Kochen ist groß in Mode. Wer's nicht kann, bewirtet Freunde mit Fertiggerichten. Was die taugen, hat „UniLive“ erschmeckt.
Studentisch zu leben bedeutet vor allem eines: gesellig zu sein. Weil das nicht nur in teuren Bars mit schlechter Speisekarte und lauter Musik funktioniert, sondern mit etwas Mühe auch in den eigenen vier Wänden, ist gemeinsames Essen und Trinken unter Freunden – unzählige Kochsendungen im TV belegen das täglich – groß in Mode. Der Haken daran ist, dass viele Studenten vor dem Umzug an den Studienort erstens Oma beim Kochen zu selten über die Schulter geschaut haben und zweitens über notorische Leere in der Haushaltskasse klagen.
Innerhalb dieser Rahmenbedingungen machte sich „UniLive“ auf die Suche nach dem perfekten Studentendinner. Vorgabe: Für möglichst wenig Geld möglichst schnell und einfach vier Personen halbwegs stilvoll satt zu bekommen. Testort war die Redaktion der „Presse“, deren Küche über Kühlschrank, Herd und Mikrowelle verfügt.
Wein aus Frankreich fiel durch
Als limitierender Faktor entpuppte sich das Geld. So wurde die Entscheidung getroffen, sich überwiegend auf Fertiggerichte vom Diskonter zu beschränken. Auf lukullische Befindlichkeiten des Testpersonals wurde keine Rücksicht genommen. Das Ergebnis überraschte: Für 16,16 Euro bekommt man bei Hofer (wir entschieden uns für den Marktführer, persönliche Erfahrungen zeigen, dass die Produkte der Diskont-Konkurrenz durchaus vergleichbar sind; Anm.)Getränke (Bier, Wein, Mineralwasser, Cola), Essen (Suppe, Hauptspeisen, Nachspeise, Knabbergebäck) und „Zubehör“ (Grablichter als Tischkerzen, Servietten und Mülleimerbeutel).
Weil jedes gute Essen bekanntlich mit einem Aperitif beginnt, startete die „UniLive“-Testcrew mit „Karlskrone Gold“ ins Vergnügen, einem Bier, das dem mexikanischen Mode-Gebräu Corona sehr ähnlich ist, aber deutlich weniger kostet (siehe „Genuss“-Kasten). Die anwesenden Bier-Verweigerer wichen bevorzugt auf den Grünen Veltliner für 1,59 pro Liter aus. Während der so „gut“ war, dass sogar der diensthabende Abendchef auf ein Pausen-Achterl vorbeikam, wollte sich der Rotwein („Soleil“, französischer Landwein für 1,49 pro Liter) nicht so recht leeren. „Schmeckt metallisch“, so die fast einheitliche Bewertung der anwesenden Feierabend-Sommeliers. Dabei handelte es sich nicht einmal um den billigsten Wein im Regal – doch den italienischen Wein im Tetra Pak um 79 Cent rechtfertigt nicht einmal das kleinste Budget. Ein bisschen Würde darf schon sein.
Die Zubereitung offenbarte wieder einmal, dass die Leichtigkeit eines Jamie Oliver nur Fassade ist und Verpackungen sich nur in Werbespots genau an der Perforation öffnen lassen. Und auch die cremige Konsistenz auf der Vorderseite des Packerls stellt nur die platonische Idee einer Steinpilzsuppe dar, an die die Annäherung in der Wirklichkeit nicht recht gelingen mag. Klumpen und Schaum an der Oberfläche änderten allerdings nichts daran, dass die Suppe geschmacklich durchaus annehmbar ist – auch wenn der Geschmack der Steinpilze nur auf Aromen basiert und die dazugehörige Pilzeinwaage mit Champignonstücken (!) simuliert wird.
Die Gemüselasagne konnte in der Mikrowelle ihren Aggregatszustand von gefroren zu matschig ändern, wie sich das für Nudelgerichte auch gehört. Allerdings, ein großes Manko bei derartigen Gerichten: Während Nudelmasse, Käse und Tomaten am Rand bereits zu einer harten Kruste verklumpen, sind Teile des Inneren gerade einmal lauwarm. Geschmacklich zeigt sich der mit künstlichen Aromen sozialisierte Gaumen aber recht angetan.
Eine bittere Erkenntnis schlug beim nächsten Gang unbarmherzig zu: Pizza backen setzt voraus, dass ein Gerät zum Backen vorhanden ist. Nun mag in studentischen Haushalten ein Backrohr vorhanden sein, die Simulation in der „Presse“-Teeküche wartete gerade einmal mit einer Mikrowelle auf. Insofern ist der Steinofenpizza mit Schinken kein Vorwurf zu machen, dass sie nicht knusperte, sondern die Zähne sich in kautschukartiger Konsistenz festbissen. Der Belag war jedenfalls in Ordnung, Zusatzbelegung, wie sie oft zur Verfeinerung eingesetzt wird, schien nicht notwendig.
Spaltpilz Dosengulasch
Der heimliche Höhepunkt, das Rindsgulasch aus der Dose, entpuppte sich am Ende als Spaltpilz. Schon auf olfaktorischer Ebene sorgte das Gericht für zusamengekniffene Nasen in der Küche. Männliche Testesser fühlten sich an Bundesheer, Feldlager & Co erinnert – mit allen positiven und negativen Assoziationen. Dass das Fleisch nachher weich – vielleicht etwas faserig – war, konnte (und wollte) am Ende nur ein einziger Tester feststellen. Der Rest übte sich in Verweigerung und wechselte zum Schokoladepudding. Der war brauchbar. Aber was soll man bei dem schon falsch machen...
("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.09.2007)