Die Sache mit den Provisionen

Anlageberater verdienen am Verkauf, nicht am Erfolg ihrer Kunden.

Meinl European Land (MEL) überlegt, sich künftig so zu verhalten wie ein zivilisiertes Mitglied des Wiener Prime Market (siehe unten stehender Artikel). Zeit wird's. Und wenn es tatsächlich so kommt, was wir hoffen, aber noch nicht wissen, dann hat die ganze Affäre wenigstens einen Sinn gehabt.

Bei der Gelegenheit könnten noch schnell die beiden Meinl'schen Fee-Generatoren Meinl Airport International (MAI) und Meinl International Power (MIP) aufgelöst werden, bevor deren Aktionäre noch mehr Schaden erleiden. Das ist im Falle MAI durch den Erwerb eines ostsibirischen Steppenflugplatzes zwar schwieriger geworden, aber nicht unmöglich.

Warten wir's ab. In der Zwischenzeit können wir uns einer Spezies zuwenden, ohne die die MEL-Affäre zumindest nicht diese Dimension bekommen hätte: Den Vermögens- und Anlageberatern. Die drohen ja schon wieder damit, Meinl klagen zu wollen. Anstatt ganz still zu warten, bis der Sturm vorüber ist. Und zu hoffen, dass sie nicht selbst vor den Richter gezerrt werden. Denn diese Finanzdienstleister, zumindest viele von ihnen, sind nicht ganz unschuldig daran, dass der Meinl-Skandal an die 150.000 Betroffene hinterlassen hat.

Die Sache war einfach: Meinl hat unanständig hohe Provisionen gezahlt. Und viele Vermögensberater haben (diese Provisionen vor Augen) die MEL-Papiere aggressiv in den Markt gedrückt, ohne lange nachzudenken, was sie da verhökern.

Natürlich: Meinl hat in Broschüren selbst unrealistische Erträge (elf Prozent im Jahr) versprochen und Unsinn à la „mündelsichere Aktien“ verzapft. Aber es wäre keinem Anlageberater verboten gewesen, sich das Produkt näher anzuschauen und zu hinterfragen. Viele haben es ja getan, aber wie gesagt: Zu wenige. Vielleicht auch deshalb, weil sie nicht am finanziellen Erfolg ihrer Kunden verdienen. Sondern daran, dass sie diesen die Produkte mit der höchsten Provisionsspanne einreden.

Anleger können daraus ruhig eine Lehre ziehen: Wer wirklich in Einzelaktien investiert, sollte sich im Sinne seiner finanziellen Gesundheit selbst intensiv mit der Materie befassen. Tut er das, dann gibt es auch keinen Grund, für ein Geschäft fünf Prozent und mehr Vermittlungsprovision abzulegen, das bei einem Onlinebroker ab 0,2 Prozent zu haben ist.


josef.urschitz@diepresse.com("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.09.2007)

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