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Wie Frauen Funktionäre zu Fall bringen

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China. Zum Lebensstil in den oberen Etagen gehört es, eine oder mehrere Geliebte zu haben. Aber oft gibt es kein Happy End.

Peking. Der Countdown läuft: Nur noch wenige Wochen bis zum 17.Parteitag, dem wichtigsten politischen Ereignis in China. Alle fünf Jahre kommt dieser Moment über die Chinesen; dann steht fest, wer auf welchen Posten klettert und wer ins Abseits gerät.

Viel erfährt die einfache Bevölkerung allerdings nicht über die Männer an der Spitze (Frauen kommen dort oben so gut wie nicht vor). Die streng kontrollierten Zeitungen veröffentlichen nur dürre Lebensläufe: Studium, Parteieintritt, bisherige Posten. Privates ist tabu, anders als in Europa und Amerika, über deren Politiker, deren Ehen, Hobbys, Liebschaften und Skandale die Chinesen viel mehr wissen als über ihre eigenen.

Die KP-Propaganda lüftet den Schleier des Geheimnisses erst dann ein wenig, wenn einer bereits gestürzt ist, weil er womöglich zu bestechlich war und niemanden mehr hatte, der ihn schützte.

Jetzt haben Pekings Zeitungen offenbart, was die Spatzen längst von den Dächern pfiffen: Zum Lebensstil in den oberen Etagen gehört es, eine oder mehrere Geliebte zu haben. Und: Diese Männer kommen – so die offizielle Version – meistens über die Frauen zu Fall.

Unter 16 korrupten Funktionären im Ministerrang, die seit dem letzten Parteitag strauchelten, „hielten sich 14 eine Mätresse, manche sogar mehrere, wie zum Beispiel der ehemalige KP-Chef von Shanghai, Chen Liangyu und der frühere Pekinger Vizebürgermeister Liu Zhihua“, berichtete jetzt die Zeitung „Pekinger Nachrichten“. Viele „missbrauchten ihre Macht für sexuelle Gefälligkeiten“. In zehn dieser Fälle sorgten die mächtigen Herren dafür, dass ihre – meist sehr jungen – Freundinnen günstige Immobilien erhielten.


Rache der Ex-Geliebten

Wer durch die neuen Villenviertel mit Namen wie „Chateau Regalia“ im Speckgürtel von Peking spaziert, in deren Garagen sich die Luxuslimousinen drängen, sieht, wohin das führen kann – zu einem höchst angenehmen Lebensstil.

Was einige der KP-Bosse nicht bedachten: Ihre Freundinnen wollten sich nicht damit abfinden, als sie einer neuen Geliebten weichen sollten. Manche, so heißt es, reagierten mit Erpressung – was die Kader zwang, immer neue Einkommensquellen aufzutun. Einige Frauen veröffentlichten gar pikante Einzelheiten und Fotos im Internet. Jüngster Fall war der 63-jährige Pang Jiayu aus der Provinz Shaanxi: Seine elf Geliebten taten sich zusammen und verpfiffen ihn wegen seiner korrupten Baugeschäfte.

Manchmal endet die Affäre tödlich: So ließ der ehemalige Parteichef der Stadt Jinan seine Freundin von einem Polizisten mit einer Autobombe in die Luft sprengen. Der Funktionär wurde vor wenigen Tagen hingerichtet. Solche Berichte sind Anlass für Hohn und Spott in der Bevölkerung. Ein chinesischer Blogger, der sich „Schwert der Gerechtigkeit“ nennt, stellte eine Liste von „acht Ratschlägen für Funktionäre, die eine Mätresse haben“ ins Internet. Wer sie beherzige, schone nicht nur seine eigene Reputation, sondern auch die des gesamten Landes, erklärte er.


Ratschläge für Affären

Hier einige seiner Ratschläge: Der Politiker sollte vorher die Familie der potenziellen Geliebten von der Polizei überprüfen lassen. Wenn sie einflussreich ist oder Mafia-Verbindungen habe: Finger weg! Außerdem: Unkosten der Affäre strikt kontrollieren! „Nach unvollständigen Statistiken kostet eine Geliebte rund 300.000 bis 900.000 Yuan“, so der Blogger. Jeder wisse aber, dass ein Funktionär nur 30.000 bis 50.000 Yuan im Jahr verdient. Wenn man den Rest durch Korruption aufbringen muss, führe das „in einen Teufelskreis“.

Letzter Ratschlag: Verstärkt an die „ideologische Erziehung“ der Geliebten denken. Mit einer politisch gefestigten Freundin stiegen die Chancen auf eine ungefährdete Karriere.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.09.2007)