Eine Saison kostet zwei Milliarden Euro

Unsummen werden investiert, um in der Formel-1 über PR, Sponsoren und Merchandising trotzdem Gewinne zu schreiben. Für Harti Weirather ist es mehr als nur eine „Gratwanderung“.

WIEN/DORNBIRN. 100 Millionen Dollar – diese Summe, sagt der ehemalige Skistar und heutige Sport-Markting-Profi Harti Weirather, muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Das sind 72 Millionen Euro und dieser Betrag zeigt einmal mehr, in welchen Sphären die Formel 1 vorgedrungen ist. Von Vernunft, sagt Weirather, der in der F1 BMW, Allianz und Red Bull in Marketing-Agenden betreut, dürfe man nicht sprechen, dafür sei die Kostenspirale zu extrem. „Natürlich wäre es besser, wenn alle das gleiche Material zur Verfügung hätten wie in der Nascar-Serie in Amerika. Die ist spannend und billiger. Und: Dem TV-Konsumenten fällt es nicht wirklich auf, wenn ein Auto um zwei Sekunden langsamer ist.“

Nur 31 statt 100 Millionen Dollar

Doch nicht umsonst gilt die Formel 1 als die Königsklasse, es gibt unzählige Geldquellen. Banken, Ölfirmen, Auto- und Tabakindustrie, Tourismus etc. – die Wirtschaft steht Schlange vor Ecclestones Zirkus Maximus. Damit das Business auch weiterhin so gut läuft, achtet die FIA mit der „Formula-Money Inc.“ tunlichst darauf, dass den Teams kein Cent entgeht. So müsste McLaren – Einspruch hin oder her – nur 31 Millionen Dollar selbst bezahlen, da das Urteil auf Punkte- und Titelprämien basiert.

McLaren hätte als Konstrukteurs-Weltmeister 69 Mio. Dollar verdient, das ergab die Berechnung von „Formula Money“. Da dieses Einkommen mit den Punkten gestrichen wurde, ist es laut den F1-Statuten und dem Urteil von der Gesamtsumme abzuziehen. Was die FIA mit dem Geld macht, gleicht übrigens einem Staatsgeheimnis...

Ron Dennis ärgerte natürlich, dass er in die Kasse greifen muss, doch der 60-jährige Brite stellte sofort fest: „Wir sind schuldenfrei, wir haben ein tolles Unternehmen, das zwischen 450 und 500 Millionen Dollar pro Jahr umsetzt.“ Und diese 31 Millionen, „das ist doch nur noch der halbe Scheck...“

Wirtschaftliche Motive im Cockpit

Wenn man das – kolportierte – Saisonbudget aller elf F1-Teams zusammen zählt, stehen stolze 2,255 Milliarden Euro zu Buche. Mit großer Wahrscheinlichkeit ist es noch viel höher. Für Weirather aber ist allein schon dieser Betrag eine „abenteuerliche Summe“. Wage man aber den Vergleich mit Top-Klubs wie Real Madrid im Fußball, beginnt man das Zahlenspiel zu verstehen. Die „Galaktischen“ gaben einst allein für Zinedine Zidane 73,5 Mio. € aus. Das ist mehr, als etwa Spyker oder Super Aguri für die ganze Saison zu Verfügung haben. Allein mit dem Trikotverkauf erhielt Madrid locker 75 Prozent seiner Ausgaben zurück.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.09.2007)

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