Afrikaner, Asiaten, Amerikaner – die Erzdiözese Wien beherbergt mehrere fremdsprachige Gemeinden. Beim Besuch von Papst Benedikt XVI. wird ihnen besondere Aufmerksamkeit gewidmet.
WIEN. Wenn Pater Joseph Bantega am Sonntag um 11.15 Uhr mit der Messe beginnt, sind die Reihen der Pfarre Auferstehung Christi in Margareten noch nicht wirklich voll. Erst gegen 12 Uhr haben sich die Bänke der Kirche gefüllt – mit rund 400 Menschen. „Die Leute kommen oft später“, erklärt der Pater. Das macht aber nichts, schließlich dauert die Messe insgesamt ja ganze drei Stunden.
Jeden Sonntag versammelt sich hier in der Siebenbrunnenfeldgasse die englischsprachige Gemeinde der afrikanischen Katholiken zum Gottesdienst. Der läuft, wie bei anderen katholischen Gemeinden, nach dem lateinischen Ritus ab. Nur eben länger. Und intensiver. Denn in einer afrikanischen Messe steckt viel Energie. Trommeln, Singen und Tanzen gehören dazu. „Es kommen viele junge Leute“, erzählt der Pater, der vor sechs Jahren aus Kenia nach Österreich gekommen ist, „und auch immer wieder Österreicher, die das Trommeln hören wollen.“
Englisch, Französisch, Suaheli
Bei den Gesängen und der Predigt – die gesamte Messe wird auf Englisch abgehalten – müssen viele Einheimische allerdings passen. So wie auch in der Pfarrkirche Jacquingasse im dritten Bezirk. Hier feiern zur selben Zeit die französischsprachigen Afrikaner. Regelmäßige Messen in Suaheli, wie es von der ostafrikanischen Gruppe gesprochen wird, gibt es derzeit allerdings nicht.
Schwierigkeiten, der Predigt zu folgen, haben auch einige Besucher der Pfarrkirche Maria vom Berge Karmel in Favoriten – zumindest, wenn sie nicht Tagalog sprechen. Denn hier kommt die philippinische Gemeinde regelmäßig zusammen, wenn Seelsorger José Demoy am Sonntag zum Gottesdienst ruft. Oft sind es so viele, dass die Besucher gar keinen Sitzplatz mehr finden.
„Die Messen laufen bei den verschiedenen Gruppen immer etwas anders ab“, sagt Alexander Kraljic, Generalsekretär der Arge AAG, die die katholischen Gemeinden aus Afrika, Asien und Lateinamerika betreut. So sind afrikanische Messen eben bunter und enthalten mehr Tanz, die Ostasiaten arbeiten dagegen viel mit Verbeugungen – etwa beim Friedensgruß.
Jeder fünfte Katholik ist Ausländer
„Es gibt mehr als 35 europäische und außereuropäische fremdsprachige Gemeinden in der Erzdiözese“, erzählt Kraljic. Jeder fünfte Wiener Katholik sei Ausländer oder ausländischer Herkunft. Die größten Gruppen sind die Kroaten und die Polen. Bei den außereuropäischen Gruppen liegen die Philippinos vorne – in der Erzdiözese schätzt man ihre Zahl bundesweit auf mehr als 20.000.
Einige tausend Katholiken kommen auch aus Indien, vor allem aus dem südindischen Bundesstaat Kerala. Hier wird unter anderem der syro-malabrische Ritus gepflegt, der sehr in der indischen Tradition verwurzelt ist. Aber auch nach dem syro-malankarischen und lateinischen Ritus wird jeden Sonntag in der Pfarrkirche Maria Lourdes in Meidling gefeiert. Gottesdienstsprache ist dabei übrigens Malayalam.
Sie und die anderen fremdsprachigen Gemeinden der Erzdiözese Wien werden am 7.September Papst Benedikt XVI. zujubeln, wenn er kurz nach seiner Ankunft die Kirche Am Hof erreicht. Asiaten, Lateinamerikaner, Afrikaner aber auch Neo-Österreicher aus europäischen Ländern werden dabei sein. „Die meisten Plätze haben natürlich die Kroaten“, sagt Kraljic. Kein Wunder, hat hier doch die kroatische Gemeinde ihre Kirche.
Pater Ilija Vrdoljak, der der Gemeinde vorsteht, ist sichtlich stolz, dass er Gastgeber für den hohen Besuch sein darf: „Der Besuch der fremdsprachigen Gemeinden ist ein Zeichen der Anerkennung“, meint er. Und als Zeichen des Willkommens wird dem Papst beim Eingang zur Kirche von einer Familie mit drei Kindern Brot gereicht.
Ganz neu ist die Erfahrung für ihn übrigens nicht. Schon 1983 war er als junger Priester dabei, als Papst Johannes Paul II. in der Kirche Am Hof mit Unternehmern und Gastarbeitern aus damals zum Teil kommunistischen Ländern sprach. Wie vielfältig Wiens fremdsprachige Gemeinden sind, wird beim Papstbesuch in der Aufregung vermutlich untergehen. Ohne Ablenkung kann man sich davon am 21. Oktober überzeugen. Da ist ein großer Auftritt der Gemeinden im Stephansdom geplant.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.09.2007)