Erweiterungsbilanz: Kaum Job-Verluste nach Osteuropa

Laut einer neuen Wifo-Studie hat das Engagement heimischer Unternehmen in den Nachbarländern im Inland insgesamt sogar neue Arbeitsplätze geschaffen.

WIEN. Die Angst, Osteuropa ziehe Jobs aus Österreich ab, ist unbegründet. Wie eine noch unveröffentlichte Wifo-Studie belegt, hat die Gründung von Tochterunternehmen in den Nachbarstaaten insgesamt sogar in den Mutterbetrieben (im Inland) zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen.

Für die Nachbarländer waren die Investitionen aus Österreich zweifellos der noch größere Gewinn. Es entstanden dadurch zwischen 1993 und 2004 in den heutigen EU-Staaten 216.000 neue Jobs. Auch die Bilanz der heimischen Unternehmen war positiv. Ihre Investitionen erschlossen einen neuen Markt und sie konnten die billigeren Arbeitskräfte in den Nachbarstaaten für ihre Produktion nutzen.

Dieses Engagement wurde von der Furcht der Bevölkerung begleitet, dass in gleichem Maße mit den neuen Jobs im Osten daheim Arbeitsplätze verloren gehen würden. Die Wifo-Studie zeigt aber, dass in jenen heimischen Betrieben, die sich im Osten engagiert haben, zwischen 1993 und 2004 sogar insgesamt 7700 neue Jobs geschaffen wurden.

Verlierer bei Sachgüterproduktion

Die Wifo-Studie von Martin Falk und Yvonne Wolfmayr ortet freilich auch Verlierer. Denn in der Sachgütererzeugung gingen in Österreichs Jobs verloren. Weil arbeitsintensive Produktionen in den günstigeren Osten verlagert wurden, konstatieren die Wifo-Experten die Reduzierung von 8300 Jobs. Dem gegenüber steht aber ein deutliches Plus im Dienstleistungssektor von zusätzlichen 16.500 Arbeitsplätzen in jenen Betrieben, die in den neuen EU-Staaten ein neues Standbein aufgebaut haben. „Der Gesamteffekt ist deshalb positiv“, so Falk.

Die Studie geht allerdings nicht darauf ein, welche Effekte es gehabt hätte, wenn das Kapital der Unternehmen nicht in Länder wie die Slowakei oder Ungarn geflossen, sondern in Österreich verblieben wäre. Theoretisch hätte auch das zu einem Plus an Arbeitsplätzen im Inland geführt. Wobei zu bedenken ist, dass der Aufbruch in den Osten die Wettbewerbsfähigkeit und damit die Arbeitsplätze vieler heimischer Betriebe auch nachhaltig gesichert hat.

Insgesamt hat sich die Beschäftigung seit der Ostöffnung in Österreich äußerst positiv entwickelt. Allein im Untersuchungszeitraum der Wifo-Studie wurden in der Wirtschaft des Landes 144.000 neue Arbeitsplätze geschaffen.

Wenngleich die Auswirkungen des Ost-Engagements heimischer Unternehmen auf die Gesamtbeschäftigung in Österreich gering waren, die Struktur der Arbeitsplätze wurde dadurch schon verändert. In Österreich gingen vor allem im Sektor der Sachgüterproduktion Jobs mit geringer Qualifikation verloren, dafür wurden aber anderswo neue Arbeitsplätze mit höherer Qualifikation geschaffen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.09.2007)

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