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Viel Erfolg, viel Ärger: Die Alpine-Seifenoper

EPA
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Bau. Der Baukonzern Alpine ist von einem ehemaligen Miteigentümer geklagt worden. Streit hat dort offenbar Tradition: Über die Jahre sind an der Alpine schon Freundschaften zerbrochen.

Oft kommt es anders als man denkt. Ziemlich genau ein Jahr ist es her, da sorgte ein spektakulärer Deal in der österreichischen Bauwirtschaft für Schlagzeilen: Der spanische FCC-Konzern übernahm die Mehrheit an der drittgrößten österreichischen Baufirma Alpine Mayreder. „Ein Glücksfall“, beschied damals Dietmar Aluta-Oltyan. Und damit meinte der langjährige Alpine-Boss wohl nicht ausschließlich die wirtschaftlichen Perspektiven, die sich den Österreichern damit eröffneten.

Aluta-Oltyan hatte in den Jahren davor jede Menge Zores mit den Eigentümern des Konzerns gehabt. Jetzt waren die weg, Aluta-Oltyan hatte hingegen seinen 20-prozentigen Anteil an dem Unternehmen behalten. Und freute sich auf friedlichere Zeiten.

Zu früh gefreut. Es wird nämlich schon wieder gestritten.

Otto Mierl, langjähriger Weggefährte von Aluta-Oltyan, lässt grüßen. Er hat den Alpine-Konzern geklagt. Da sind offenbar noch einige Rechnungen offen – die Frage ist bloß: im wörtlichen oder im sprichwörtlichen Sinn?

Tatsache ist, dass Mierl 35 Jahre lang „die Alpine mit aufgebaut“ hat, wie er sagt. Im vergangenen Herbst entschied er sich, Kassa zu machen: Er verkaufte seine Unternehmensanteile von 12,6 Prozent an die Spanier. Gut 30 Mio. Euro hat er dafür bekommen, heißt es in der Branche.

Doch jetzt will Mierl, nebenbei Bürgermeister von Mondsee, „Ansprüche aus dem Arbeitsverhältnis“ geltend machen – etwa eine Gewinnbeteiligung in Höhe von mehreren Millionen Euro.

Aluta-Oltyan ist entgeistert: „Mierl hat seine Alpine-Anteile an die FCC abgegeben und gleichzeitig einen Vertrag unterschrieben, mit dem er auf alle Ansprüche gegenüber der Alpine verzichtet“, lässt er über seinen Rechtsanwalt Christoph Kerres ausrichten. Und: „Es ist mir völlig unbegreiflich, wieso jetzt weitere Ansprüche erhoben werden.“ Was Mierl wiederum zutiefst menschlich enttäuscht: „Jeder weiß, dass mir das zusteht“, sagt er.

Man muss kein großer Menschenkenner sein, um zu sehen: Die einstige Freundschaft zwischen Mierl und Aluta-Oltyan ist zu Ende.

Doch das passt ins Bild, denn an der Alpine sind schon andere Freundschaften kaputt gegangen. Eigentlich merkwürdig – immerhin ist die Geschichte des Alpine-Konzerns eine Erfolg-Story schlechthin. Eine jener Geschichten, die in Österreich Seltenheitswert haben – weil sie nach dem Muster „vom Tellerwäscher zum Millionär“ gestrickt ist.

Sie beginnt im Jahre 1945, so will es jedenfalls die Legende. Ihr zufolge sind damals zwei junge Brüder, Dimitri und Georg Pappas, per Motorrad aus dem ungarischen Györ nach Salzburg geflohen. „Allein daran merkt man, wie groß das Gespür der beiden für Machtkonstellationen war“, schmunzelt ein Kenner der Familie heute. Die beiden Pappas-Brüder hatte es nämlich nicht zufällig in die Mozartstadt gezogen. Sie machten alsbald mit US-Besatzungssoldaten Geschäfte aller Art.

Hin und wieder verhökerten sie auch amerikanische Gebrauchtwagen. Ein ausbaufähiges Business für die „Chevrolet-Brothers“. Und dann machte Georg Pappas auch noch Bekanntschaft mit Mercedes-Generalvertreter Günter Wiesenthal. Der gab dem jungen Pappas zunächst eine Stelle, später, 1960, überließ er ihm die Generalvertretung für Salzburg.

Der Rest ist Geschichte: Die Pappas bauten hurtig ein milliardenschweres Mercedes-Handelsimperium auf – eines der größten und reichsten Familienunternehmen Österreichs.

Dazu zählte auch der Alpine-Konzern, den Georg Pappas eigentlich aus einer Laune heraus im Jahre 1965 gegründet hatte. „Aus einem gewissen Übermut und aus Selbstbestätigung“, tat er einst kund. Nicht ganz unerheblich wird wohl auch das Faktum gewesen sein, dass Pappas damals von der US-Armee Baumaschinen um einen Spott bekommen hatte. Die mussten ja schließlich auch einen Zweck erfüllen.

Drei Jahre später heuerte er den damals 24-jährigen Aluta-Oltyan an. Ein tüchtiger Manager, wie sich über die Jahre herausstellen sollte: Das einst kleine Unternehmen wuchs und wuchs, worauf er in den achtziger Jahren mit einem 20-prozentigen Unternehmensanteil belohnt wurde. Eitel Wonne also: Zwischen den beiden entwickelte sich eine Freundschaft – Pappas hielt sich aus dem Operativen heraus, Aluta-Oltyan werkte.

Dann kam es zum Riss. Wieso, ist nicht ganz klar. Aluta-Oltyan meinte in einem Interview vergangenes Jahr: „Pappas begann mir gegenüber wegen meiner Erfolge eine gewisse Distanz zu entwickeln.“ Als der Manager 2002 die Universale erwarb, soll Pappas jedenfalls äußerst ungehalten gewesen sein.

Nach und nach kam es intern zur Eskalation. Als die Stimmung am Nullpunkt war, versuchte Aluta-Oltyan ein Management Buy out über die Bühne zu bringen und den 67-Prozent-Anteil der Familie Pappas zu erwerben. Doch da kam ihm der so genannte Bestechungsskandal rund um den Bau der Münchener Allianz-Arena dazwischen. Was nicht gerade dazu angetan war, das Klima im Haus nachhaltig zu verbessern.

Anfang 2006 wurde Aluta-Oltyan zu 1,8 Mio. Euro Strafe verurteilt, nachdem er gestanden hatte, für die Auftragsvergabe des Münchener Stadions einen Lobbyisten engagiert zu haben. Einen Monat später wurde er von der Alpine-Spitze abberufen. Nach 38 Jahren.

Derweil hat Pappas einen Schlussstrich unter die unerfreuliche Causa gezogen und seine Anteile an die Spanier verkauft – angeblich um 440 Mio. Euro. Aluta-Oltyan hat seine behalten. Weil die Alpine sein Lebenswerk sei, sagt er. Mittlerweile präsidiert er dort den Aufsichtsrat. Vom Pappas-Clan sei er aber „menschlich mehr als enttäuscht“.

Angesichts dieser Troubles ist die anhängige Klage des Otto Mierl ein Kinkerlitzchen, würde man meinen. Trotzdem heißt es in der Branche, dass sich der Alpine-Konzern durch Mierl ordentlich unter Druck gesetzt fühlt. Was an dessen Rechtsbeistand liegt. Das ist Eduard Saxinger – und der ist seit dem Frühjahr Aufsichtsrats-Präsident der staatlichen Straßenbaugesellschaft Asfinag. Die wiederum wichtigster Auftraggeber der Alpine ist.

Saxinger schäumt: „Das ist doch lächerlich. Das eine hat mit dem anderen absolut nichts zu tun“, empört er sich, „Ich kann doch auf die Vergabe von Aufträgen durch die Asfinag keinen Einfluss nehmen.“ Überhaupt habe er das Mandat von Mierl erhalten, bevor er Asfinag-Aufsichtsrat wurde. Und außerdem „schätze ich die Alpine als eine der besten Firmen des Landes ein.“

Unverkennbar: Der nächste Konflikt kommt bestimmt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.09.2007)