Warum die Zeitung auch in Zukunft unersetzbar ist? Sie ist in allen Lebenslagen gut zu gebrauchen.
Haben Sie schon einmal versucht, mit dem Laptop eine Mücke zu erschlagen? Eben. Ganz abgesehen davon, dass Sie das meist doch etwas sperrige Gerät (im "Presse"-Jargon heißt es nicht umsonst "Schlepptop") vermutlich genau in jener Situation gerade nicht zur Hand haben werden, die die Mücken am liebsten nützen, um uns Blut und Schlaf zu rauben: wenn wir im Bett liegen. Die Brille schon etwas schief auf der Nase, ins geblümte Plumeau gekuschelt, die Katze als vibrierenden, leise sabbernden Wärmflaschenersatz am Bauch schmökert man lieber in der Zeitung oder lässt sich auf Hochglanz inspirieren, als am Laptop zu surfen.
Gut so. Weil eine gezielte Klatschkur den Quälgeist ins Jenseits befördert, und das aufgrund der Saugfähigkeit des Kurmittels auch noch weitgehend rückstandsfrei.
Schon die Morgenröte des kommenden Tages offenbart den nächsten grandiosen Vorteil eines Leib- und Magenblattes: Es liegt rechtzeitig vor dem Frühstück unaufdringlich auf der Fußmatte. Man muss es nicht abrufen. Es ist einfach da. Manchmal landet es auch - je nach Charakter des Austrägers - liebevoll gefaltet oder unwürdig zerknautscht in der Zeitungsbox neben dem Postkasten. Egal. Da wartet Lesestoff, druckfrisch, nach schwarzen Lettern duftend, darauf, scheibchenweise verschlungen zu werden: Sport und Schinkensemmel für Papa, Kaffee und Kultur für Mama. Chronik und Croissant für Oma. Und die Kinder? Die verdrücken sich mit Cerealien und dem beigepackten Plastikdino auf die Eckbank.
Wie das raschelt, wenn man sie aufschlägt, die Zeitung. Egal wo. Am Küchentisch, im Garten und - nennen wir's doch einfach beim Namen - sogar am Klo. So kabelfrei kann die Elektronik gar nicht werden, dass sie in allen Lebensleselagen vollständigen Ersatz bieten könnte. Und wie charmant sich so ein Blatt an einen heranpirscht. Es sagt nicht frech Pop-up-und-klick-mich-gefälligst-an, sondern knistert verheißungsvoll Schau-her-ich-will-dir-was-zeigen. Sie brüllt keine Werbeslogans, dass man fast vom Hocker kippt, sondern schreit, wenn überhaupt, in Großbuchstaben. Und bei aller Antiquiertheit, die man dem Medium Print (zu Unrecht!) unterstellt: Ist es nicht genau deshalb das Medium der Zukunft, weil es dem stress- und lärmgeplagten Burn-out-Aspiranten genau jene Entschleunigung anbietet, die er dringender braucht als sein Antidepressivum?
Gegen Viren, Wut und die Fadesse
Und noch etwas: Es besteht keine Ansteckungsgefahr - ganz im Gegenteil: Lästige (Schnupfen-)Viren kann man sich mit der gezückten Zeitung sogar vom Leib halten, Blasenentzündungen im Sommertheater durch einen Zeitungspolster vermeiden. Notfalls kann man sich damit zudecken, den Ofen einheizen, fadisierten Kindern Hüte und Flieger basteln, seinen Liebeskummer hineinschnäuzen, das Jausenbrot einpacken, sie vor Wut zerknüllen und zerreißen. Und trotzdem: Am nächsten Tag liegt sie wieder da. Still und unaufdringlich.