Unverhüllte Aggression

(c) APA (Helmut Fohringer)
  • Drucken

Kritik. Die Monologreihe „Schwarze Jungfrauen“ gewährt im Kasino am Schwarzenbergplatz einen schockierenden Einblick in die Welt strenger Musliminnen.

Die Botschaften sind so klar wie die kriegerischsten Verse in der achten Sure des Propheten: Das Ende des Okzidents ist nah. „Schwarze Jungfrauen“ lassen die Autoren Feridun Zaimoglu und Günter Senkel im gleichnamigen Stück zu Wort kommen, strenge Frauen des Islam, die in Deutschland leben und zum Großteil tiefe Verachtung gegen den aus ihrer Sicht dekadenten Westen hegen. Ihre Reaktion reicht von tiefster Verunsicherung bis zur Bereitschaft, den Heiligen Krieg gegen die Ungläubigen aufzunehmen.

Mit mehr als 30 Musliminnen wurde geredet, zehn Texte haben die Autoren für eine zweistündige Revue von Monologen ausgesucht. Am Samstag gab es im Kasino die österreichische Erstaufführung. Unter der Regie von Lars-Ole Walburg ist eine beeindruckende 75-minütige Produktion entstanden, die tief blicken lässt. Gespielt wird hinter einer Art Schleier aus Schnüren, auf die Filme vermummter Frauen projiziert werden (Video: Sebastien Dupouey). Zuerst aber wird gekocht, an einem schicken langen Edelstahl-Block (Ausstattung: Nina Wetzel), der später auch als Laufsteg herhält.

Die frommen Mädchen beginnen also, wo sie jeder Fundamentalist hinwünscht – in der Küche. Von dort aus stoßen Sachiko Hara, Dorothee Hartinger, Pauline Knof, Adina Vetter und Michael Masula (auch in der Sprechrolle einer Frau, so überzeugend wie die vier anderen) jeweils durch den Schleier vor, um ihr Weltbild zu verteidigen. Worum geht es ihnen? Um Allah? Um das richtige Leben im Falschen? Nun, es geht vor allem um Sex, besser gesagt um den Versuch, den „Schatz“ für die Ehe zu bewahren. Nicht allen gelingt das. Ein Mädchen erliegt der Verführung, auf ihren Vorschlag hin filmt der Liebhaber sie dabei sogar mit dem Handy. Die Sache wird ruchbar im Bezirk, das Mädchen muss vor der Rache der Familie fliehen, nach Berlin. Dort arrangiert sie sich. Sex, mit vielen, ist das eine, der Glaube, umso radikaler dann, das andere.

Eine andere, aus Bosnien, bleibt Jungfrau, kann aber weder dem, der sie zur Liebe drängt, noch dem, der noch nicht bereit ist, etwas abgewinnen. Die Folge: tiefe Frustration. In ihrer Sprache werfen die Mädchen alle Hüllen ab, sie sind vulgär, aggressiv. Sie sind überzeugt, dass ihr Glaube das alte Europa erobern wird. „Es lebe der Gottesstaat!“, heißt es, oder „Ich bin schwer für Dschihad.“ Ist diese Auswahl repräsentativ? Man will es nicht hoffen, die Texte sind verführerisch polemisch. Zum Schluss ertönt eine exotische Version von Madonnas „Like a Virgin“. Die Frauen beginnen zu essen. Eine Kinderstimme preist die Zukunft des Islam. Weitere Termine: 24., 25., 27. 9.; 4.–6. und 10. 10.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.09.2007)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.