Interview. Zumtobel-Chef Andreas Ludwig kritisiert Vorgänge rund um Meinl-Firmen. Der Vorarlberger Leuchtenhersteller plant Übernahmen und beklagt fehlende Mobilität.
Die Presse: Was sagen Sie als Chef eines an der Wiener Börse notierten Unternehmens zu den Vorgängen rund um die Meinl-Firmen?
Andreas Ludwig: Ich finde es wirklich schade, wenn missverständlich informiert wird und Aktienrückkäufe passieren, ohne die Anleger zu informieren. Für den Börsenplatz ist das nicht gut. Es gibt ja klare Regeln. Man muss im Sinne aller Emittenten und der Wiener Börse darauf achten, dass man sich nach denen verhält. Wir stehen ja als börsenotierte Unternehmen im Wettbewerb miteinander: Um das Kapital, die besten Produkte und die hellsten Köpfe. Da muss man ein Umfeld schaffen, damit sich alle ehrlich im Wettbewerb bewähren können.
Stichwort „hellste Köpfe“. Zumtobel sucht intensiv nach Jungmanagern. Trotzdem geht kaum ein Wiener nach Dornbirn. Geht es den Österreichern zu gut?
Ludwig: Wir haben einen riesigen Bedarf an technischem Nachwuchs – vom Facharbeiter bis in die Führungsetage. Das Angebot an potenziellen Mitarbeitern wird aber immer kleiner. Das ist einer der Faktoren, die in der Zukunft das Wachstum limitieren. Auch hier in Österreich. In Vorarlberg gibt es schon einen sehr aktiven Wettbewerb der großen Unternehmen um die besten Lehrlinge. Die Frage ist aber nicht Vorarlberg oder Wien, sondern: Will ich als künftige Führungskraft international Karriere machen? Gehe ich auch eine Zeitlang nach China oder nach Rumänien? In den letzten ein, zwei Jahren kam der überwiegende Großteil an Bewerbungen für unsere Führungsposten aus Deutschland. Offensichtlich ist dort die Mobilität größer als in Österreich.
Sie haben drei Fabriken in China. Wie vermeiden Sie Qualitätsprobleme, wie wir sie derzeit in der Spielzeugindustrie sehen?
Ludwig: Wir produzieren dort primär für den lokalen Markt. Im Zweifel gibt es immer einen billigeren Chinesen. Darum verkaufen wir nicht einfach Leuchten, sondern eine Lichtlösung in Zusammenarbeit mit Bauplanern und Architekten, zum Beispiel am neuen Flughafen in Peking, weil der englische Architekt, Sir Norman Foster, unsere Marke Thorn kennt und schätzt. Unsere chinesischen Werke werden von europäischen Managern aufgebaut und gleich gemanagt wie in Europa. Wenn man aber nur billig produzieren will, bekommt man nur den lokalen Qualitätsstandard.
Trifft Sie die schwächelnde Baukonjunktur in den USA und Europa?
Ludwig: Amerika ist für uns nur eine Nische in der Größe von 45 Mio. Euro. Wir haben dort nur zwei kleine Fertigungsstätten und sind nicht im privaten Wohnbau, wo die Subprime-Krise stattfindet. Die Frage ist aber, ob die dadurch ausgelösten Finanzierungsschwierigkeiten dazu führen, dass sich die Baukonjunktur langfristig abschwächt. Das würden wir sicher spüren. Aus heutiger Sicht sehen wir noch keine Abschwächung.
Welche Übernahmepläne hegen Sie?
Ludwig: Wir betreiben das nicht auf Teufel-komm-raus. Eine Übernahme muss Sinn ergeben. Also: einen neuen Markt eröffnen, neue Applikationen bringen oder neue Technologien. Spanien würde uns interessieren, Applikationen im dekorativen Bereich und die LED-Technologie. Diese drei Themen sehen wir uns seit längerem an.
Von welcher Gewichtsklasse reden wir da?
Ludwig: 20 bis 50 Mio. Euro.
Sie persönlich haben in letzter Zeit ziemlich viele Zumtobel-Aktien verkauft. Warum?
Ludwig: Die Verkäufe stehen im Zusammenhang mit dem Aktienoptionen-Programm, das vor dem Börsegang aufgelegt wurde. Das nennt sich „Sell-to-Cover“: in dem Moment, wo man die Option ausübt, muss man den Preis finanzieren. Man muss also gleichzeitig einen Teil der Aktien verkaufen, die man besitzt. Ich selbst habe den Großteil der Aktien noch, die ich in den letzten Jahren verdient habe, rund 100.000 Stück.
Wie stehen Sie zur Mitarbeiterbeteiligung?
Ludwig: Der Grundsatz ist absolut richtig. Wir haben im Elektroindustrie-Kollektivvertrag erstmals die Möglichkeit einer erfolgsabhängigen Einmalzahlung. Also 2,7 Prozent KV-Erhöhung oder nur 2,5 Prozent und den Rest erfolgsabhängig. Zumtobel hat das heuer auf 0,4 Prozent verdoppelt. Die Mitarbeiter können das bar oder in Aktien haben, 200 Mitarbeiter haben letzteres gewählt.
ZUMTOBEL: West-Licht
Im Mai 2006 ging der Dornbirner Leuchtenhersteller Zumtobel an die Börse. 20,5 Euro betrug der Ausgabekurs, heute liegt er bei 27,95 Euro. 2005/06 betrug der Umsatz 1,23 Mrd. Euro, die Ebit-Marge 9,1 Prozent.Ein Drittel der Aktien gehört der Familie Zumtobel, der Rest ist im Streubesitz.Am Dienstag (18. September) stellt sich der Konzern in Wien Privatanlegern vor.
Andreas Ludwig (47) ist seit 2003 Konzernchef über derzeit rund 7100 Mitarbeiter (2000 in Österreich). [Michaela Bruckberger]
("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.09.2007)