Das Erasmus-Programm ist bekannt und beliebt – aber auch limitiert. Wer auf anderen Kontinenten studieren will, muss andere Wege einschlagen.
WIEN. Es ist ja eigentlich fast schon zu einfach – innerhalb Europas steht mit dem Erasmus-Programm ein mittlerweile etabliertes und stark frequentiertes Programm zur Verfügung, um sich während des Studiums ein oder gleich mehrere Auslandssemester zu organisieren. 1,7 Millionen Menschen aus ganz Europa haben in den vergangenen 15 Jahren bereits daran teilgenommen.
Das System funktioniert mittlerweile weitgehend reibungslos. Die Bewerbung erfolgt über die Heimatuniversität, die Teilnehmer werden im Rahmen eines Auswahlverfahrens ausgewählt. Der Aufenthalt kann mindestens 3 bis maximal 12 Monate dauern und muss innerhalb eines Studienjahres absolviert werden. Die Studienleistung während dieses Zeitraums muss an der Heimatuniversität anrechenbar sein. Der Studierende ist für die Dauer des Austauschprogramms sowohl an der Gastuniversität im Ausland als auch an der Heimatuni von der Studiengebühr befreit.
Reise in entlegene Gebiete
Doch wie ist das, wenn man gar nicht auf dem heimischen Kontinent bleiben, sondern in etwas entlegenere Gebiete der Welt vordringen will? Nun, auch das ist möglich, wenn auch nicht immer ganz so einfach. Der erste Schritt, um raus aus Europa zu kommen, ist meistens der ins Büro für Internationale Beziehungen der jeweiligen Uni. Dort liegt eine Vielzahl an Unterlagen über Stipendien und Austauschprogramme bereit. Und es stehen den Hilfesuchenden auch persönliche Berater zur Seite. Ein guter Tipp auf der Suche nach Informationen ist auch der Österreichische Austauschdienst (ÖAD). Die ÖAD-Homepage verfügt über eine Liste aller Möglichkeiten für finanzielle Unterstützung, wenn man weit weg will (Stipendiendatenbank). Und auch die Österreichische Hochschülerschaft kann bei der Suche nach geeigneten Programmen behilflich sein. Auf der Website der Studentenvertretung gibt es auch eine Übersicht über die verschiedenen Austauschprogramme (www.oeh.ac.at/studieren/studierenimausland/austauschprogramme) zum Studieren, Forschen und Lehren.
Welche Möglichkeiten gibt es nun, seine universitäre Weltreise zu starten – oder sich zumindest einmal einen Plan dafür zu überlegen? Am beliebtesten unter den Studenten ist das Austauschprogramm Joint Study. In mehr als 20 Ländern kann man sich damit derzeit vergleichsweise unkompliziert einen Studienplatz aussuchen. Zielgruppe sind dabei vor allem Studierende, die bereits den ersten Studienabschnitt absolviert haben. Die Dauer des Auslandsaufenthalts liegt in der Regel zwischen einem Semester und einem Studienjahr, Studiengebühren müssen an der ausländischen Universität nicht bezahlt werden. Üblicherweise sind auf den Websites der Internationalen Büros an den heimischen Unis eigene Listen mit allen Partneruniversitäten zu finden, auch die Bewerbungsformulare können in der Regel hier heruntergeladen werden.
Auf eigene Faust
Viel schwieriger als bei „Joint Study“ ist es, selbst alles zu organisieren, also als Freemover ins Ausland zu gehen. Dazu muss man sowohl an der Heimatuniversität als auch an der Gastuniversität selbst nach Möglichkeiten der Unterstützung suchen. Die sind auch notwendig, denn meist müssen die an der Gasthochschule üblichen Studiengebühren entrichtet werden. Und auch an der heimischen Uni sollte man weiter inskribiert bleiben, um nicht womöglich in einen neuen Studienplan zu fallen.
Dass es sich trotz allem lohnen kann, auf eigene Faust und abseits bereits ausgetretener Trampelpfade sein Studium zu planen, zeigen einige erfolgreiche Beispiele. „UniLive“ fragte bei Studenten nach, die sich für längere Zeit von Europa verabschiedet haben oder hatten.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.09.2007)