Euro 08. Der ORF wird alle Spiele der Fußball-EM im TV übertragen, im Radio, via Handy-TV und Livestream berichten. Kostenpunkt: Unter zehn Millionen Euro.
Ob ich zufrieden bin? Ich würde am liebsten einen Salto nach dem anderen machen“, zeigte sich ORF-Informationsdirektor Elmar Oberhauser am Freitag gegenüber der „Presse“ euphorisch. Den Grund für die Freude hatte zuvor ORF-General Alexander Wrabetz verkündet: „Wir haben uns mit der Uefa geeinigt.“ Damit gehen bei der Euro 2008 zumindest die heimischen Fernsehzuschauer als Sieger vom Feld: Alle 31 Spiele der Fußball-Europameisterschaft (7.–29. Juni 2008) in Österreich und der Schweiz werden vom ORF live in hochauflösender HDTV-Qualität übertragen. „Bei den vier Spielen, die parallel stattfinden, machen wir eine Konferenzschaltung“, verspricht Oberhauser ein möglichst umfassendes Fernseherlebnis.
Außerdem hat der Öffentlich-Rechtliche die Radiorechte erworben, darf Handy-TV und Internet-Live-Streams senden. Allerdings macht eine spezielle Software Zugriffe nur über heimische Internet-Anschlüsse möglich. Der entsprechende Vorvertrag ist 115 Seiten dick und setzt einen Schlusspunkt unter die monatelangen Verhandlungen. 18 Millionen Euro wollte die Uefa ursprünglich für die Österreich-Rechte – weniger als zehn Millionen sind es geworden. Über die genauen Zahlen schweigen sich die Verantwortlichen aus, nur so viel lässt sich Oberhauser entlocken: „Die kolportieren zehn Millionen sind in der Tendenz eher ein bissl zu hoch.“ Durch von der Uefa genehmigte Werbemöglichkeiten soll der Preis unter neun Millionen Euro liegen.
Und auch die ursprünglich von der Uefa geforderten Zusatzleistungen – Werbung, Marketing – hat der ORF aus dem Vertrag bekommen. Dass ARD und ZDF viel mehr zahlen (115Millionen Euro) hält Oberhauser für gerechtfertigt: „Fußball im Fernsehen zu produzieren ist im kleinen Österreich genauso teuer wie in Deutschland – aber die haben eine viel höhere Refinanzierung.“
Als audiovisuelles Leitmedium hat der ORF Einfluss auf die Stimmung zu Gunsten bzw. Ungunsten der EM. Bisher war jegliche vorgreifende Berichterstattung unterbunden worden. Über diesen „Vertragsbruch“ des ORF mit der Initiative „Österreich am Ball“ (deren Werbe-Kampagne für die Euro Sonntag startet) mokierte sich ÖFB-Ehrenpräsident Beppo Mauhart der „Presse“ gegenüber noch Freitag früh. Auf einen Gang zum Gericht wolle er aber verzichten, das Problem werde sich rasch von selbst lösen, wusste Mauhart da schon. Siehe S. 33
IN ZAHLEN
10 Millionen Euro zahlt der ORF für die TV-, Radio-, Handy-TV- und Internet-Livestream-Rechte an der Euro 2008.
Alle 31 Spiele sind im ORF-TV zu sehen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.09.2007)