Feuer am Börsendach

Wiener Börse und Finanzmarktaufsicht müssen zivile Informationsstandards jetzt auch bei Steueroasen-Aktien konsequent durchsetzen.

Die Finanzmarktaufsicht hat den Börseprospekt eines Unternehmens genehmigt, das in Wien notiert, aber das österreichische Börsegesetz nur teilweise und den hiesigen „Corporate Governance Codex“ (Wohlverhaltensregeln) gar nicht akzeptieren will. Und die Wiener Börse hat diese Aktie in den „Prime Market“, also in das Segment mit den höchsten Standards gehievt. Jetzt, wo sich gezeigt hat, dass Meinl Informationsstandards ziviler Börsen tatsächlich nicht akzeptiert, ist Feuer am Dach. Und es wird „geprüft“.

Hoffentlich mit genug Verve. Denn 99 Prozent der Prime-Market-Unternehmen benehmen sich so, wie es höchsten internationalen Standards entspricht. Sie haben es nicht verdient, hier mit hineingezogen zu werden.

Börsechef Buhl hat schon Recht: Dem Finanzplatz ist Schaden zugefügt worden. Freilich durch Arroganz von Börseakteuren gegenüber Kleinanlegern. Und nicht, wie er meint, durch die Berichterstattung darüber. Die Börse muss jetzt also klar sagen, dass in ihrem geregelten Markt das Börsegesetz uneingeschränkt zu gelten hat. Auch für Steueroasen-Unternehmen, deren Stimmrechte möglicherweise zu einem Drittel im Besitz einer Karibik-Firma stehen, von der man nicht einmal weiß, wem sie gehört. Und sie muss das auch konsequent durchsetzen. Sonst erleidet der Börseplatz Wien wirklich einen Rückschlag.

(Bericht: Seite 26)


josef.urschitz@diepresse.com("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.09.2007)

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