Abhängen, Abdönern, Anpampen, Arschkarte

AP (Kevork Djansezian)
  • Drucken

Verstehen Sie den Jargon Ihrer Kids? Ein neues Buch hilft dabei. Wenn „cool“ out ist, was dann?

Ein Vater schaukelt sein Baby: „Nun sag doch was!“ Das Baby sagt was: „Blblblbl!“ So wie auf dieser Zeichnung geht es Eltern oft auch mit Kindern, die schon flüssig plaudern. Jeder Generation ihr Jargon. „Spitze“ ist out, „cool“ beinahe auch schon wieder.

Schade, denn cool sein ist auch inhaltlich interessant. Es bedeutet über den Dingen stehen, in jeder Lebenslage: Distanz. Kult-Comic-Schwammkopf „Sponge Bob“ meinte jüngst, man sagt jetzt statt „cool“ „coral“ (Koralle). Ob sich die kannibalischen Ozeanbewohner, die einander aufessen (Mr. Crab vertreibt Krabbenburger) bei den coolen Kids durchsetzen, bleibt abzuwarten.

Ein neues Wörterbuch „Kids–Deutsch, Deutsch–Kids, voll krass+total daneben“ hilft Eltern und Kindern bei Verständigungsproblemen. Der Teil über die Eltern ist weniger interessant, weil sehr deutsch-deutsch, wobei die ostdeutschen Worte lautmalerischer klingen als die westdeutschen: Hackepeter, Brause, Datsche, Mostrich, knorke (super!), Broiler (Brathuhn). Heiter ist aber der Jugend-Teil. Eine kleine Auswahl. Abdönern (Darmwinde), ablosen (versagen), abhängen (rumhängen), anpampen (unfreundlich sein), Burner (Synonym für „Das war ein Hammer“). Eine Hackfresse ist ein hässlicher Mensch, eine Bratze eine hässliche Frau, ein Frauenversteher ist ein sensibles männliches Wesen.

Ein Dorn im Auge sind vielen Eltern SMS-Kürzel. War da nicht was mit Pisa und kein Mensch kann mehr lesen, geschweige denn richtig schreiben? Kein Wunder. Hdgdlunvm ist die Kurzform für „Hab dich ganz doll lieb und noch viel mehr“. Berührungsängste mit Piefke-Ausdrücken gibt es kaum mehr. HAHU! heißt „Habe Hunger“ und T2UL „Talk to you later“. Auch Anglizismen sind in, selbst bei Kids, die keineswegs Englisch sprechen. Einfach ist Fanta, für: Ich fahre noch tanken, oder Dubido (Du bist doof!).

Bei Haaren wird's besonders kreativ: Pennerkissen,Zündschnur (Einzelsträhne im Nacken), Popelbremse (Schnurrbart), Fleischmütze (Glatze). Falls das Kind Sie mit Namen wie Chef-Begrüßer,Dunkelbumser oder Zeitungsfalter (das, was Väter im Büro tun) eindeckt, ist es Zeit, den oder die Halbstarke (alter Ausdruck für Pubertierende) allein zu lassen und abzugehen, eventuell mit dem Ausruf: „Pupsgranatenscheiße! Was bist du heute so übel gelaunt?“

(Kids–Deutsch von Lasse Hoelck; tosa/Ueberreuter-Verlag; 4,95Euro)

DER SCHWERPUNKT

Am 28.September startet der ORF die neue Quizshow „Dreizehn“: Zwei Teams aus 13-Jährigen und Prominenten treten an. Moderator ist Christian Clerici. Kandidaten zwischen zwölf und 14 Jahren werden vom ORF gesucht – Informationen und die Möglichkeit zur Bewerbung unter: http://tv.ORF.at/13

Der eigentliche Themenschwerpunkt Kinder läuft ab 20.Oktober. DenAuftakt macht eine „Junior-Millionenshow“. Die Ratesendung mit Armin Assinger kehrt in der Standardversion schon heute, Montag, aus der Sommerpause zurück – und läuft ab sofort nach neuen Spielregeln: Die Kandidaten dürfen einen zusätzlichen Joker wählen und bei einer falschen Antwort einmalig einen zweiten Tipp abgeben, sie riskieren dafür aber einen Teil des Gewinnes.

Am 26.Oktober steht wieder der Gesangswettbewerb „Kiddy Contest“ am Programm – er wird von Mirjam Weichselbraun moderiert und erstmals im Hauptabend gesendet.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.09.2007)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.