Volkstheater: Ein echter Wiener nach dem Herzkasperl

(c) AP (Stephan Trierenberg)
  • Drucken

„Blickwechsel“: Ein braves Sozial-Stück mit Heinz Petters in Hochform.

Gut gemeint ist die Uraufführung des Kammerspiels von Susanne F. Wolf auf jeden Fall. Es ist Teil eines Sozialprojektes (Equal-Entwicklungspartnerschaft, sie heißt ebenfalls „Blickwechsel“), das auf die Arbeitsbedingungen bei der Pflege aufmerksam macht. Ein brisantes Thema also, das dieser Gebrauchstext im Volkstheater willig aufnahm, mit recht seichten Scherzchen und absehbarer Handlung. Das Drama ist so einfach wie das Bühnenbild (Hans Kudlich): Ein weißer Guckkasten auf der großen Bühne, mit bescheidener Möblierung, Sofa und Sitzgruppe haben bereits bessere Tage gesehen.

Doch allein Hauptdarsteller Heinz Petters als grantiger Paul Vanicek macht das Unternehmen zu einem rührenden Erlebnis, er ist bestens disponiert. Regisseur Nikolaus Büchel lässt ihm kluger Weise die Freiheit, diese Rolle echt Wienerisch anzulegen, mit einem Grant, der nur in dieser Stadt toleriert wird. Im Volkstheater aber wird ein nervöser und böser Charakter wie Vanicek nicht nur geduldet, sondern geliebt, wie die enthusiastischen Reaktionen des Publikums zeigten.

Das verkaufte Kino

Der verwitwete Kinobesitzer Vanicek wird von der geschwätzigen und masochistisch besorgten Nachbarin Ilse Wegrostek (Doris Weiner bringt beide Veranlagungen locker auf die Bühne) um die Ruhe, von seinem windigen Sohn Ferdinand (Günther Wiederschwinger, sehr authentisch) um das Lebenswerk gebracht. Vanicek junior hat das Kino verkauft – als der Vater das erfährt, erleidet er umgehend einen Infarkt und verliert jeden Lebensmut. Petters gelingen diese Passagen mindestens so gut wie der Klamauk zuvor.

Dann tritt der rettende Engel auf. Die mobile Heimhilfe Erna Hader (Gabriele Schuchter) nähert sich dieser späten Version eines Hans Moser vorsichtig, aber mit Herz. Solch patente Haushaltshilfen wünschte man sich! Ganz ohne Arg ist diese Heldin. Und sie bringt es zustande, dass Vanicek gerettet wird. Die Kino-Vorführungen finden auch künftig statt, und zwar...aber das soll noch nicht verraten werden, denn „Blickwechsel“ kommt demnächst in die Bezirke (ab 3. Oktober). Dort wird dieses Stück mit seiner Wienerischen Gemütlichkeit, das kann man gefahrlos behaupten, warmherzig aufgenommen werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.09.2007)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.