Kochende Direktoren, eine Ministerin, die sich redlich abmüht: Diese Posse ist amüsant, aber unproduktiv.
Es wird ein heißer Herbst! Darf ich auch etwas sagen? Raunt der Kunstexperte ins Telefon. Das Papier, das Ihnen geschickt wurde, dürfen Sie zwar veröffentlichen, aber nicht daraus zitieren. Heißt es im Büro von Kulturministerin Schmied. In der an Komödien reichen Museumsszene hebt sich in diesen Tagen der Vorhang zu einem neuen Akt. Und obwohl es der xte ist, wird es nicht der letzte sein.
Versuchen wir, uns das Lachen über schäumende Direktoren, die sich für den Nabel der Kunstwelt halten, und eine ehrgeizige Ministerin, die auf dem glatten Kulturparkett herumschlittert, zu verbeißen – und ein paar Realitäten zu sichten.
Albertina-Direktor Klaus A. Schröder geht mit seinem großspurigen Auftreten vielen auf die Nerven. Trotzdem ist er ein ausgezeichneter Direktor, der die Albertina wunderschön ausgebaut hat und tolle Ausstellungen zeigt. Über Schröders Hang zur räumlichen Expansion kann man streiten. Aber der weitere Ausbau der Albertina wurde nun einmal genehmigt, angeblich schon unter der vorherigen Regierung. Also sollte man Schröder jetzt werken lassen.
Die Präsentation der Sammlung Klassischer Moderne des Liechtensteiner Anwaltes Herbert Batliner in der Albertina würde in jeder anderen Weltstadt begeistert akklamiert. Dass die 500 Gemälde (!) eine Leihgabe sind, ist kein Makel. Wenn es ernste Argumente gegen die Übernahme der Sammlung Batliner gibt, dann müssen sie jetzt auf den Tisch. Wenn nicht, sollte man sich einfach darüber freuen, dass die Batliner-Sammlung nach Wien kommt.
Stattdessen: Kollegen mäkeln. Die Ministerin straft Schröder indirekt, in dem die Albertina nicht unter jenen Museen ist, die der Staat besser dotiert. Man sollte bedenken, dass der Albertina-Chef sich woanders einen Posten suchen könnte. Dann wird wieder das Gezeter ertönen, dass in diesem Land Tüchtige keine Chance haben.
Die ganze Aktion mit der Geldverteilung ist überhaupt gründlich schief gegangen. Sechs Mio. Euro stehen ab 2008 mehr für das laufende Museumsbudget zur Verfügung. Jene, die über Reserven verfügen, also klug gewirtschaftet haben, wie das Moderne-Museum, die Natur- und Technik-Sammlung sowie eben die Albertina bekommen nichts. Wer vorsorglich seine Reserven aufgebraucht oder erst gar keine angelegt hat wie das Kunsthistorische Museum, die Österreichische Galerie oder das Museum für angewandte Kunst (MAK) erhält sein Budget aufgestockt. 2009 gibt es sicher wieder Geld, tröstet die Ministerin. Aber für den Moment ist die Logik absurd und die Optik fatal. Es kommt noch besser.
Wie nahezu alle ihre Vorgänger und Vorgängerinnen plant Claudia Schmied eine Museumsreform. Ausländische Experten sollen heimische Direktoren belehren. Ein Wort-Ungetüm namens „Rahmenzielvereinbarungen“ muss Ordnung schaffen. Sicher. Soll auf die Museumsordnungen ein neues Regelwerk aufgepfropft werden wie auf die Rechtschreibung die neue Rechtschreibung, die zwar keiner kann, aber Hauptsache, hoch bezahlte Experten haben jahrelang stattliche Honorare abgeräumt und Sitzungssessel durchgesessen?
Menschen, die nicht ins Museum gehen, müssen angesichts solchen Unsinns die Haare zu Berge stehen. Und Museumsfans sehen schon den bürokratischen Säbelzahntiger auf Direktoren-Schreibtischen Platz nehmen. Als wäre nicht alles schon kompliziert genug durch die Autonomie, den Geldmangel und die bald notwendigen Bestellungen neuer Leitungen in mehreren Häusern. Der Direktor des Museums moderner Kunst, Edelbert Köb, hat eine einfache einleuchtende Gliederung vorgeschlagen: Kunst bis 1800 im „Kunsthistorischen“, das 19. Jahrhundert im Belvedere, die Moderne ins Moderne-Museum. Verwirklicht wird diese Reform sicher nicht, weil kein Direktor etwas hergeben will.
Auch das schon vor längerer Zeit präsentierte Maximal-Konzept der Grünen, deren Kultursprecher Wolfgang Zinggl die Museumslandschaft komplett neu ordnen wollte, ist unrealistisch. Die Vorschläge wiederum, die u. a. vom ehemaligen Ersten Direktor des Kunsthistorischen Museums, Hermann Fillitz, erarbeitet wurden, sind veraltet. Besser wäre, man spart das viele Geld für Experten, Zeit und Energie für Streitereien, lässt die alten Direktoren arbeiten und beruft neue.
Hier stehen die wirklich wichtigen Entscheidungen an: im offenkundig finanziell nicht optimal geführten Kunsthistorischen Museum, im Museum moderner Kunst, im MAK, im „Naturhistorischen“. Hier kann sich ein Minister bewähren mit Fleiß, Klugheit und Verantwortungsbewusstsein für das kulturelle Erbe, mit Visionen für die Zukunft. Alles andere ist heiße Luft, von der die Politik derzeit mehr als gesättigt ist.
barbara.petsch@diepresse.com("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.09.2007)