Karriere im Ausland. Der Export von Expats nützt den Unternehmen – und der persönlichen Karriere. Auf internationalen Einsätzen lauern jedoch nicht nur Chancen, sondern auch mögliche Karriere-Killer.
Beste Job-Chancen bieten momentan Russland, Rumänien oder die Ukraine. „Für diese Länder werden aktuell die meisten Expatriates, Managerinnen und Manager, die bereit sind, längere Zeit fernab ihrer Heimat zu arbeiten, gesucht“, erklärt Günther Tengel, geschäftsführender Gesellschafter der Managementberatung Jenewein & Partner/The Amrop Hever Group. Steigende Nachfrage ortet der Personalberater auch in Kasachstan. Rund 20 Prozent der insgesamt 650 Mandate, die seine Personalberatung heuer erhalten hat, hätten bereits der Suche nach heimischen Kandidaten für Auslandsentsendungen gegolten.
„Von unseren 7500 Mitarbeitern sind 6000 im Ausland beschäftigt“, zeichnet Andreas J. Ludwig, Vorstandsvorsitzender der Zumtobel Gruppe, ein anschauliches Bild der Globalisierung. „Um unser Wachstum fortsetzen zu können, benötigen wir mehr Führungskräfte.“ Da es sich dabei großteils um Manager aus dem eigenen Konzern handelt, welche neue Märkte aufbauen, steigt die Zahl der Expatriates laufend weiter.
Controller und Planer gesucht
„Vor allem die Bereiche Controlling und Planung besetzen wir gerne mit Expatriates“, erklärt Regina Prehofer, Vorstand der Bank Austria Creditanstalt, die Entsendungsstrategie des Kreditinstituts. Die Unicredit-Gruppe ist mit rund 160.000 Mitarbeitern in 22 Ländern vertreten. Bei einem Konzern dieser Größe stellt es eine besondere Herausforderung dar, die Unternehmenskultur zu fördern: „Durch einen Auslandseinsatz wird der Gruppenspirit verstärkt“, begründet die Bankerin, warum sich ihr Unternehmen nicht ausschließlich auf lokale Manager verlassen will. Eine Auslandsentsendung stärkt das Zugehörigkeitsgefühl des Expatriates zum Unternehmen sowie die Motivation des Mitarbeiters, sorgt aber auch für den „Export“ der Unternehmenskultur. „Expatriates können sich in unterschiedlichen Kulturen besser zurecht finden, sind flexibel und stressresistent“, zählt Oscar del Campo, Generaldirektor der Hotels Imperial und Bristol in Wien, Vorzüge von Mitarbeitern mit internationaler Erfahrung auf. Er rät Erfolgswilligen, möglichst früh berufliche Herausforderungen in der Ferne zu suchen.
Ob es Altersgrenzen für die Auslandsentsendung gibt? Der richtige Zeitpunkt für den beruflich bedingten Aufbruch aus der Heimat divergiere von Person zu Person, wirft Prehofer ein. Zumeist gehen die bis 30-Jährigen sowie die über 50-Jährigen ins Ausland, berichtet Tengel aus seiner beruflichen Erfahrung. Während bei älteren Kandidaten oft eine berufliche Absicherung für die Zeit nach dem Aufenthalt mitspielt, erwarten junge Bewerber meist keine Versorgung mit einem Retourticket.
„Die Rückkehr sollte langfristig geplant sein“, erklärt Prehofer. Der Mitarbeiter soll möglichst früh seine Absicht, wieder zurück zu kommen, kundtun. Das Unternehmen könne auf diese Weise reagieren und die entsprechenden Vorbereitungen für eine geglückte Rückkehr in das Headquarter treffen: „So kann man Frustrationen leicht entgehen.“
Geld alleine zählt nicht
„Ein Auslandseinsatz ist keine leichte Sache“, berichtet del Campo aus seiner eigenen Erfahrung. Der Expatriate verlasse sein gewohntes Umfeld, müsse sich möglichst rasch auf die neue Situation einstellen und mit neuen Gegebenheiten zurecht kommen. „Um den Erfolg der Entsendung zu gewährleisten, muss das Unternehmen sich auch um Dinge wie eine adäquate Wohnung, Schule für die Kinder und eventuell sogar die Mitgliedschaft im Golfclub kümmern“, erklärt Ludwig. Ein finanziell attraktives Angebot alleine ist zu wenig. Man könne aber keine generell gültige Aussage über die Verdienstmöglichkeiten im Ausland treffen, erklärt Tengel. Einige Unternehmen schießen beim Thema Geld jedenfalls über das Ziel hinaus: „Bei den manchmal saftigen Auslandsgagen verursachen die normalen Bezügen im Heimatland oft eine Katerstimmung bei der Rückkehr.“
Da in den meisten multinationalen Unternehmen Englisch Konzernsprache ist, ist die Beherrschung der Landessprache für einen Auslandseinsatz kein absolut notwendiges Kriterium. Rudimentäre Kenntnisse empfehlen sich allerdings für das tägliche Leben, sie sorgen auch für größere Akzeptanz bei den einheimischen Mitarbeitern. „Die Beschäftigung mit der Kultur ist wichtiger als mit der Sprache“, sagt Prehofer.
Die Entscheidung, ins Ausland zu gehen, sollte sehr gut überlegt sein. „Einige Unternehmen wollen vom Mitarbeiter die Antwort innerhalb weniger Tage. Eine gute Entscheidung benötigt allerdings mehr Zeit“, erteilt Tengel Schnellschüssen eine klare Absage. „Die private Situation muss vor dem Schritt ins Ausland unbedingt geklärt werden.“
Manchmal ergeben sich neue Lebensumstände auch in der jeweiligen Destination. „Ich habe im Ausland meine Frau kennen gelernt. Sie war damals meine Vorgesetzte“, erzählt Ludwig eine private Anekdote. Sie habe dann ihre berufliche Karriere aufgegeben. „Mein Chef ist sie allerdings immer noch, allerdings im ,Unternehmen Ludwig'.“ Der Industrielle ist insgesamt sechs Mal in seinem beruflichen Leben umgezogen, aus Rücksicht auf seine Kinder hat der dreifache Vater sein berufliches Nomadentum vorerst beendet.
Familie als Unterstützung
Ihm pflichtet del Campo, der selber mit seiner Lebenspartnerin in den letzten 16 Jahren mehrmals das Land aus beruflichen Gründen wechselte, bei: „Mit Kindern hätte eine so internationale Karriere nur schwer funktioniert.“ Das bedeutet allerdings nicht, dass nur Singles erfolgreich ins Ausland gehen können. „Wir begrüßen und unterstützen es, wenn die Familie mit dem Manager ins Ausland geht“, betont Prehofer. Der Expatriate ist im familiären Umfeld zufriedener, seine Leistung daher auch besser. Viele Manager würden es allerdings vorziehen, „Teilzeit-Expatriates“ zu sein. Diese arbeiten meist projektbezogen einige Tage im Ausland, die Wochenenden verbringen sie wieder in der Heimat.
„Mit einem Auslandsaufenthalt kann man schneller Karriere machen“, rät Tengel prinzipiell zum beruflichen Schritt über die Grenzen. „Die Auswahl der Zieldestination muss sehr bewusst getroffen werden“, schränkt der Personalberater allerdings ein: „Nur Ausland um des Auslands willen bringt nichts.“
("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.09.2007)