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Prozessverzögerung droht: Ist Gutachter "befangen"?

(c) APA (Roland Schlager)
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Die Verteidiger von Investmentbanker Flöttl wollen den Sachverständigen Christian Imo als befangen ablehnen: "Imo stand mit der Bawag in Geschäftsbeziehungen".

Zum Abschluss des heutigen 30. Verhandlungstags im Bawag-Prozess stand der vom Gericht bereits am 9. August als Sachverständige bestellte ehemalige Vorstand der Wiener Börse, Christian Imo, am Prüfstand. Imo soll ein Gutachten über das Handelsverhalten des angeklagten Investmentbankers Wolfgang Flöttl abgeben. Die Verteidiger von Flöttl erläuterten heute, Donnerstag, ihren gestrigen Antrag, Imo wegen Befangenheit als Sachverständigen abzulehnen.

Das Gericht wird seine Entscheidung darüber erst am nächsten Verhandlungstag, dem 1. Oktober, verkünden, erklärte Richterin Claudia Bandion-Ortner nach der Debatte. Sollte Imo als Sachverständiger abgelehnt werden, müsste das Gericht einen neuen Sachverständigen bestellen. Dies würde vermutlich den Prozess verzögern. Das Urteil würde dann wohl erst im Jänner und nicht - wie derzeit angepeilt - Anfang Dezember fallen.

Bei Imo lägen "multiple Befangenheiten" vor, erläuterte Christian Hausmaninger, Anwalt von Flöttl, den Antrag auf Ablehnung. Der Hauptgrund sei, dass Imo seine "Interessenskonflikte" nicht vollständig offen lege. Die Bawag sei ein Hauptgläubiger einer früheren Gesellschaft von Imo gewesen, als diese im Jahr 2003 in Konkurs gegangen sei habe die Bawag einen Schaden erlitten. "Imo stand mit der Bawag in Geschäftsbeziehung", kritisierte der Anwalt.

Weiters habe Imo Jonathan Knight anwaltlich beraten. Der im Bawag-Prozess als Zeuge aufgetretene Thomas Hackl habe Knight der Bawag als Geschäftspartner vorgestellt. Hackl habe ausgesagt, er kenne Imo schon lange. Knight wiederum habe maßgeblich an der Verschleierung der Verluste der Bawag mitgewirkt. Die "Bawag Neu" befinde sich im Rechtsstreit mit Knight über die Rückgabe von Geldern aus den Uni-Bonds. Außerdem habe Imo eine Firma von Hackl in Genf anwaltlich beraten. Da die Hackl-Firma von der "Bawag Alt" finanziert worden sei, habe Hackl damit indirekt auch die Bawag beraten. Imo habe auch beim Vertrieb der "Plus Funds" beraten, der "Plus Fund" hatte einen Vertriebsvertrag mit der Bawag, führte Hausmaninger aus.

Imo verteidigt sich 

Imo verteidigte sich: "Ich mache kein Hehl daraus, dass ich den Herrn Hackl kenne". Davon habe er aber von Anfang an dem Gericht berichtet. Da er früher fast zehn Jahre im Vorstand der ÖTOB gesessen sei, habe er fast alle österreichischen Banken beraten und auch Hackl kennengelernt. "Ich habe mich um dieses Mandat nicht gestritten", unterstrich Imo. Seine Stärke sei die Unabhängigkeit und Objektivität, darum sei er auch von den österreichischen Banken für den Aufbau der ÖTOB nach Österreich geholt worden. "Ich bin niemandem etwas schuldig".

Auch Staatsanwalt Georg Krakow interessierte sich für die Verbindungen. Der Vertreter der Bawag im Verfahren, Wolfgang Brandstetter, hingegen meinte, Imo gehöre vielleicht einem derart hochspezialisierten Bereich an, "wo die Luft so dünn ist, dass man praktisch alle kennt". Die Bawag sei jedenfalls neutral und für alles offen. Der Verteidiger von Peter Nakowitz, Rudolf Breuer, schloss sich dem Antrag der Flöttl-Verteidiger an. Das Schöffengericht will die Unterlagen nun prüfen und seine Entscheidung am nächsten Verhandlungstag verkünden. Damit wurde die Verhandlung für heute geschlossen. Freitag und nächste Woche ist verhandlungsfrei, nächster Prozesstermin ist der 1. Oktober. (APA)