Exportvolumen Österreichs steigt deutlich

Halbjahresbilanz. Um rund zehn Prozent erhöhten sich die Ausfuhren österreichischer Unternehmen.

WIEN. Österreichs Exportwirtschaft kann sich freuen: Im ersten Halbjahr stiegen die Ausfuhren um 10,3 Prozent auf 55,6 Mrd. Euro. Die Importe nahmen weniger stark zu. Sie erhöhten sich um 7,7 Prozent auf 54,6 Mrd. Euro. Damit erzielt Österreich einen Überschuss im Außenhandel. Das geht aus den Zahlen der Statistik Austria hervor.

Große Exportzuwächse hat Österreich im ersten Halbjahr unter anderem in Europa (10,9 Prozent), Afrika (26,4 Prozent), Asien (14,1 Prozent) und den osteuropäischen Ländern (18,2 Prozent) erzielt. Auch die Ausfuhren in Richtung der wichtigsten Handelspartner Deutschland (+10,9 Prozent) und Italien (+10,7 Prozent) sind angestiegen.

„Die Export-Performance der österreichischen Unternehmen ist nicht nur die treibende Kraft der heimischen Wirtschaft, sondern zählt auch EU-weit zu den dynamischsten“, sagt Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl. Nur Italien und Deutschland hätten ihre Ausfuhren noch mehr gesteigert. Leitl geht auch für das Gesamtjahr 2007 in Österreich von einem zweistelligen Exportwachstum aus.

Damit noch mehr Firmen den Schritt in neue Regionen wagen, startet die Außenwirtschaft Österreich (AWO) im Herbst eine neue Initiative. „Wenn es uns gelingt den Exportmotor in Österreich nachhaltig auf Hochtouren zu halten, läuft auch der Beschäftigungsturbo“, sagt Leitl. Allein durch die Exportsteigerung von 13 Prozent im vergangenen Jahr seien rund 30.000 neue Jobs geschaffen worden.


„Oft fehlt der finanzielle Atem“

Dass Exportieren nicht immer ganz leicht ist, weiß hingegen Emil Weber von der Wiener Unternehmensberatung M27. Er ortet vier Hauptfehler bei der Marktbearbeitung – vor allem bei kleineren Unternehmen.

„Die meisten stürzen sie sich Hals über Kopf ins Abenteuer Export“, sagt Weber. Denn oft sei es eine Zufallsbekanntschaft des Chefs, die bei Klein- und Mittelbetrieben den ersten Schritt zum Export darstelle. Jemand aus dem Wirtshaus oder von einer Messe, der meint, bei der Ausfuhr der Waren helfen zu können. „Und dann passiert der erste Fehler. Die Unternehmer sind geblendet von den Chancen und machen sich nicht im Vorfeld lange Gedanken, sondern starten einfach“, sagt Weber. Der zweite Fehler sei, dass vielen schon bald der Atem ausgehe. „Die Unternehmer unterschätzen, wie lange es dauert, Fuß zu fassen“, sagt Weber im Gespräch mit der „Presse“. Seinen Erfahrungen nach dauere es rund zwei Jahre, bis man in einem neuen Markt einen Erfolg einfahre. „Viele erwarten aber bereits nach sechs Monaten Gewinne und haben die Kosten nicht richtig budgetiert.“

Weber begleitet derzeit gerade einen kleinen Nahrungsmittelhersteller Richtung Osteuropa. 350.000 bis 500.000 Euro wird das Unternehmen wohl in den kommenden zwei Jahren in die Hand nehmen müssen, um in den Nachbarländern wirklich Fuß fassen zu können. „Aber mittelfristig zahlt sich der Schritt aus“, sagt Weber.


Unterschiedliche Sitten unterschätzt

Aufgrund der gemeinsamen Geschichte zwischen Österreich und vielen Ostländern würden viele Neo-Exporteure die unterschiedlichen Sitten und Gebräuche im Vergleich zu Österreich erst zu spät wahrnehmen. „Das ist der dritte Fehler“, sagt Weber. Und der vierte Fehler ist, dass die Unternehmer sich frustrieren lassen und reumütig in den Heimatmarkt zurückkehren.

Um wirklich Fuß fassen zu können, sollten Betriebe gründliche Marktrecherchen durchführen – natürlich auch mit Hilfe der Außenwirtschaftsorganisation der Wirtschaftskammer. Das größte Potenzial für Exporteure ortet Weber bei all jenen Herstellern, die auf ein besonderes technisches Know how oder ein Verfahrens-Know-how zurückgreifen können. „Von der technischen Seite her sind die Österreicher hervorragend. Was aber oft fehlt, ist die Fähigkeit, die Waren richtig zu vermarkten.“

STATISTIK. Mehr Exporte

Im ersten Halbjahr stiegen die Ausfuhren um 10,3 Prozent auf 55,6 Mrd. Euro. Die Importe wuchsen um 7,7 Prozent auf 54,6 Mrd. Euro.

Auch für das Gesamtjahr 2007 geht die Wirtschaftskammer von einem zweistelligen Exportwachstum aus.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.09.2007)