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Generationenvertrag & Generationenkonflikt

Mit Brosamen abgespeist

Zur Debatte um die Pensionserhöhungen.
Vizekanzler Molterer meint, eine Pensionserhöhung nach dem Pensionistenpreisindex sei „keine richtige Perspektive“. Dazu darf ich mir die Frage erlauben, ob es eine richtige Perspektive ist, einen erheblichen Teil der Bevölkerung mit den Brosamen des Wirtschaftswachstums abzuspeisen, während im Bereich der Löhne und Gehälter Wertanpassungen zwischen 2,5 und vier Prozent selbstverständlich sind. Die Inflationsrate von 1,7 Prozent spiegelt ja in Wahrheit nicht die täglich wahrgenommenen Teuerungen (Energiekosten, Lebensmittel, Parkscheine usw.), sondern ist das Ergebnis statistischen Herumkünstelns.

Pensionisten haben in der Tat alters- und krankheitsbedingte Sonderbedürfnisse, deren Kosten bei einer gerechten Pensionserhöhung durch stärkere Gewichtung in dem der Indexberechnung zugrundeliegenden Warenkorb zu berücksichtigen sind. Die „Interessen der Jungen“ können nicht dadurch befriedigt werden, dass man das Realeinkommen der Pensionisten laufend vermindert, da eine entsprechende Kaufkraft der älteren Generation zum Wirtschaftswachstum und somit indirekt zum Wohlstand der Jüngeren beiträgt.

Dr. Manfred Hohenberger

1090 Wien

Würdiger Lebensabend

Die Mitglieder der heutigen älteren Generation haben durch ihren herausragenden Einsatz und Fleiß sowie unter Inkaufnahme vieler persönlicher Entbehrungen Österreich in den vergangenen Jahrzehnten mit dorthin gebracht, wo es heute ist: als eines der reichsten Mitgliedsländer ganz vorne an der Spitze der EU!

Es ist unglaublich, dass es in unserer Republik so genannte Sozial- und Generationenpolitiker gibt, darunter sogar parlamentarische Vertreter von Jugendorganisationen, die eben diesen verdienten Menschen im Rahmen der nun anstehenden Pensionsanpassung für 2008 ihren gerechten Anteil am allgemeinen Wohlstandskuchen glatt verwehren wollen.

Offenbar glauben solche Leute in ihrer zum Teil arg verkürzten Denkweise, dass die Pensionisten ohnehin nicht streiken können und daher wenig für sie auch genug ist. Dazu ist manches Mittel recht: z.B. versucht man eine – in Wahrheit nicht existente – „gerechtigkeitspolitische Schieflage“ gegenüber den Jungen heraufzubeschwören.

Sollen sich die logischerweise immer mehr werdenden Alten vielleicht ihre zukünftigen Pensionserhöhungen durch Abstriche bei ihren demokratischen Stimmrechten erkaufen? So kann das jedenfalls nicht gehen.

Die Gefahr einer neuen Altersarmut, bei der hunderttausenden Senioren nach Abzug aller monatlichen Fixkosten nur ein paar Euro pro Tag zum Leben bleiben, wie es in vielen Nachbarländern schon bittere Realität ist, muss mit allen erdenklichen Mitteln gebannt werden, meint jemand, der selbst mitten im aktiven Berufsleben steht und trotzdem jenen verdienten Älteren, die wenig mediale Macht haben, sehr gerne einen möglichst würdigen Lebensabend vergönnt. Hier sind Khol und Blecha gemeinsam schon auf dem richtigen Weg, denn dieses Beispiel darf nicht Schule machen.

Dir. Franz Josef Martinz
Landesgeschäftsführer Kärnten

Österreichischer Seniorenbund

Einseitiger Generationenvertrag

„Schlag ins Gesicht“, 25. August
Ich bin Silvia Fuhrmann (ÖVP) für ihre Aussagen bezüglich der Forderungen der Pensionistenvertreter über eine Erhöhung der Pensionen sehr dankbar. Zwar sehr zaghaft, aber immerhin stellt sie sich endlich gegen ein Urgestein in der ÖVP, Dr. Khol.

Bei den Pensionisten sollte man allerdings zwischen zwei Gruppen unterscheiden: den tatsächlichen ASVG-Pensionisten, die nur in der Privatwirtschaft tätig waren; und den Pensionisten, die beim Staat oder staatsnahen Betrieben tätig waren.

In der letzteren Gruppe gibt es mindestens zwei Generationen, die unser Land, auf Kosten der jüngeren Generation, auf äußerst ungerechte Weise ausgesaugt haben. Der Generationenvertrag wurde längst gebrochen.

Es geht dabei nicht nur um die klassischen Beamten, die eine Pensionshöhe erreichen, von denen ein Normalsterblicher nur „träumen“ kann. (Die beamteten Richter des VfGH haben den Beamten übrigens gleich ein weiteres Privileg zu ihren überhöhten Pensionen zugesichert: uneingeschränkte Zuverdienstmöglichkeiten.)

Aber nicht nur diese: Es geht meiner Meinung nach auch um die Pensionisten, die fette Zusatzpensionen und Abfertigungen von verstaatlichten oder ehemalig verstaatlichen Unternehmen bekommen: OMV, ORF, Energieversorger, Kammern, Sozialversicherungen, alle Industriebetriebe des Landes, Flughafen Wien, Austro Control etc. Das Geld wurde von unseren Politikern mit offenen Händen hinausgeschmissen, um Wählerstimmen zu fangen. Gewinne in Unternehmen (auch wenn sie verstaatlicht sind) gehören jedoch nicht den Angestellten, sondern dem Eigentümer. Und das war bzw. ist heute auch häufig noch immer (z.B. durch die ÖIAG) der Staat!

In den 70er-, 80er- und teilweise noch in den 90er-Jahren wurden den Bediensteten bei diesen Unternehmen so extreme Privilegien zugestanden, dass es fast unmöglich erscheint, diese wieder abzustellen.

Wo sind die Politiker, die endlich gegen diese Privilegien eintreten? Fair und richtig wäre es, endlich in die so genannten „bestehenden Verträge“ einzugreifen und einen Solidaritätsbeitrag einzufordern. Minister Buchinger hat dies noch vor der Wahl gefordert – jetzt macht er wiederum die Frühpension attraktiver, indem er die Abschläge halbiert. Das darf doch alles nicht mehr wahr sein! Wir möchten diesen Generationenvertrag nicht mehr einhalten – der ist zu einseitig!

Mag. Rupert Kloiber
7083 Purbach

Einigermaßen dreist

Leserbrief, von Karl Blecha, 25. August
Von einer Seite wurde die Pensionsthematik in diesem Zusammenhang noch nicht beleuchtet: Die sich abzeichnenden Pensionsfinanzierungsschwierigkeiten waren schon in den 70er-Jahren bekannt. Hätte man damals schon reagiert und das Pensionsrecht angepasst, wären das sanfte und kaum merkbare Eingriffe gewesen. Nur haben die damaligen ewiggestrigen und schulterklopfenden Politiker gemeint, die Pensionen seien gesichert. Unter einer verantwortungsvollen und große Probleme lösenden Politik verstehe ich etwas anderes.

Dass sich Herr Blecha, der zu den damaligen Schulterklopfern zählte, nun herstellt und Frau Salomon bezichtigt, sie schreibe Generationenkonflikte herbei, finde ich einigermaßen dreist. Aufwachen, willkommen in der Realität: Der Konflikt wurde durch unverantwortliche Versäumnisse der Politik vor Jahrzehnten schon verursacht!

DI Gerald Neukirchen

1100 Wien

Pyramidenspiel Pensionssystem

„Schlimmer Verdacht: Die Menschen werden immer älter“, Supermarkt, von Franz Schellhorn, 25. August
Glückwunsch zu Ihrem kritischen Kommentar betreffend Forderungen nach höherer Pensionsanpassung.

Leider setzen sich nur ganz wenige Medien so wie Sie auch für die Zahler in diesem „Pyramidenspiel“ namens Pensionssystem ein.

Sozial gerechtfertigte Anhebung für Mindestpensionisten kann man diskutieren – aber nur durch Umverteilung zu Lasten der Hochpensionisten und nicht zu Lasten der Noch-Arbeitenden! Hochpensionisten von ÖBB, Bund, Ländern etc. sind finanzmathematisch die Hauptprofiteure der gestiegenen Lebenserwartung – die können dafür auch einen ordentlichen Beitrag leisten!

Dr. Erich Pitak
1130 Wien

Mannigfaltige Zusammenhänge

Im Zuge seiner Überlegungen fragt Franz Schellhorn u.a., warum die Zahl der Invaliditätspensionisten nicht von der Zahl der Invaliden abhängt, sondern vom Pensionsantrittsalter. Noch dazu, wo die Menschen doch immer gesünder werden, wie die steigende Lebenserwartung vermuten lässt. Suggeriert wird als naheliegende Erklärung für das „Phänomen“: Flucht in die Invalidität bei Anhebung des Pensionsantrittsalters.

Vermag ein Journalist in der Blüte seiner Jahre auch andere Alternativen zu sehen? So schwierig ist das nicht. Dass die Menschen länger leben, bedeutet noch lange nicht, dass sie gesund sind. Die moderne Medizin verlängert zwar das Leben, aber auch viele chronische Krankheiten. Nicht nur die Gewerkschaften behaupten, dass Menschen, die 45 Jahre körperlich gearbeitet haben, die heute verlangte Leistung nicht mehr erbringen können. Dafür spricht auch die Erfahrung, dass viele noch vor Erreichung der Altersgrenze gekündigt werden.

Die Zusammenhänge sind also zu mannigfaltig, um sie auf einen Generalverdacht zu reduzieren. Länger arbeiten können geistig und vor allem kreativ Schaffende, und viele von ihnen tun es auch. Einige beziehen daneben ungekürzt Pension, andere nicht. Vielleicht wäre hier zumindest ebenso viel Handlungsbedarf zur Herstellung von mehr Gerechtigkeit wie bei den Invalidenpensionisten.

Dr. Gottfried Jochum
6850 Dornbirn

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.08.2007)