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Kärnten: Lehrer kämpfen gegen elektronisches Schummeln

Spielverderber
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Ein Gerät killt elektronische Verbindungen und verhindert Informations-Austausch per Bluetooth.

KLAGENFURT/WIEN.Seit Handys und Laptops zur Grundausstattung jedes Jugendlichen gehören, müssen die Lehrer die Aufmerksamkeit der Schüler mit elektronischen Geräten teilen. Speziell in Computerklassen surfen Schüler oft lieber im Internet als den Ausführungen des Vortragenden zu lauschen. Handys mit Zubehör werden nicht nur zum Informations-Austausch sondern auch zum elektronischen Schummeln verwendet.

Bisher ist die Lehrerschaft dieser Entwicklung ohnmächtig gegenübergestanden. Doch jetzt gibt es ein Gegenrezept. Das Zauberwort heißt „Spielverderber“. Es handelt sich dabei um einen handelsüblichen Router, für den der Klagenfurter EDV-Spezialist Christian Inzko ein Programm entwickelt hat, das alle Funkverbindungen in einem Umkreis von 300 Metern unterbindet.

Inzko: „Wireless-Lan- und Bluetooth-Verbindungen werden durch disconnect-Befehle funktionsunfähig gemacht.“ Damit wird auch eine neue Schwindel-Methode unterbunden, die gerade im letzten Schuljahr für Verwunderung unter den Lehrern gesorgt hat: Burschen wie Mädchen haben Bluetooth-Kopfhörer unter ihren langen Haaren versteckt und sich über diese Verbindung bei Prüfungen die richtigen Antworten von Klassenkameraden übermitteln lassen.

Die Nachfrage nach dem „Spielverderber“ ist riesengroß. Erste Erprobungen in Klagenfurter und Wiener Schulen verliefen erfolgversprechend. Sogar aus dem Ausland sind schon erste Anfragen eingetroffen. Schulen, die das neue System erproben wollen, können das neue System gegen eine Gebühr von einem Euro pro Tag anwenden. Die Erfinder wollen das Produkt nicht verkaufen, weil es kontinuierlich auf den neuesten Stand der Technik gebracht werden muss.


Interesse auch bei Firmen

Inzko ist auf die Problematik der IT-Verbindungen beim Referat in einer Schule aufmerksam geworden: „Während meines Vortrages surften die Schüler wie selbstverständlich im Internet.“ Da wurde die Idee geboren, eine Technik zu entwickeln, die dem Lehrer wieder die verdiente Aufmerksamkeit sichert.

Als „Feind“ der Schüler will sich der Erfinder nicht sehen, der zugibt, in der eigenen Schulzeit selbst gefinkelte („mit Radiowellen“) Schwindel-Methoden entwickelt zu haben: „Ich bin der Meinung, dass Chancengleichheit in der Klasse herrschen muss. Das ist aber bei der Anwendung der elektronischen Medien nicht mehr der Fall.“ Inzko empfiehlt den Schülern, wieder auf die „klassische, analoge Schwindelwelt“ zurückzugreifen. Denn dort hätten alle die gleichen Chancen und die habe „seit Schülergedenken“ stets funktioniert.

Die Schule ist aber nicht das einzige Einsatzgebiet des „Spielverderbers“. Er kann natürlich auch von Eltern angewendet werden, die verhindern wollen, dass ihre Kinder den Großteil ihrer Freizeit im Internet verbringen.

Es gibt mittlerweile auch schon Anfragen von Firmen, die draufgekommen sind, dass zahlreiche Mitarbeiter bei langweiligen Sitzungen die virtuelle der realen Welt bevorzugen.

www.spieleverderber.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.09.2007)