Zum Kursverlust auch noch den Spott

Einen zweiten Fall Meinl sollte sich die Börse nicht mehr leisten. Jetzt ist der Gesetzgeber am Zug: zum Schließen der Schlupflöcher.

Wenn die Wiener Börse Meinl European Land jetzt tatsächlich aus dem ersten Börsesegment wirft oder drängt, dann zeigt das, dass man in der Wiener Strauchgasse die Zeichen der Zeit verstanden hat – und weiter in der Champions League der seriösen europäischen Börsenplätze mitspielen will. Schließlich hat man ja lange gebraucht, um sich dahin vorzuarbeiten.

Da ist jetzt die Frage, wie MEL überhaupt in den „Prime Market“ kommen konnte, nicht mehr so wichtig. Genau genommen gehört MEL dorthin, wo auch die anderen beiden Meinl-Zertifikate notieren: in den unregulierten dritten Markt. In anderen Segmenten hat ein Zertifikat auf die Aktie eines Jersey-Unternehmens, dessen Eigentumsverhältnisse völlig unklar sind und das für seine Kleinaktionäre statt Informationen nur Zynismus („Hätten Sie halt auf Seite 105 im Jersey-Börseprospekt nachgelesen“) übrig hat, nichts verloren. So kann man unter Finanzhaien Profi-Geschäfte machen, aber nicht kleinen Leuten 50-Euro-Sparpläne andrehen.

Allerdings: Der Gesetzgeber (bei der Gelegenheit: Gibt es das Finanzministerium eigentlich noch? Von Molterer und Matznetter hat man in der Sache jedenfalls nichts gehört) sollte trotzdem die offenbar vorhandenen Schlupflöcher schließen. Denn eine zweite MEL sollte auf die österreichischen Kleinanleger im Sinne des Aufbaus einer vernünftigen Aktienkultur nicht mehr losgelassen werden. 150.000 Kursmassaker-Opfer reichen vorerst. (Bericht: Seite 21)


josef.urschitz@diepresse.com("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.09.2007)

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