Michael Franz, Sektionsleiter für Theater und Museen, über zornige Direktoren und den Kampf ums Geld.
Die Presse: Einige Museumsdirektoren waren nach dem Treffen mit Ministerin Schmied und Ihnen am vergangenen Montag schwer verdrossen. Sie fürchten die Beschneidung ihrer Autonomie und beklagen Geldmangel.
Michael Franz: Wir haben recherchiert, wie diese Sitzungen in den letzten Jahren abgelaufen sind. Da liegt dieses Meeting durchaus im langjährigen Trend. Die Diskussion über Inhalte wurde nicht von uns erfunden, sondern von Direktoren und Medien, auch Ihrem, gefordert. Die Bundesmuseen stehen heute, zehn Jahre nach der Ausgliederung insgesamt besser da als davor. Aber jetzt ist es legitim zu fragen, in welche Richtung soll es weitergehen? Ich finde es vom Prinzip her gut, dass einmal geredet wird. Meinetwegen soll auch kräftig gestritten werden. Das gehört zu einem Diskussionsprozess – und ist in Ordnung, wenn es dazu führt, dass wir am Ende eine Vision haben, wo die Institutionen hingeführt werden sollen.
Einige Museumsdirektoren schenken einander in der Öffentlichkeit seit Wochen heftig ein. Der Mumok-Direktor kritisiert den Albertina-Chef und umgekehrt. Dass ein Bankdirektor dem anderen über Zeitungen ausrichten lässt, dass er eine blöde Zinspolitik macht, ist undenkbar. Was ist da bei den Museen los?
Franz: Die Banken wurden vor einigen Jahren von der EU für Zinsabsprachen verurteilt und mussten Hunderte Millionen Euro Strafe zahlen. Vielleicht wäre es gescheiter gewesen, wenn sie gestritten hätten. Es gibt bei den Museen ein grundsätzliches Diskussionsproblem. Da geht es nicht um einzelne Häuser. Sondern: Wie sollen generell die Sammlungsbestände vermittelt werden? Wie wird die Ausstellungspolitik betrieben? Wie geht man mit Dauerleihgaben um...
Die Albertina hat die Sammlung Batliner an Land gezogen, das wird kritisiert, weil Leihgaben nichts Fixes sind und die Albertina eine Grafik-, keine Gemäldesammlung ist.
Franz: Ich habe dazu keine Meinung. Ich stelle Fragen. Das ist meine Aufgabe. Experten sollen die Fragen beantworten, Experten in den Bundesmuseen und Experten von auswärts. Eine Diskussion über Ziele hat nie stattgefunden. Das machen wir jetzt.
Wie geht es weiter mit der Museumsreform?
Franz: Es gibt bis Ende September eine interne Diskussionsrunde. Ein Fragenkatalog dazu wurde den Direktoren vergangenen Montag übermittelt. Wir erhoffen uns qualitativ sehr hochstehende Beiträge dazu.
Die erste Frage lautet: Was ist grundsätzlich die gesellschaftliche Relevanz von Museen? Das ist, als würde man fragen, was ist die Relevanz von Bankwesen oder Journalismus. Fürchten Sie nicht, verspottet zu werden?
Franz: Nein. Das ist ein wichtiges Thema und eine sehr legitime Frage. Ich finde, es gab in der Vergangenheit zu viel Diskussion über Finanzielles und zu wenig Gespräche über Inhalte. Wir haben z.B. die Einstellung der Bevölkerung zu bedenken. Da interessieren uns nicht nur die Museumsbesucher, sondern auch die, die nicht ins Museum gehen. Wir denken darüber nach, wie wir die Letzteren zum Besuch motivieren könnten. Da kann ich sehr wohl einen Museumsdirektor oder eine Direktorin fragen: Wie sehen Sie das? Sie haben eine Menge an potenziellen Besuchern, die Ihr Angebot nicht nutzen...
Manche Museen wie die Albertina haben sehr viele Besucher gewonnen, manche nur wenige oder gar keine. Will man insgesamt noch viel mehr Leute in die Museen bringen?
Franz: Nicht unbedingt. Aber man sollte nicht zufrieden sein mit dem, was man hat.
Warum beschränkt sich der Bund eigentlich nicht einfach auf die Finanzkontrolle?
Franz: Weil die Museumsdirektoren Sachwalter von Bundesvermögen sind. Da geht es nicht nur um Geld, sondern auch um den Kunstbesitz und die Vermittlung.
Die Budgets von Bundestheatern und Bundesmuseen sind seit zehn Jahren nicht erhöht worden. Wie lange wird das noch so weitergehen. Oder steckt da ein Plan dahinter?
Franz: Ich war in diesen Jahren nicht dabei. Aber ich habe mich auch mit Kollegen aus dem Finanzministerium unterhalten. Die Ausgliederung hatte mehrere Gründe. Einer war Autonomie, ein anderer sicher, dass Abläufe, Personalstrukturen schlanker, effizienter gestaltet werden. Das hat auch funktioniert. Wir haben bei den Bundestheatern Kurven über zehn Jahre gezeichnet und festgestellt, dass die Zahl der Beschäftigten zurückgegangen ist, die Personalkosten tendenziell gleich geblieben sind. Das heißt, die Bundestheater haben über zehn Jahre mit dem Einsparungspotenzial gewirtschaftet und sind mit ihrem Geld ausgekommen. Ähnliches gilt auch für die Bundesmuseen. Dass es so nicht ad infinitum weitergeht, ist allerdings unbestritten. Wichtig ist jedoch, dass man bei den Budgetverhandlungen, die für 2009/2010 schon im Jahr 2008 sein werden, schlüssig argumentieren kann, was die kulturpolitischen Ziele sind.
Werden die Aufsichtsräte bei den Bundestheatern ausgewechselt: Blau raus, Rot rein?
Franz: Mir ist kein Programm bekannt, das heißt, man muss gewisse Personen austauschen. Es gibt immer wieder die Situation, wo jemand ein Mandat zurücklegt. Im Prinzip laufen die Mandate für die Aufsichtsräte bei den Bundestheatern am 30.8.2009 aus.
Das Ministerium und das Kunsthistorische Museum sind beim Lesen der KHM-Bilanz zu unterschiedlichen Schlüssen gekommen. Das Ministerium ortet beim KHM Liquiditätsprobleme, das KHM sagt: Die gibt es nicht.
Franz: Die Ergebnisse sind nicht wirklich unterschiedlich. Das KHM hatte bereits unter Ministerin Gehrer ein Defizit, und schon damals gab es ein Liquiditätserfordernis. Das KHM braucht Bargeld für den laufenden Betrieb, um seine Verpflichtungen zu erfüllen. Darin sind das Ministerium und die KHM-Geschäftsführung einer Meinung.
WAS WILL MICHAEL FRANZ?
Bis Ende Septembermüssen die Direktoren der Bundesmuseen Fragen zu ihren Häusern und zur Museumspolitik beantworten. Im Oktober werden internationale Experten befragt. Danach folgen Rahmenzielvereinbarungen, die präziser als im Museumsgesetz und in den Museumsordnungen Aufgaben, Programm, Perspektiven jedes Hauses festlegen.
Michael Franz (54) absolvierte das Theresianum und die Wirtschaftsuniversität. Bei der früheren Länderbank leitete er die Repräsentanzen in New York und Moskau. Außerdem war er bei der Investmentbank, der Bank Austria und der Credit Suisse tätig. Seit August 2007 ist Franz Sektionsleiter für Bundesmuseen, Bundestheater im Kulturministerium. [Michaela Bruckberger]
("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.09.2007)