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Mit Kettensäge Butter schneiden

Johannesburg, rasch wachsende Millionenstadt in Südafrika.

Diese Zeilen sind wechselweise im Zorn, aus Enttäuschung, aber auch als Ermutigung geschrieben. Denn hier findet sich der ganze Wahnsinn einer Industriegesellschaft wieder, die glaubt, fossile Energie im Überfluss zu haben.

Hier, im südlichen Afrika, ist der Winter gerade vorbei. Winter heißt: es kann in der Nacht ziemlich kalt werden, die Temperaturen fallen dann gelegentlich unter den Gefrierpunkt. Jedoch strahlt die Sonne täglich von einem strahlend blauen Himmel, und die Temperaturen steigen auf 15 Grad und mehr.

Da dieser Winter hier nur zwei Monate dauert, sind die Häuser weder isoliert, noch gibt es Heizsysteme wie bei uns. Dafür gibt es überall, und jetzt auch in den Townships, da zum Glück auch viele Schwarze zu Wohlstand und einem Stromanschluss kommen, Elektroöfen. Nichts benötigt mehr Energie, als elektrisch zu Heizen. Zurecht gibt es den Vergleich, dass mit Strom zu Heizen gleichbedeutend wäre, mit einer Motorsäge Butter zu schneiden.

Über 90 Prozent des südafrikanischen Stroms kommt aus Kohlekraftwerken, die enorm viel CO2 in die Luft pusten. Der Verbrauch wächst derart schnell, dass es laufend zu Ausfällen kommt. In den nächsten zehn Jahren soll sich der Stromverbrauch hier verdoppeln.

Nichts wäre nun leichter, als in einem Winter, in dem täglich die Sonne scheint, Häuser so zu bauen, dass sie ohne teure Zusatzgeräte die Sonne zur Erwärmung der Gebäude nutzten. Oder man könnte bei schon errichteten Häusern einfachste und billige Solaranlagen installieren. Nichts davon passiert. Vom klimagerechten Bauen ist hier kaum die Rede.

Obwohl Einzelbeispiele auch hier zeigen, wie einfach das möglich wäre. Einmal mehr: Die Transformation unserer fossilen Gesellschaft hin zur Nachhaltigkeit ist eine zutiefst kulturelle Frage. Wie sehr wir am Anfang stehen, zeigt das im afrikanischen Vergleich enorm reiche Johannesburg.

Wahrscheinlich wird Südafrika die Anzahl seiner Kohlekraftwerke verdoppeln, ohne die simple Alternative des solaren Bauens ernsthaft umzusetzen.

Schließen wir doch optimistisch: Höchstwahrscheinlich wird hier demnächst das größte solarthermische Kraftwerk der Welt gebaut werden.

Würde man die Millionen Häuser, die ebenfalls in den nächsten zehn Jahren errichtet werden, nach erprobten solaren Standards bauen, könnte ein Vielfaches erzielt werden.


chorherr.twoday.net

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.09.2007)