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"Wollte nicht Geheimdienst in der Bank spielen"

(c) APA (Robert Newald)
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Ex-Bawag-Mitarbeiter Hackl sollte 1997 für den damaligen Vorstand Büttner eine Aufstellung über die Geschäfte der Bawag mit Flöttl machen. Stattdessen informierte er Bawag-Chef Elsner.

Der frühere Leiter der Wertpapierabteilung (Treasury) der Bawag, Thomas Hackl, ist am Montag als Zeuge im Bawag-Prozess einvernommen worden. Bei seiner Zeugenbefragung im Wiener Landesgericht schilderte er den bereits mehrmals zur Sprache gekommenen Zwischenfall mit dem damaligen Bawag-Vorstand Christian Büttner. Büttner habe ihn 1997 gebeten, eine Aufstellung über die Sondergeschäfte der Bawag mit Wolfgang Flöttl zu machen. Er habe daraufhin Generaldirektor Helmut Elsner informiert, "weil ich mich sehr unwohl gefühlt habe, den Geheimdienst in der Bank zu spielen", meinte Hackl.

"Haben Sie gepetzt?" 

"Haben Sie gepetzt?", fragte Richterin Claudia Bandion-Ortner nach. "Das würde ich nicht als petzen sehen", antwortete Hackl, er habe Elsner "ganz normal informiert". Büttner wollte damals Peter Kahn, Vertreter der Bayerischen Landesbank (BayernLB) im Bawag-Aufsichtsrat, dazu animieren, bei einem gemeinsamen Besuch mit Elsner und Flöttl bei den Salzburger Festspielen zu den "Sondergeschäften" der Bank mit Flöttl genauer nachzufragen. Da Elsner von der Aktion durch Hackl erfahren hatte, wurde Büttner daraufhin von Elsner gerügt. Laut Büttner war das Verhältnis mit Elsner daraufhin belastet.

Hackl sah den Vorfall weniger dramatisch. Bei einem gemeinsamen Gespräch mit Büttner und Elsner habe ihm der Generaldirektor dann erklärt, dass er ab nun unter seiner Personalhoheit stehen werde, fachlich werde er weiter von Büttner geführt. "Haben Sie sich nicht gewundert?", fragte die Richterin nach. "Ich hatte sehr viel zu tun", so Hackl. Elsner fühlte sich durch die Recherche Büttners offenbar übergangen, wie er heute erklärte. Zwischen Büttner und Hackl hätten "Animositäten" geherrscht, daher habe er die Personalhoheit für Hackl übernommen. Beide seien aber "sehr wertvoll" für die Bank gewesen, betonte Elsner.

Hackl beschrieb auch sein erstes Treffen mit Flöttl "1997 oder 1998" zunächst in New York und dann auf den Bermudas. Besonders vom Flug in die Karibik war Hackl offenbar sehr beeindruckt, da er zuvor noch nie in einem Privatjet geflogen war. Zunächst habe er sich auf den Sitz der Stewardess gesetzt, da er ja kein Platzticket hatte. Die Gespräche mit Flöttl seien sehr allgemein zu Fragen von Zins- und Merger-Arbitrage verlaufen, die Strategien Flöttls für die Sondergeschäfte mit der Bawag waren laut Hackl dabei kein Thema. Er habe die Reise - "meine erste Amerika-Reise" - als Auszeichnung verstanden. Für Elsner war dies offenbar anders, er habe Hackl zu Flöttl geschickt, "damit er einen Eindruck bekommt von den Geschäften mit Flöttl, es war ja alles offiziell", so der heute Angeklagte.

Hackl war Kontaktperson zu Flöttl 

Hackl war für den Investmentbanker Wolfgang Flöttl jahrelang Kontaktperson in der Bank, unter anderem für die Veranlagung in den so genannten Uni-Bonds. Mit diesem Finanzinstrument wollte die Bawag nach den ersten großen Verlusten mit Flöttl das verlorene Geld wieder zurückverdienen. Das eingesetzte Geld von 350 Mio. Euro ging jedoch auch wieder verloren.

Die Bestätigungen für die Performance der Uni-Bonds habe Flöttl regelmäßig an ihn geschickt, im Herbst des Jahres 2000 seien diese Meldungen aber plötzlich ausgeblieben. Daraufhin habe er den damaligen Bawag-Generaldirektor Helmut Elsner informiert, der ihn beauftragte, weiter bei Flöttl nachzufragen. Als aber von Flöttl keine Meldung mehr kam, habe ihm Elsner gesagt, nun werde sich der damalige Bawag-Generalsekretär Peter Nakowitz um die Angelegenheit kümmern.

Nach dem Ausbleiben der Meldungen zu den Uni-Bonds flog Hackl mit Nakowitz nach Israel. Ziel der Reise war es, die Uni-Bonds als Repo-Geschäft mit Rückkaufverpflichtung der Bawag an eine große israelische Bank vorübergehend zu verkaufen, schilderte Hackl. Dieser Verkauf sei aber nicht zustande gekommen, weil die angesprochenen zwei oder drei israelischen Großbanken nähere Angaben über den Inhalt der Bonds haben wollten. Da die Bawag aber nicht bereit war, diese Informationen zu liefern, sei das in Aussicht genommene Geschäft nicht realisiert worden.

"Wussten Sie, dass man jetzt Verluste verdaut?", fragte Richterin Claudia Bandion-Ortner, "Nein, in keinster Weise", antwortete Hackl. Dass die Uni-Bonds nichts mehr wert waren, habe er erst nach Oktober 2005 erfahren, als im Zuge der Refco-Affäre die Bawag-Verluste bekannt wurden, sagte Hackl. Das Geschäft mit israelischen Banken sollte im Zuge der "Umstrukturierung" der Uni-Bonds aus "bilanztechnischen Gründen" erfolgen, erläuterte Hackl heute vor Gericht.

Auch Nakowitz stellte diesen Versuch der Bawag, die Uni-Bonds in Israel vorübergehend zu verkaufen, so dar. "Für mich war das ein technischer Vorgang", sagte der damalige Bawag-Generalsekretär und jetzige Angeklagte. Die Reise nach Israel sei eine Woche vor Weihnachten erfolgt, ihm seien damals die Verluste der Bonds bekannt gewesen.

"Es war ein Ultimo-Geschäft", erläuterte Elsner auf Befragung durch die Richterin. Üblicherweise werde bei Ultimo-Geschäften rund um den Bilanzstichtag nicht nach dem Inhalt gefragt. Die israelischen Banken seien aber sehr wohl am Inhalt der Bonds interessiert gewesen, da die Bawag keinen falschen Inhalt bestätigen wollte, sei das angestrebte Geschäft dann eben nicht zustande gekommen. "Man kann ja nicht bestätigen, dass es einen Wert gibt", sagte Elsner. Die Uni-Bonds waren damals bereits praktisch wertlos. 

Der heute 42-Jährige Hackl arbeitete von 1991 bis 2002 in der Bawag, von 1997 bis 2002 als Leiter der Wertpapierabteilung. Heute ist der diplomierte Betriebswirt als selbstständiger Vermögensverwalter in der Schweiz tätig. (Ag.)