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Motorsport: Colin McRae – der „Inbegriff“ für Rallye ist tot

(c) AP

Der Schotte kam Samstag bei einem Helikopterabsturz ums Leben, nicht nur Großbritannien trauert.

LONDON/WIEN (dat). Colin McRae, die Kult-Figur des Rallye-Sports ist tot. Der 39-jährige Schotte stürzte mit seinem kleinen Helikopter in Jervis Wood nahe seines Wohnsitzes in Lanarkshire, Schottland, ab. Der Helikopter fing sofort Feuer und brannte komplett aus. Mit ihm kamen drei weitere Insassen ums Leben – darunter auch McRaes fünfjähriger Sohn Johnny, bestätigte Manager Jean-Eric Freudiger die Tragödie. Über die Absturzursache herrschte Rätselraten, denn McRae galt als sicherer, sich aller Risiken bewusster Pilot. Wie einst in seinem Rallye-Auto.

McRae – egal bei welcher Rallye er auch auftauchte, dieser Mann faszinierte die Massen. Er strahlte britische Gelassenheit aus, saß aber hinterm Steuer seines Rennwagens, kannte er kein Pardon. Weder mit sich, der Strecke noch seinem Gefährt. Und als er 1995 PS-Geschichte schrieb als erster Brite, der Weltmeister wurde, war sein Name nicht nur auf der Insel das Trademark für Rallye-Sport. Und als sich daraufhin Sony seine Dienste sicherte für ein Playstation-Spiel, hatte der Rennfahrer im Handumdrehen auch den Drift in Millionen Kinderzimmer dieser Welt geschafft.

Seine Karriere begann McRae 1986 in der schottischen Meisterschaft, und schon 1987 debütierte er in der WM. 1993 hatte sein Höhenflug begonnen mit dem Sieg in Neuseeland, letztlich sollte er 25 WM-Läufe gewinnen und als Subaru-, Ford und Citroen-Fahrer stets für Begeisterung sorgen – seines Einsatzes, des unglaublichen Willens und des unheimlich aggressiven Fahrstils wegen. Eine Einstellung, die sogar seinen Konkurrenten Respekt abverlangte. Der Wiener Manfred Stohl etwa sagt: „Colin McRae war der Inbegriff für Rallye-Sport. Er war die Figur der Szene, er war der Draufgänger. Er hat nie aufgegeben, selbst wenn sein Auto nur noch in den letzten Fragmenten über die Straße rollte.“

Colin McRae kam immer ins Ziel. Nur Weltmeister sollte er nicht mehr werden. 1996, 1997 und 2001 blieb ihm „nur“ der zweite Platz. Auch Ausflüge in GT-Serien, Le-Mans-Gastspiele oder seine Dakar-Rennen sorgten für Aufsehen, doch letztlich blieb ihm der große Sieg verwehrt.

McRaes Familie ist in England ein teil der Motorsport-Geschichte. Sein Vater Jimmy ist fünffacher Champion, Bruder Alister bestritt auch unzählige WM-Läufe. Einer der Höhepunkte für Colin McRae aber war die Auszeichnung zum „Member of the British Empire“, die er 1996 von Queen Elizabeth erhielt. Denn mit seinen Duellen gegen den Engländer Richard Burns – er starb 2005 an Krebs – hielt er die Insel stets in Atem.

Großbritannien trauert mit McRaes Frau Alison und Tochter Hollie (4). Und mit ihnen die Rallye-Welt, denn sie hat einen ihrer größten Protagonisten verloren.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.09.2007)