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Der „Run“ auf Uran hat voll eingesetzt

(c) AP (Milan Knize)
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Energie. Die Atomwirtschaft rüstet sich für eine zweite Ausbauwelle von Atomkraftwerken.

WIEN. Wer es immer noch nicht glauben wollte, musste sich in den letzten Tagen eines Besseren belehren lassen: Die Renaissance der Atomenergie hat längst eingesetzt. So hat erst am Freitag die slowakische Regierung angekündigt, neben dem Ausbau des AKW Mochovce noch einen gänzlich neuen Atom-Standort (im ostslowakischen Kecerovce) zu begründen.

Ebenfalls am Freitag hat sich Russland Zugriff auf große Uranmengen in Australien gesichert, um 30 neue Atomreaktoren versorgen zu können. Gleiches hat China vor – und hat sich ebenfalls bereits australischer Unterstützung versichert. Australien verfügt vor Russland und Kasachstan über die größten Uran-Vorräte der Welt.

Im Hintergrund des AKW-Booms – der nun auch Westeuropa erfasst hat (siehe nebenstehende Artikel) rüstet sich eine Milliarden-Industrie für die „zweite Goldene Ära“ der Atomkraft – nach der ersten Welle in den 1970er- und 80-Jahren. So hat etwa Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy angekündigt, den Atomkonzern Areva mit Eramat (Bergbau), Bouyges (Bau) und Alstom (Anlagenbau) verschmelzen zu wollen. Ziel ist es, schlüsselfertige AKW samt dem kompletten Brennstoff-Kreislauf anzubieten. Gleiches hat Russland vor, das alle relevanten Firmen unter dem Dach der Atombehörde Rosatom verschmelzen will. Auch Japan spielt im Konzert mit: Toshiba hat im Herbst 2006 den US-AKW-Bauer Westinghouse übernommen.

Einer der größten Treiber hinter der Konsolidierung ist der Zugriff auf Uran. Toshiba hat erst Mitte August Kasachstan an Westinghouse beteiligt, Areva hat Ende Juli den zweitgrößten Uran-Lieferanten der Welt, die kanadische UraMin, übernommen.

Uran ist knapper denn je. Das zeigt die Preisentwicklung der letzten Jahre: eine Verdopplung innerhalb von zwei Jahren (siehe Chart). Den jüngsten Preisrückgang erklären Händler damit, dass die Lieferanten mit Hochdruck an einer besseren Versorgung arbeiten. Mittelfristig werde der Uran-Preis aber auf noch höhere Niveaus steigen, so die Händler.

Hinter dem Boom wird freilich übersehen, das große Probleme weiter ungelöst sind: vor allem die Endlagerung des Atommülls, aber auch die nach derzeitigem Wissensstand auf 40 Jahre begrenzten Vorräte. Die Öffentlichkeit bleibt vielerorts skeptisch. Dem deutschen AKW-Betreiber sind nach einer Pannenserie 100.000 ihrer Stromkunden abhanden gekommen, sie wechselten zu anderen Anbietern. Im Sucher S. 31

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.09.2007)