsch: „Aber es gibt ein Komitee, das mir erlaubt, die Sachen auszuwechseln. Es müssen natürlich gleichwertige Exponate ins Museum kommen, wenn etwas ausgetauscht wird. Vom Verkauf kann nicht die Rede sein. Das Nitsch-Museum dient nicht diesem Zweck. Wir haben von dort auch kein einziges Bild verkauft. Wenn, dann geht das über die Galerien.“

Es heißt, Nitsch wolle das ganze Museum besiedeln, was bedeuten würde, dass die aus touristischen, aber auch kulturhistorischen Gründen geplante Darstellung der „Lebenswelt Weinviertel“ nicht stattfinden kann. Nitsch: „Die jetzige Ausstellung beweist, dass man dort nur Nitsch machen könnte. Wir haben alle Räume frequentiert, und es wäre theoretisch möglich, den ganzen Platz für das Nitsch-Museum zu verwenden. Aber im Prinzip habe ich genug Raum, auch wenn dort andere Ausstellungen stattfinden.“

Ist Merchandising in größerem Stil geplant? „Mein Gott, soweit es meine essenziellen Bestrebungen nicht stört, ist mir alles recht“, meint Nitsch: „Das Wichtigste ist für mich das Museum, und dass dort meine Arbeiten ausgestellt werden, dass es Vorträge, Konzerte gibt, die sich auf meine Arbeit berufen, sich auf meine Kunst beziehen oder sie darlegen. Ich werde immer Führungen machen. Es soll ein lebendiges Nitsch-Zentrum sein.“

Gibt es noch immer Vorurteile gegen Nitschs Kunst, oder sind die geschwunden, seit er in etablierten Hochkulturtempeln wie der Staatsoper arbeitet? „Die Eröffnung des Nitsch-Museums (im Frühjahr) war ein gigantischer Triumph“, erinnert sich Nitsch: „Da waren 4000 Leute, die meiner Arbeit gehuldigt und sich über das Museum gefreut haben. Ich habe keine Feindschaft bemerkt. Es gibt eine bestimmte Fraktion, die mich verfolgt und einfache Leute missbraucht, denen die Kenntnisse fehlen. Aber das beschäftigt mich inzwischen kaum mehr.“

Vielleicht gibt es ja demnächst originelle Vorschläge für Nitsch-Merchandising – vom blutigen Hemd bis zu handsignierten Stierhoden eröffnet sich da ein weites Feld.

NITSCH & MUSEUM

Vier Millionen Euro gab das Land NÖ für das Nitsch-Museum Mistelbach. Die 600.000€ für den Jahresbetrieb zahlen Land und Stadt, ein Drittel bringt das Museum auf.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.08.2007)

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